Das Magazin von SOS-Kinderdorf
Peru

"Der Machismo bleibt eine Schranke"

In Peru haben 74 Prozent der Buben und Mädchen bereits Gewalt erlebt, meist durch ihre Väter. Workshops sollen dabei helfen, das Bild der Männer als „Herrscher“ über die Familie zu verändern, erzählt Victoria Hugo vom SOS-Kinderdorf Lima.

Was ist das Ziel dieser Workshops, die sich speziell an Männer richten?

Ziel ist es nicht nur, eine aktive Vaterschaft zu fördern, sondern auch die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, um so die Qualität des Familienlebens zu verbessern. Durch die Teilnahme der Väter am Familienleben sollen diese gemeinsam mit ihren Partnerinnen lernen, ihre Kinder gewaltlos zu erziehen und ihnen ein Vorbild zu sein.
 

Warum sind Workshops notwendig?

Wegen der hohen Kriminalitätsrate, vor allem im Bereich der sexualisierten Gewalt. Statistiken zeigen, dass 28 Prozent der Frauen über 18 Jahren Opfer von psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalt seitens ihres Partners wurden. Ebenso haben 74 Prozent der Buben und Mädchen bereits psychische oder körperliche Gewalt erlebt. Diese Realität basiert auf einer machistischen Kultur, die sich unter anderem in folgenden Denkmustern zeigt: Der Mann muss immer das Oberhaupt der Familie sein, er ist für Ordnung und Disziplin verantwortlich, die Frau darf ohne Einverständnis ihres Mannes keine Entscheidungen treffen, und so weiter. Workshops zur aktiven Vaterschaft können diese Einstellungen infrage stellen.

 

Victoria Hugo vom SOS-Kinderdorf in der peruanischen Hauptstadt Lima.

Wie reagieren die Teilnehmer?

Die Workshops werden durchwegs positiv angenommen, die Erfahrung und der Austausch sind für die allermeisten neu. Nichtsdestotrotz ist und bleibt der Machismo eine Schranke. Einige Väter verweigern ihre Teilnahme an bestimmten Aktivitäten, da sie ihnen zu „weiblich“ oder wertlos erscheinen. Diese Gruppe ist zwar eine Minderheit, stellt aber eine große Herausforderung für unser Team dar.
 

Wie verändert sich das Familienleben danach im Idealfall?

Ich glaube, das lässt sich gut mit einem Zitat eines Vaters zusammenfassen, der uns gesagt hat: "Ich habe immer nur gesehen, wie meine Frau sich um den Haushalt und die Kinder kümmert. Jetzt erledige auch ich die Aufgaben, spreche mehr mit ihr und verbringe Zeit mit meinen Kindern. Ich fühle mich jetzt besser."
 

Wie kann man sich den Kurs vorstellen?

Eine der Aktivitäten heißt "Leih’ mir deine Stimme". Es geht dabei darum, einen Perspektivenwechsel zu schaffen. Die Väter setzen sich in einen Kreis und werden eingeladen, sich in ihre Kinder hineinzuversetzen, indem sie deren Stimmen imitieren und mit dieser Stimme ihre Väter – also sich selbst – beschreiben. Bei dieser Übung wurden schon viele Tränen vergossen.

Verlierer trotz Aufbruchs

Peru ist eine der stabilsten Demokratien in Lateinamerika. Dennoch ist das Land von sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten gekennzeichnet. Viele Familien leben in Armut. Die Quote der Kinderarbeit ist mit ca. 19 Prozent sehr hoch. SOS-Kinderdorf ist seit über 40 Jahren in Peru tätig. Heute gibt es dort zehn Familienstärkungsprojekte (ca. 9.000 betreute Personen), zwölf SOS-Kinderdörfer mit 600 Kindern sowie weitere 18 Angebote für 400 Jugendliche.

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