24. März 2017

Mit Ego zur Karriere

Männer haben die (durchschnittlich) schlechtere Ausbildung, dafür meistens den besser bezahlten Job. Andererseits streben immer mehr Männer nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wie passt das zusammen? SALTO sucht nach Erklärungen.

Nicht einmal sechs Prozent. So hoch ist der Anteil von Frauen in der Geschäftsführung in den Top-200 der österreichischen Unternehmen.

Diese Zahl hat die Arbeiterkammer Wien nicht etwa vor 20, 30 Jahren erhoben – sondern 2015. Eine ähnliche Sprache sprechen Erhebungen zum Gender Pay Gap, einer Statistik der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Dieser Gap liegt in Österreich bei etwa 20 Prozent. Wie passt das zusammen mit den Schwierigkeiten vieler junger Männer, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen?
 

Bewusstsein für den "Marktwert"

Neben den traditionellerweise ungleich verteilten Familien-Aufgaben dürfte zentraler Faktor für männlichen Erfolg – so klischeehaft das auch klingen mag – das Ego sein. Die internationale Recruiting-Plattform Talentory hat dazu 100 Personalberaterinnen und Personalberater befragt. Das Ergebnis: 77 Prozent gaben an, dass Männer sich ihres "Marktwertes“ bewusster seien als Frauen. Sie seien demnach auch im Jobgespräch selbstbewusster. 69 Prozent gaben bei der Befragung zu Protokoll, dass Frauen im Jobgespräch viel öfter von sich aus auf ihre Schwächen zu sprechen kommen. Interessante Randnotiz der Studienautorinnen und -autoren: Sieben von zehn  Personalberatern hielten fest, dass, "trotz offensichtlicher weiblicher Bescheidenheit, die Kandidatinnen in den überwiegenden Fällen einen fachlich kompetenteren Eindruck hinterließen". Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Gehaltsentwicklung.

Noch immer gehen zu wenige Mädchen und Frauen in den technischen Bereich, wählen Berufe, die tendenziell schlechter bezahlt sind. Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bahnt sich allerdings eine Veränderung an: "Vieles, was sich jetzt in der Arbeitswelt verändert und jahrzehntelang den Frauen zugeschrieben worden ist – von der Forderung nach flexibleren Arbeitszeiten und -plätzen bis hin zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance –, ist das, was der sogenannten Generation Y im Job wichtig ist", hält Isabelle Kürschner von Catalyst fest. Die internationale Non-Profit-Organisation setzt sich seit vielen Jahren für die Förderung von Frauen am Arbeitsplatz ein. "Was die Frauen schon lange wollen, kommt nun in der Masse – also auch bei jungen Männern – an." Die Expertin sieht darin eine Chance für mehr Gleichberechtigung – im Job UND im Privatleben.
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