Tag der Jugend:
Bleiben Jugendliche Corona-Verlierer am Arbeitsmarkt?

Corona hat es jungen Menschen noch schwieriger gemacht, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. SOS-Kinderdorf fordert zum Tag der Jugend konkrete Unterstützung für junge Menschen in prekären Situationen.

Wenig Jobs und prekäre Arbeit

Allzu viel zu feiern haben junge Menschen am diesjährigen Tag der Jugend nicht. Laut aktuellen Arbeitsmarktzahlen waren in Österreich 41.750 junge Menschen (15 bis 24 Jahre) im Juli arbeitslos – das sind 52,4 Prozent mehr als im Juli des Vorjahres. Und die Situation könnte sich durch Corona im Herbst und Winter nochmals deutlich verschärfen. Auch bei Rat auf Draht mehren sich die Anrufe rund um die Themen, Arbeitslosigkeit, Jobsuche und Zukunftsangst. 

Unser Geschäftsführer Christian Moser fordert die Politik zum Handeln auf:


Ohne eine stabile neue Generation, wird unser gesamter Wohlstand und die gesellschaftliche Stabilität zu bröckeln beginnen. Das ist keine Panikmache, sondern ein Aufruf für mehr Unterstützung für junge Menschen in prekären Situationen!

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf

 

Mit der Einstellung von Lehrlingen sind Betriebe zurzeit vorsichtig. Es gibt große Verunsicherung, wie es in den nächsten Monaten weitergehen wird - viele Betriebe müssen schließen. Während die Ausbildungspflicht bis 18 bisher ganz gut wirkte, sind die dafür notwendigen überbetrieblichen Ausbildungsstätten mittlerweile nicht mehr in der Lage, den Mangel an betrieblichen Lehrstellen abzufangen. Es braucht rasch Maßnahmen, um Überbrückungssysteme, wie Produktionsschulen und überbetriebliche Ausbildungsstätten auszubauen. Trotzdem darf auch die Förderung der betrieblichen Ausbildung nicht außer Acht gelassen werden. Sie ist die Basis der hohen Qualität österreichischer Wirtschaftsleistungen.

Besorgniserregend ist auch die Situation am Arbeitsmarkt für die über 18-jährigen. Atypische Beschäftigungen sind für Junge heute schon fast die Regel. Hohe Flexibilität und wenig soziale Sicherheit gehören zu ihrem Alltag. Allerdings sieht man in der Krise, dass ohne entsprechende Absicherung der Absturz schnell geht. Startups gehen unter, freie Mitarbeiter verlieren als erste Job und Einkommen. Hier brauche es dringend neue Antworten, Zukunftsängste zu nehmen und Chancen wieder greifbar zu machen.

Belastete junge Menschen besonders betroffen

Während die Arbeitsmarktsituation für junge Menschen ganz allgeimen angespannt ist, haben es Kinder und Jugendliche aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien besonders schwierig. Gezielte Förderungen durch Nachhilfe etc. sind oft nicht leistbar. Geht ein Job einmal verloren, gibt es kaum ein finanzielles Sicherheitsnetz. Folgeprobleme sind vorprogrammiert: Existenzängste und Zukunftssorgen gepaart mit Hoffnungslosigkeit und Perspektivenlosigkeit können psychische Probleme verstärken und entsprechende Verhaltensweisen zwischen Depression und Aggression zutage bringen. 

 

Junge Menschen bei SOS-Kinderorf

SOS-Kinderdorf unterstützt junge Menschen, die mit schwierigen Voraussetzungen ins Leben gestartet sind und begleitet sie auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Diese jungen Menschen streben nach einem selbstbestimmten Leben, auch wenn viele von ihnen Armut, Not, auch Gewalt und Missbrauch gesehen oder selbst erlebt haben. Gerade deshalb braucht es viel Verständnis, Geduld, Zuwendung und professionelle Unterstützung -  und Zeit!

 


Für sozial benachteiligte Jugendlichen braucht es dringend spezielle Förder- und Unterstützungsmaßnahmen, etwa durch Verlängerungen der Kinder- und Jugendhilfe-Maßnahmen oder durch Hilfe bei der Suche nach günstigen Sozialwohnungen.

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf

 

AR.SOS gibt Jugendlichen eine Chance

Beim Arbeitsprojekt AR.SOS werden arbeitslose und sozial benachteiligte junge Menschen, die am freien Arbeitsmarkt nicht oder nur schwer vermittelbar sind, durch ein spezielles Arbeitstrainings- und Schulungsprogramm "jobready" gemacht. 

Projektleiterin Andrea Schritter ist davon überzeugt, dass jeder junge Mensch ganz viel Potenzial in sich trägt - manche bräuchten allerdings ein wenig Untersützung um dieses Potenzial auch voll entfalten zu können. 

Im Gespräch mit uns erzählt Andrea Schritter von den Herausforderungen, die ihre jugendlichen ProjektteilnehmerInnen, am Weg zur Arbeitsmarktintegration zu meistern haben. 

 


Zum Arbeitsprogramm gehören die Abholung, Sortierung, Lagerung, Verteilung und Verwertung von Sachspenden, die SOS-Kinderdorf bekommt.  In zwei Second-Hand-Läden (Guntramsdorf & Hinterbrühl) werden Sachspenden die nicht direkt in den SOS-Kinderdörfern verwendet werden können, verkauft. 

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