Forderung – 6. Dezember 2017

Wir fordern eine Kinderkosten-Erhebung

Geschäftsführer Christian Moser fordert: "Wir müssen ehrlich darüber sprechen, welche finanziellen Mittel Familien aktuell brauchen."

Wohnen, Essen, Kleidung, Ausgaben für Kinderbetreuung und Schule, Freizeit und Urlaub - Familien sind mit zahlreichen finanziellen Belastungen konfrontiert. Wie hoch diese sind, ist unbekannt.
 


"Es ist dringend notwendig, ehrlich darüber zu sprechen, welche finanziellen Mittel Familien aktuell brauchen. Nur so können wir Kinderarmut nachhaltig bekämpfen"

Geschäftsführer Christian Moser


Zwar gibt es die Regelbedarfssätze, die für Kinder je nach Altersstufe einen bestimmten Bedarf festlegen. Diese Werte gehen allerdings auf eine Erhebung aus dem Jahr 1964 zurück. Sie werden jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst, die zugrundeliegenden Berechnungen sind jedoch seit mehr als 50 Jahren unverändert.
 


"Wir fordern eine aktuelle Kinderkosten-Erhebung als Grundlage für eine seriöse und nachhaltige Familienpolitik"

Christian Moser
 

Aktuelle Lebenswelten als Grundlage

Die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen haben sich seit 1964 massiv verändert. Kosten für Kleidung sind gesunken, andere Ausgaben, etwa Mieten, sind stark angestiegen. Zudem hat sich der Warenkorb erweitert. 1964 war das Festnetztelefon der aktuelle technische Stand, heute sind Smartphone, Laptop und Computer aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Schule, Freizeit, Kosten für die Kinderbetreuung: Die Ausgabenstruktur von Haushalten mit Kindern ist mit jener vor 50 Jahren in keiner Weise vergleichbar.

Trotzdem nehmen familienpolitische Maßnahmen auf die völlig veralteten Regelbedarfssätze Bezug, etwa im Unterhaltsrecht oder bei der Familienförderung.
 


"Die aktuellen Lebensrealitäten von Familien sollen, so unsere Forderung, die Grundlage für politische Maßnahmen bilden. Derzeit ist das leider nicht der Fall"

Christian Moser
 

Gemeinsamer offener Brief

Gemeinsam mit über 70 weiteren Organisationen fordert SOS-Kinderdorf in einem offenen Brief die künftige Bundesregierung nachdrücklich dazu auf, die Durchführung einer neuen Kinderkosten-Erhebung im Regierungsprogramm zu verankern und zu budgetieren.

In Österreich leben rund 356.000 Kinder und Jugendliche in Haushalten, die als armuts- und ausgrenzungsgefährdet gelten. Ganz konkret bedeutet das für diese Kinder und Jugendlichen, dass sie verminderte Bildungschancen haben, eine schlechte Gesundheitsversorgung und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen sind. So ist es Vielen nicht möglich, organisierten Freizeitaktivitäten nachzugehen, an Schulausflügen teilzunehmen oder Freunde nach Hause einzuladen. "Die Folgen sind soziale Ausgrenzung und Benachteiligung“, sagt SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser. „Diese Erfahrungen sind für Kinder demütigend und belastend."

Betrifft: Aktualisierung der Erhebung von Kinderkosten
 
 
Sehr geehrte/r Frau/Herr….!
 
 
Sachorientierte Politik braucht empirische Grundlagen, anhand derer politische Optionen geprüft und diskutiert werden können. Bei den Kosten, die Familien für ihre Kinder aufwenden müssen, fehlen diese. Wohnen, Essen, Kleidung, Wohnraum, Ausgaben für Kinderbetreuung und Schule oder auch Freizeit und Urlaub - es müssen unterschiedlichste Kosten abgedeckt werden. Wie hoch diese tatsächlich sind, ist jedoch unbekannt.
 
Zwar gibt es die Regelbedarfssätze, die für Kinder je nach Altersstufe einen bestimmten Bedarf festlegen. Diese Werte gehen aber auf eine Erhebung im Jahr 1964 zurück. Sie werden jährlich an den Verbraucherpreisindex angepasst, die zugrundeliegenden Berechnungen sind jedoch seit mehr als 50 Jahren unverändert.
 
Seither hat sich aber enorm viel verändert. Während Kosten für Kleidung gesunken sind, sind andere Ausgaben, etwa Mieten, stark angestiegen. Aber nicht nur die Höhe einzelner Komponenten hat sich verändert, auch der Warenkorb insgesamt ist ein ganz anderer geworden. War 1964 das Festnetztelefon der aktuelle technische Stand, sind heute Smartphone, Laptop und Computer aus dem Alltag – auch von Kindern und Jugendlichen – nicht mehr wegzudenken. Auch Schule und Freizeitgestaltung unterliegen einem starken Wandel. Dementsprechend ist die Ausgabenstruktur von Haushalten mit Kindern mit jener von vor mehr als einem halben Jahrhundert in keiner Weise vergleichbar.
 
Trotzdem nehmen Familienrecht und familienpolitische Maßnahmen auf die Regelbedarfssätze in unterschiedlicher Weise Bezug, etwa im Unterhaltsrecht oder bei der Familienförderung. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Es ist dringend notwendig, die finanzielle Lage von Familien aktuell und auf einer statistisch zuverlässigen Basis zu erfassen.
Wir fordern die Bundesregierung nachdrücklich auf, die Durchführung einer neuen Kinderkosten-Erhebung im Regierungsprogramm zu verankern und zu budgetieren.
 
Wir appellieren insbesondere, dass die Durchführung zum ehestmöglichen Zeitpunkt folgt – damit die österreichische Politik für Kinder und Familien wieder auf sachlich fundierte Grundlagen gestellt werden kann.
 
 
Mit freundlichen Grüßen
 


 

Weitere Informationen

/* pageName= SOS-Kinderdorf fordert Kinderkosten-Erhebung pagePrefix= breadCrumb=Aktuelles / SOS-Kinderdorf fordert Kinderkosten-Erhebung mainDomain=sos-kinderdorf.at langIdentifier=AT,de */