9. Mai 2017 | Forderung

SOS-Kinderdorf: Hilfe für 18-Jährige darf nicht weiter vertagt werden

Familienministerin gefordert, bundesweite Lösung zu veranlassen

"Seit Jahren tritt die Politik auf der Stelle, wenn es darum geht, für über 18-Jährige einen Rechtsanspruch für Hilfe zu schaffen – die erforderliche Änderung des Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetzes darf nicht weiter aufgeschoben werden", fordert SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser. Ein entsprechender Initiativantrag wird bereits seit 2014 immer wieder vertagt. Morgen, am Mittwoch 10. Mai 2017, steht er neuerlich auf der Tagesordnung im Familienausschuss des Nationalrats.

Kinder und Jugendliche, die nicht bei ihren Eltern leben können und daher beispielsweise bei Trägern wie SOS-Kinderdorf aufwachsen, verlieren an ihrem 18. Geburtstag den Rechtsanspruch auf Kinder- und Jugendhilfe.


"Kinder müssen von einem Tag auf den anderen ihr Zuhause verlassen und per Gesetz selbstständig sein. Das erschwert den Start in ein eigenständiges Leben enorm."

Christian Moser


Kinder und Jugendliche seien massiven Ungleichbehandlungen in diesem Zusammenhang ausgesetzt. Denn ob die Kinder- und Jugendhilfe verlängert wird, hängt von einer Reihe oft schwer nachvollziehbarer Faktoren ab und wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt.
 

Familienministerin gefordert

Vor wenigen Tagen forderte auch die Volksanwaltschaft in ihrem aktuellen Bericht einen klaren Rechtsanspruch auf Kinder- und Jugendhilfe nach dem 18. Geburtstag. "Während die Politik seit Jahren vertagt und evaluiert, werden jedes Jahr Tausende betroffene Jugendliche volljährig und kommen in schwierige Lebenslagen, wenn keine Verlängerungen gewährt werden", kritisiert Moser. "Familienministerin Karmasin ist gefordert, nun endlich Mut aufzubringen, Druck auf die Länder auszuüben und Schritte für eine klare Grundsatzgesetzgebung auf Bundesebene einzuleiten." Auch in vielen anderen europäischen Ländern gebe es bereits entsprechende Gesetze. "In Österreich wird dieses Anliegen leider weiterhin zwischen Bundes- und Länderebene hin- und hergeschoben – die Leidtragenden dabei sind die Jugendlichen", so Moser.

Aber auch für die öffentliche Hand komme es auf lange Sicht wesentlich teurer als die Verlängerung von Jugendhilfemaßnahmen. "Wer es aufgrund von psychischen Belastungen und hohem Leistungsdruck nicht schafft, Schritt für Schritt nachhaltig in ein selbstbestimmtes Leben und den Arbeitsmarkt zu finden, wird schnell zum Sozialhilfeempfänger", erklärt Moser.
 
 

Mehr als nur finanzielle Unterstützung

Derzeit wird nur selten Unterstützung nach dem 18. Lebensjahr gewährt. Im Jahr 2015 erhielten rund 4 Prozent der 14 bis 17-Jährigen Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe. Bei den über 18-Jährigen sind es hingegen nur mehr knapp 1 Prozent, die Hilfe bekommen. Während junge Menschen in Österreich, die in ihren Familien aufwachsen, durchschnittlich erst im Alter von 25 Jahren aus dem elterlichen Haushalt ausziehen, muss der Großteil der fremduntergebrachten Jugendlichen bereits mit 18 Jahren auf eigenen Beinen stehen.

"Es geht bei dieser Frage um mehr als nur finanzielle Unterstützung", erklärt Moser. "Es geht darum, sicherzustellen, dass kein junger Mensch von einem Tag auf den anderen aus seinem sozialen Umfeld gerissen wird. Ein stabiles Zuhause mit verlässlichen Bezugspersonen ist wesentlich für den Weg in ein selbstbestimmtes Leben.“ Kinder und Jugendliche, die ohnehin unter erschwerten Bedingungen ins Leben starten, werden durch die Ungewissheit über eine Verlängerung der Hilfen nach ihrem 18. Geburtstag zusätzlichen Zukunftsängsten ausgesetzt.

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

Advocacy - Kinder und Jugendrechte

/* pageName= SOS-Kinderdorf: Hilfe für 18-Jährige darf nicht weiter vertagt werden pagePrefix= breadCrumb=Aktuelles / SOS-Kinderdorf: Hilfe für 18-Jährige darf nicht weiter vertagt werden mainDomain=sos-kinderdorf.at langIdentifier=AT,de */