hiesige und emigrierte Künstler und Künstlerinnen

Die Kunst hilft Künstlern

Heimische Kreative organisieren den Salon der Künste. Er bringt geflohene und österreichische Künstlerinnen und Künstler zusammen.

Der Name verströmt etwas Altehrwürdiges: Salon der Künste. Das klingt nach feiner Gesellschaft und edlem Ambiente. Edel soll es schon sein, aber ansonsten stellt der Salon der Künste keine elitären Ansprüche. Im Gegenteil. Der Musiker Wolfgang Schlögl, die Köchin Parvin Razavi und die Mediatorin Claudia Prutscher haben die traditionelle Institution des Salons als Treffpunkt Gleichgesinnter reanimiert. Ihr Ziel ist, Flüchtlingen, die in ihren Herkunftsländern als Künstlerinnen und Künstler oder Kreative gearbeitet haben, in ihrer neuen Heimat mit heimischen Kunstschaffenden zusammenzubringen.
 
 
Parvin Razavi: "Kreative verwenden eine universelle Sprache und können hier leichter andocken. Das müssen wir nützen, und das sollte auch in anderen Bereichen passieren." Wolfgang Schlögl: "Es ist die gesamte syrische Gesellschaft auf der Flucht. Vom Hilfsarbeiter bis zum Universitätsprofessor. Wir konzentrieren uns auf das Segment, in dem wir uns am besten auskennen, die Kultur."

Zwei Mal wurde der Salon veranstaltet, seine dritte Austragung im Wien Museum ist in Vorbereitung.


Meine größten Wünsche sind, dass ich Deutsch lernen und arbeiten kann.

Alireza Daryanavard, Musiker & Schauspieler


Einer der Teilnehmer des ersten Salons ist der aus dem Iran geflohene Schauspieler und Musiker Alireza Daryanavard. Er ist 22 und anerkannter Flüchtling. In seiner Heimat spielte er Hauptrollen in Kinofilmen und TV-Produktionen, arbeitete als Fernseh- und Radio-Moderator. Vor zwei Jahren musste er fliehen. "Wenn man seine Heimat verlassen muss, ist das schlimm. Man weiß nicht, wie es weitergeht. Wenn ich zurückblicke, kann ich sagen, ich hab’ mich ganz gut zurechtgefunden und gesehen, wo mein Weg ist.

Deutsch spricht er schon sehr gut, gearbeitet hat er schon im Dschungel Wien. Im Salon hatte er Kontakt mit Filmemachern wie Mirjam Unger oder David Schalko. Sie wissen nun, dass es ihn gibt. Das ist wichtig. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, ihn einzusetzen, werden sie das tun. Was sagt Alireza Daryanavard Menschen, die sich vor Flüchtlingen fürchten? "Ich bin zwar nicht hier geboren, aber ich lebe hier, mein Kind ist hier geboren. Ich habe Angst vor Krieg oder Terroristen. Wie jeder. Das macht uns doch ähnlicher, als es uns unterschiedlich macht. Jeder will in Frieden leben. Ich bin dankbar für den Schutz und die Aufnahme in diesem Land."
 

Langsam Fuß fassen

Ebenfalls vor zwei Jahren nach Österreich geflohen sind Linda Zahra und Alfoz Tanjour. Sie ist Fotografin, er Filmemacher. Sie haben zwei Kinder. Die Familie hat vor dem Bürgerkrieg in Damaskus gelebt. Keiner von ihnen konnte sich vorstellen, plötzlich Syrien verlassen zu müssen. In Österreich fassen sie langsam Fuß. Ihr wichtigster Termin ist der Deutschkurs, den sie besuchen. Ansonsten arbeiten sie, so gut es geht. Linda Zahras Arbeiten wurden schon in drei Ausstellungen gezeigt, Alfoz hat einen Produzenten für seinen ersten Spielfilm gefunden, die Vorbereitungen laufen. Alfoz Tanjour: "Unsere Kinder sind 13 und sechs Jahre alt. Sie besuchen den Kindergarten und die Schule. Wir lernen mit ihnen. Ich verstehe viel, aber mich selbst mitzuteilen, ist noch schwierig. Wir üben im Alltag, ohne Praxis geht nichts." Nach Österreich sind sie gekommen, weil sie in Frieden leben wollten, eine Zukunft für ihre Kinder gesucht haben. Die ist ungewiss. Linda Zahra: "Ich möchte sofort zurückkehren, aber im Moment sieht es in Syrien sehr düster aus. Wir haben zwei Kinder, die nun hier aufwachsen. Was, wenn die nach Kriegsende gar nicht zurückwollen? Wir wissen es nicht." Gegen diese Ungewissheit kämpfen sie mit Arbeit und dem Fleiß, sich hier ein neues Leben aufzubauen. Das ist nicht einfach, aber die einzige Chance. Tanjour: "Syrer sind fleißige Leute, es geht gegen unsere Einstellung, Almosenempfänger zu sein. Wir wollen arbeiten und uns ein Leben aufbauen. Das hilft letztlich ja auch der Gemeinschaft. Es ist schrecklich, Flüchtling zu sein." Den Salon nützen die beiden weiterhin, um in Kontakt mit Österreicherinnen und Österreichern zu kommen. Das ist auch für den Maler Muhammad Farouk das Wichtigste. Er hadert oft mit der Distanziertheit vieler Österreicher im Alltag, im Gespräch würde sie aber schnell verschwinden. Deshalb lernt er mit allen Mitteln, auch via Youtube und Fernsehen. Und in persönlichen Gesprächen: "Das ist das Wichtigste. Sprache baut Hürden zwischen den Menschen ab." Wie für alle Flüchtlinge ist die Zukunft eine große Unbekannte für Farouk. Nur eines weiß er: "Ich bitte um die Chance, beweisen zu können, dass ich Teil dieser Gesellschaft werden kann."

Text: Karl Fluch

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