Eingespieltes Mutter-Tochter-Duo

Knapp 20 Kilometer weiter südlich, in Wien-Simmering, wohnt Sabine Schuh mit ihrer neunjährigen Tochter Isadora. Die beiden sind gut eingespielt. Nicht nur, wenn es um die Erzeugung schräger Töne auf der E-Gitarre geht. Mutter und Tochter haben einen sehr genauen Plan von ihrem gemeinsamen Leben – und der befindet sich in einem dicken roten Buch.

"Ohne das Ding bin ich ein halber Mensch", sagt Sabine und hält den schon etwas ramponierten Familienkalender in die Höhe. In dem Buch hält sie jeden Termin fest – vom Businessmeeting bis zum Kinderyoga. Und strickt dann den dazu passenden Betreuungsplan für Isadora.

"Wir haben inzwischen ein gutes Netzwerk an Leuten, die auf Isadora aufpassen. Meine Neffen zum Beispiel", sagt Sabine, die als Geschäftsführerin arbeitet. Sabine sieht sich als Alleinerzieherin. Ihre Tochter verbringt zwar regelmäßig Zeit mit dem Papa, die Hauptverantwortung liegt aber bei ihr.
Sabine Schuh und ihre Tochter Isadora sind nicht nur ein gut eingespieltes Duo, sie haben auch ein gutes Netzwerk um sich.
"Offen gestanden, kenne ich kein geschiedenes Paar, bei dem es anders ist. Der einzige Alleinerzieher in meinem Umfeld ist verwitwet", sagt Sabine. Die offizielle Statistik bestätigt diesen Eindruck, laut ihr gibt es etwa zehn Mal so viele Alleinerzieherinnen wie Alleinerzieher. Gut ausgebildet und finanziell abgesichert – Sabine passt so gar nicht in das Bild der Alleinerzieherin, das in regelmäßigen Abständen in der politischen Debatte auftaucht. "Mir ist bewusst, dass meine Probleme vergleichsweise klein sind", sagt sie "und trotzdem fällt auch mir auf: Ein gewisses Stigma ist da – völlig unabhängig davon, wie viel du als Alleinerzieherin verdienst und wie harmonisch dein Leben verläuft."
Das Idealbild der Familie von Vater-Mutter-Kind lebe weiter. "Wer das nicht bieten kann – und dann auch noch als Frau Vollzeit arbeitet – wird öfters schief angeschaut." Soziologin Zartler nennt das "Defizit- Orientierung" in der Diskussion rund um Familien: Ein Kind wird "nur" von einem Elternteil erzogen, sagt man dann. Dabei seien gerade Alleinerziehende oft besonders gut darin, sich ein tragfähiges soziales Netz aufzubauen. "Und Kinder kommen sehr gut mit unterschiedlichen Bezugspersonen zurecht."
So sehr sich Familienbilder auch ändern: Die Herausforderungen, die das tägliche Zusammenleben bringt, bleiben durchwegs konstant. So fasst Maria Neuberger-Schmidt von der Elternwerkstatt ihre jahrzehntelange Erfahrung in der Lebens- und Erziehungsberatung zusammen.

"Im Mittelpunkt steht meistens die Frage: Wie schaffe ich meinen Lebensalltag? Und wie stelle ich es an, dass meine Kinder auf mich hören?" Was die Bindung zwischen den einzelnen Familienmitgliedern angeht, bemerkt Neuberger-Schmidt aber sehr wohl Veränderungen. "Die hat sich auf jeden Fall gelockert", sagt sie. "Wir leben in einer Zeit, in der die persönliche Freiheit eine große Rolle spielt – das wirkt sich natürlich auch auf Familien aus."

Wie macht man aus vielen Ichs unter einem Dach ein Wir? "Oft genügen ganz einfache Dinge – wie etwa bewusst gemeinsam eine Mahlzeit am Tag einnehmen und das Mobiltelefon für eine Weile weglegen." Auch gemeinsame Tätigkeiten, und sei es nur das Erledigen von Hausarbeit, fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl, so die Expertin, denn: "Ein gutes Team macht glücklich."
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