Kunterbuntes Patchwork

Szenenwechsel vom Mühlviertler Waldesrand in den Wiener Großstadtdschungel. Die Familie Reisinger-Cortolezis ist wohl das, was man als typische Patchworkfamilie bezeichnen kann: Zwei Kinder hat Nici in die Beziehung eingebracht, Delphine und Rhia haben jeweils unterschiedliche Mütter. Eine Tochter und einen Sohn, Niklas und Lina, hatte Karin schon, als sie und Nici ein Paar wurden. Und gemeinsam haben sie noch Emilio und Xenia bekommen. Zum SALTO-Fotoshooting haben sieben der acht Familienmitglieder Zeit, nur Delphine ist an der Uni. Dass alle gemeinsam rund um einen Tisch sitzen, hat eher Seltenheitswert. Ob es recht kompliziert ist, so eine Familie zu organisieren? „Ach, das passiert so step by step“, sagt Nici. Auch die Ex-Partnerinnen und -Partner seien zum Glück unkompliziert. „Die passen hin und wieder auch auf Kinder auf, die nicht ihre leiblichen sind.“

Als sie ein Paar wurden, haben Nici und Karin die Kinder behutsam zusammengeführt – hatten zwei Wohnungen nebeneinander, machten gemeinsame Ausflüge, ganz normale Familiensachen eben. „Natürlich muss da jeder einmal seine Rolle finden“, erzählen die beiden rückblickend.


„Als die Kinder begonnen haben, wie Geschwister miteinander zu streiten, da haben wir gewusst: Es klappt!“

Nicolaus Cortolezis, Patchwork-Papa

Bonus-Kinder

Viel Zeit miteinander verbringen und viel reden: Das sieht auch die Soziologin als wichtigste Faktoren, wenn man versucht, aus zwei Familien eine zu machen. „Ein häufiger Fehler ist, zu schnell bestimmte Beziehungen eingehen zu wollen, zum Beispiel zu schnell die Vaterrolle übernehmen zu wollen, ohne dass die Kinder der neuen Partnerin dafür bereit sind“, sagt Ulrike Zartler. Oft fehlen schlicht auch die Begriffe: „Wer will schon eine Stiefmutter sein? Damit verbindet wohl niemand etwas Positives, eher denkt man da an die böse Stiefmutter aus dem Märchen.“ Karin Reisinger nennt die Kinder ihres Mannes „Bonus-Kinder“, ein Begriff, den der bekannte dänische Familientherapeut Jesper Juul geprägt hat. Diese sprechen Karin wiederum mit dem Vornamen an.
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