Tag gegen Kinderarbeit – 10.06.20

Millionen Mädchen und Buben durch Corona in Gefahr in Arbeit getrieben zu werden

Die Coronakrise ist ein großes Risiko für Kinder weltweit. Der Einsatz gegen Kinderarbeit wird um Jahre zurückgeworfen.

In Folge der Corona-Pandemie könnten Millionen Mädchen und Buben weltweit gezwungen werden zu arbeiten. Darauf weist SOS-Kinderdorf zum Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni hin. "Ein erster kritischer Schritt wurde in zahlreichen Familien bereits vollzogen, indem Buben und Mädchen ihre Bildung unterbrechen mussten. Oft ist das der Einstieg in die Kinderarbeit", sagt SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser. Nach wie vor könnten aufgrund des Lockdowns fast 70 Prozent aller Schülerinnen und Schüler weltweit nicht in die Schule gehen. Gerieten ihre Eltern zusätzlich in Not, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Kinder zum Broterwerb beitragen müssten und ihre Bildung nie wieder aufnehmen würden.

153 Millionen Kinderarbeiter

Bereits vor der Corona-Pandemie lag die Zahl der Kinderarbeiter bei 153 Millionen, das ist fast jedes zehnte Kind. Davon gingen 73 Millionen besonders schwerer Arbeit nach. Die Vereinten Nationen hatten in ihren Entwicklungszielen festgeschrieben, dass die Kinderarbeit bis 2025 beendet werden soll. Moser sagt: "Davon entfernen wir uns gerade rasant!"

 

  Bisher war unsere größte Sorge, dass die Fortschritte zu gering sind. Jetzt befürchten wir, um Jahre zurückgeworfen zu werden.

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf

 

Die Mechanismen, die zu Kinderarbeit führen, seien bekannt. "Aktuell können wir hinter jedes ein Häkchen setzen", sagt Moser. Besonders gravierend sei die Zunahme von Armut: Laut UN-Prognosen wird die Zahl der Menschen, die in Armut leben, in Folge der Corona-Pandemie und der Wirtschaftskrise um 80 bis 420 Millionen steigen. "Es ist eine der ersten Bewältigungsstrategien, dass Kinder mitarbeiten müssen", so Moser. Auch Krankheit, Tod der Eltern oder das Auseinanderbrechen von Familien führten vermehrt zu Kinderarbeit.

Hilfe für bedürftige Familien

Besonders in wirtschaftlich schwachen Ländern könnten Familien aktuell kaum mit staatlicher Unterstützung rechnen, stattdessen würden bestehende Programme noch gekürzt, weil das Geld zur Eindämmung der Pandemie eingesetzt werde. "Ganz schlimm wird es Buben und Mädchen treffen, die bereits vor der Krise arbeiten mussten: Für viele werden sich die Bedingungen weiter verschlechtern und die Arbeitszeiten erhöhen", sagt Moser.

SOS-Kinderdorf fordert, dass die Situation der Kinder bei der Bewältigung der weltweiten Coronakrise an erster Stelle stehen müsse. "Wir wissen, wie wir Kinder schützen können: Es braucht soziale Absicherung, Bildungsprogramme und Unterstützung für Familien! Wir müssen jetzt beherzt handeln, damit die Kinder nicht die Leidtragenden sind", sagt Moser.

Helfen Sie jetzt!

Wir bitten um Spenden für die Nothilfe in der Corona-Krise. Ihre Spende wird für Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise verwendet.

Jetzt spenden

 

 

Weitere Artikel