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Schulbeginn – 02.09.19

Kein übertriebener Leistungsdruck zum Schulstart

54 % der Jugendlichen wird der Schulstress oft zu viel. Wir appellieren an Eltern und Schule, keinen übertriebenen Druck aufzubauen.

Die Jugendlichen von heute stehen von allen Seiten unter Druck. Leistungsdruck, Freizeitoptimierung oder das Mithalten im Freundeskreis sind bekannte Gegenspieler einer unbeschwerten Jugend. Mit dem Schulbeginn wird das Programm der meisten Kinder und Jugendlichen schlagartig dichter. Sie sind nicht nur in der Schule gefordert, sondern auch noch danach – mit Hausübungen, Lernen, Kursen oder Trainingsstunden. Laut einer repräsentativen Studie, die SOS-Kinderdorf im Frühjahr 2019 beim Institut für Jugendkulturforschung in Auftrag gegeben hat, empfinden 88 % der 14- bis 18-Jährigen Stress. Schule und Ausbildung sind die größten Stressfaktoren.
 

SOS-Kinderdort appelliert darum zum Schulbeginn zu mehr Achtsamkeit.

"Es ist wichtig, bei der Leistungsorientierung eine gute Balance zu finden", so Nora Deinhammer, Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf. Eltern meinen es gut, wenn sie zu guten Noten animieren. Statt motivierend zu wirken, kann das aber leicht zum Gegenteil führen und Zukunftsängste auslösen. 38 % aller Burschen und 53 % aller Mädchen haben Angst, im Leben nichts zu erreichen. Das ist besorgniserregend.
 

Es geht um mehr als nur um gute (Ziffern)Noten

Aktuelle Änderungen im Schulsystem drohen die Dynamik zu verschärfen. Systeme wie verpflichtende Ziffernnoten schaffen schon bei den Kleinsten unnötigen Leistungsdruck. „Druck ist nicht leistungsfördernd sondern meist kontraproduktiv und hemmt die Freude am Lernen“, so Deinhammer. Zudem haben Stress und Druck gravierende Auswirkungen auf die physische und psychische Entwicklung von jungen Menschen. Genug Freiraum für Kreativität, Spiel und Ausgleich hingegen stärken die junge Persönlichkeit.

Die Jugendlichen selbst belasten darüber hinaus noch ganz andere Themen. Denn Schule ist nicht nur Bildungsstätte, sondern auch ein sozialer Ort. Jugendliche plagen Konflikte untereinander. Bei der Jugend-Hotline Rat auf Draht werden täglich mindestens zehn Beratungen zum Thema Schule geführt. "Knapp die Hälfte dreht sich dabei um Themen wie Mobbing und das zwischenmenschliche Miteinander", so Birgit Satke, Leiterin von Rat auf Draht. Was die Schülerinnen und Schüler bewegt, sind Konflikte mit der besten Freundin oder dem besten Freund, Kränkungen, die über soziale Kanäle wie WhatsApp die Runde machen, oder beleidigende KlassenkameradInnen. "In vielen Fällen hilft es, wenn wir Mut zusprechen, die Missstimmung untereinander zu klären. Jugendliche sind oft schnell verunsichert, vermuten etwas, ohne miteinander gesprochen zu haben", so Satke.

Im familiären Umfeld sollten Kinder und Jugendliche genau auf solche Situationen vorbereitet werden. Sie brauchen Unterstützung, um im späteren Leben Herausforderungen meistern zu können und Strategien zu lernen, wie man konstruktiv mit Stress und Druck umgeht. Wichtig dafür sind eine gute Beziehung in der Familie und ausreichend gemeinsame Zeit. Diese fehlt jedoch oft: 55 % der Jugendlichen wünschen sich mehr gemeinsame Freizeitaktivitäten mit der Familie, 22 % fehlt in der Familie die Zeit, um über wichtige Themen zu sprechen.

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