Das Magazin von SOS-Kinderdorf

Worauf es wirklich ankommt

#Väter #Karenz #Glück

Autor: Axel N. Halbhuber
ist Journalist bei der Tageszeitung "Kurier" und hat mehrere Bücher geschrieben.

Wahrscheinlich weiß niemand mehr, wie das passiert ist: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Väterbeteiligung zum vermeintlichen Patentrezept für alle familien- und frauenpolitischen Problemlagen entwickelt. Erst durch die Väterbeteiligung würden die Buben sanfter, die Mädchen technisch interessierter, die Frauen beruflich gleichgestellt, die Gehaltsschere geschlossen und die Gesellschaft gewaltfrei.


Heilsversprechen kann man nur machen, solange man weit weg von der Umsetzung ist. Das gilt auch für die Väterbeteiligung. Sie existiert nach wie vor bloß in homöopathischen Dosen. Da darf man sich als urbaner Obermittelschichtler nicht täuschen lassen, wenn man auf dem Spielplatz wohlwollend den hohen Männeranteil unter den Aufsichtspersonen feststellt.

 

Die Welt da draußen ist eine andere. Zwar gibt es überall jene, die sich mühen und mühen, um die Väterbeteiligung zu steigern. Aber sie stehen oft einem grollenden Stammtisch und der steinernen Frage gegenüber: Was soll das denn schon groß ändern? Und wozu soll sich überhaupt etwas ändern?

Die nackten Zahlen der Karenzstatistik sind jedenfalls erschütternd: 20 Prozent der Väter gehen in Karenz (berechnet über den Bezug des Kinderbetreuungsgelds). Immerhin. Sie übernehmen aber nur 5 Prozent der gesamten Karenzzeit. Fünf. Pro. Zent. An diesem Prozentsatz ändert auch der immer wieder geforderte Papamonat nicht viel.
Wer auch immer den nächsten Vorstoß zur vermehrten Väterbeteiligung unternimmt – ihm seien ein paar Argumente zur freien Verwendung überreicht:
Papas in Karenz können den ganzen Tag zu Hause am Kopf ihres Babys riechen. Sie können jedes Lächeln und Glucksen kennen lernen. Sie können selber Strategien entwickeln, wie man das Kind in den Schlaf wiegt oder der Verzweiflung entkommt, wenn es nicht zu brüllen aufhört. Sie dürfen die ersten Schritte sehen. Sie können ihrem Spross von Beginn an zeigen, dass sie mit einer Waschmaschine umgehen oder eine Karotte zu Brei kochen können, so gut wie die Mama. Sie können sich in die Position spielen, in der nur Papa den Kakao machen darf, weil es eben keiner besser kann. Sie können ihrer Frau den Rücken freihalten und sich abends Bürogeschichten anhören. Ihr tagsüber die Unterlagen nachbringen, die sie zu Hause liegen ließ, oder sie überraschend mit dem Zwerg auf dem Rücksitz von der Arbeit abholen.

Und ganz nebenbei dürfen sie draufkommen, worauf es im Leben wirklich ankommt.

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