Safer Internet Day 2020 – 10.02.20

Gewaltschutz im Netz

SOS-Kinderdorf fordert konkrete Präventivmaßnahmen, um Kinder und Jugendliche im Internet besser vor Gewalt zu schützen.

Der Februar ist Safer Internet-Aktions-Monat! Das nehmen wir zum Anlass um erneut auf den dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf Sicherheit für Kinder und Jugendliche im Internet hinzuweisen. Damit junge Menschen zu kritischen Usern heranwachsen, Informationen einschätzen und Gefahren erkennen können, braucht es vor allem Medienerziehung und die Bereitschaft Erwachsener, sich mit der Lebenswelt der Generation Smartphone ernsthaft auseinanderzusetzen.

Für Kinder und Jugendliche gehört die Nutzung digitaler Medien zum Alltag.

 

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich mit Fragen zu digitalen Medien an unsere KollegInnen von  Rat auf Draht, wenden, steigt seit Jahren an. Cybermobbing, Internetabzocke oder Computersucht sind nur einige der Themen. Fast täglich gehen Anrufe zum Thema Sexting ein. Und jedes dritte Beratungsgespräch zum Thema digitale Medien dreht sich um verschiedene Formen der sexuellen Belästigung im Netz – sei es, dass ungewollt intime Fotos verbreitet wurden, Kinder oder Jugendliche unangenehme Aufnahmen zugeschickt bekommen, oder durch unbekannte Täter im Netz belästigt werden. Hier braucht es dringend mehr Information und Prävention. Zum Beispiel an Schulen.

Prävention statt Pornofilter

Im aktuellen Regierungsprogramm positioniert sich die Regierung gegen Gewalt im Netz und verspricht eine effektivere Verfolgung entsprechender Delikte, sowie einen verbesserten Opferschutz. Zu konkreten Präventivmaßnahmen gibt es aber kaum Vorschläge. Auch die neue Regierung setzt hauptsächlich auf technische Hilfsmittel, um Kinder und Jugendliche im Internet vor Pornografie und Gewalt zu schützen. Filterprogramme sollen gefördert und leichter zugänglich gemacht werden. Das allein reicht aber nicht aus. 


Diese "Pornofilter" schützen nur bedingt vor ungeeigneten Inhalten. Psychisch belastende und verletzende Inhalte kommen meist aus dem nächsten Umfeld. Und ein Programm, das vor Mobbing in sozialen Netzwerken schützt, gibt es nicht!

Katrin Grabner
Kinderrechtsexpertin SOS-Kinderdorf

Wichtiger als Schutzfilter sind der Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen, das Thematisieren von Gefahren und das Gespräch über ihre Online-Erfahrungen. Das sollte in der Schule und in der Familie stattfinden.

Je normaler dieser Austausch ist, desto höher ist die Chance, dass sich Kinder bei Problemen an Eltern oder andere Bezugspersonen wenden. Ist das Internet in erster Linie mit Verboten belegt, bleiben junge Menschen oft aus Scham mit ihren negativen Erlebnissen allein. Das betrifft besonders das Thema Sexualität. Wir fordern daher dringend mehr Maßnahmen im Bereich der Elternbildung. Längst überfällig sind außerdem Gewaltschutzkonzepte für Bildungseinrichtungen, mit Leitlinien zum Umgang mit Cybermobbing. In Deutschland oder Luxemburg würden diese längst zum Standard gehören.

 

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