Das Magazin von SOS-Kinderdorf
Kind
Timing

#Aufklärung #Theorie #Praxis

Falter-Kolumnistin Heidi List wartet auf den richtigen Zeitpunkt, um mit dem Nachwuchs über den "Liebestanz zwischen Mama und Papa" zu sprechen - und gerät dadurch regelmäßig in Erklärungsnot.

Oh, es ist wichtig, das Gespräch mit den Kindern. Man weiß das als Mutter. Und man nimmt sich das perfekte Gespräch vor. Darüber, was biologisch abläuft beim Sex. Und das Gespräch über eigene Grenzen und über das Wahrnehmen der Grenzen des anderen. Und Vertrauen. Dass ein Nein ein Nein ist. Was Freude aneinander haben bedeutet. Und dann lässt man so die Jahre vorbeiziehen, in der Hoffnung, es abzustoppen, wann denn nun darüber zu sprechen ist.

Meist wird man überrumpelt und sieht sich dann unverhofft irgendwo an der Supermarktkassa mit der Frage konfrontiert, warum man sich denn eigentlich keinen Pimmel hat wachsen lassen. Und blickt in die Brillengläser des Kassiers, der auch schon auf die Antwort gespannt ist.

Besser also vielleicht, bewusst das Gespräch zu suchen, um es atmosphärisch besser steuern zu können. So erzählte eine Bekannte, dass sie ihren Kindern, zwei Buben im Alter von sieben und fünf, gemeinsam erklärte, wie Babys entstehen. Mit viel Aufmerksamkeit darauf, dass sie bei ihren Schilderungen möglichst fröhlich und zufrieden aussah. Sie begann mit der Erklärung, dass sie und der Papa sich zunächst einmal nackt ausziehen würden und sich dann küssten. Das löste bei dem Größeren schon den ersten Brechreiz aus. Davon unbeirrt beschrieb sie die Art Liebestanz, den es beim Sex gab – und dass der Penis des Papas sich manchmal so freuen würde, dass er ganz stramm würde. Nun kam der Part mit dem Penis in der Vagina. Oder auch Scheide.

Der Kleine sprang auf und holte aus dem Kinderzimmer sein Schwert. "Ja, gute Idee, so kann man sich das vorstellen!" rief die Bekannte. Der Kleine versuchte vergeblich seinen Penis in die Schwertscheide zu fudeln. "Das kann keinen Spaß machen," meinte der Große. Doch, machte es, erklärte die Bekannte, weil man sich streichle und küsse und das sei einfach wunderschön.

Und wenn dann alles gut geht, dann kommt irgendwann Sperma und die vielen Samenzellen machen eine tolle Jagd auf ein Ei in ihrem Körper. Und der Gewinner sei dann der, der mit dem Ei zum Baby wird. Da saßen die zwei Buben. "Das habt ihr gemacht?" fragte der Große. "Ja!" rief die Bekannte begeistert! "Zweimal? Ist ja ekelhaft."

Der Kleine saß geknickt daneben. Und sagte: "Alle, die es nicht geschafft haben, wegen mir, sind meine Brüder und Schwestern, die ich nie kennenlernen kann." Und dann gab’s Tränen.Und die Bekannte sehnte sich nach Dr. Sommer. Der aus dem BRAVO, der es so vielen Generationen ermöglicht hat, sich fern der Eltern gemütlich aufzuklären. Meinte die Bekannte.

Ich finde das ja nicht, ich als voll informierte Sexkolumnistin mache das in aller Würde und voller Vertrauen in meine Kinder. Und warte bis mich irgendwer was fragt. Bis dahin lasse ich unauffällig an verschiedenen Stellen im Haus Bücher wie "Klär mich auf" oder "Mama hat ein Ei gelegt" liegen. Kürzlich gab es die Frage, was denn ein Laufhaus sei. Sie glauben jetzt, das sei ein Indoor-Spielplatz. Ich warte auf irgendein Zeichen, wann ich das zu berichtigen habe ...

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