Zurück zu den Anfängen

Raphael Adou war das erste Kind das im ersten SOS-Kinderdorf Afrikas, in Abobo Gare, ein Zuhause gefunden hat.

"Ich bin der Letzte aus der ersten Generation"

Ich heiße Raphael Adou, ich bin 58 Jahre alt und aus Côte d’Ivoire, wo ich auch geboren wurde. Mein Vater war aus Europa, ich habe ihn aber nie kennengelernt. Als Mischling warst du ein Ausgestoßener, weder deine leibliche Familie noch die Gesellschaft haben dich aufgenommen. Kinder wie ich kamen in ein spezielles Waisenhaus, wie das "Le Foyer des métis" zum Beispiel.

Meine Mutter wollte mich dort zweimal unterbringen, ich war aber noch zu klein. So kam ich als eines der allerersten Kinder in das erste SOS-Kinderdorf in Afrika, in das SOS-Kinderdorf Abobo-Gare. Da war ich sieben Jahre alt. Heute bin ich das einzig noch lebende Kind dieser ersten Generation. Ich bin verheiratet und habe vier leibliche Kinder. Zusätzlich unterstütze ich noch drei weitere Kinder.

Raphael als Jugendlicher. Damals war Abobo-Gare noch beschaulicher mit vielen Pferden, die in den Kokosplantagen eingesetzt wurden. (Foto: SOS-Archiv)

Wie war es zu deiner Kindheit in Abobo?

In den 60iger Jahren hatte Abobo noch nicht mit der quirligen Großstadt von heute zu tun. Es war sehr beschaulich, viele Kokosplantagen, staubige Straßen, überall eine üppige Vegetation, Wasserkanäle, es war, kurz gesagt, ein Paradies für uns Kinder. Wir waren ständig draußen beim Spielen vor dem Dorf, im Wald, mit Pferden und vielen anderen Tieren.

Ich kann mich auch noch an den Bau des Dorfes erinnern. Wir haben damals in den Ferien den Maurern noch die Ziegel gereicht. Es gab vier Häuser für Buben in den Farben gelb, blau, grün und rot. Und die Kinder sind mit jeder Schulstufe ein Haus weitergerückt, sozusagen. Damals gab es noch keine Kinderdorf-Mutter. Es gab den Dorfleiter und Betreuer. Erst, als die Mädchen einzogen, zogen SOS-Kinderdorf-Mütter ein.

Die Liebe und Fürsorge, die er ihm SOS-Kinderdorf erhalten hat, hat er an seine vier Kinder und seine drei Patenkinder weitergegeben.

Erinnerst du dich an deine SOS-Kinderdorf-Mutter?

Ich kann mich sogar an zwei erinnnern. Die erste Mutter war nur kurz. Sie hieß Monique. Sie musste leider aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Die zweite Mutter Zaratou blieb. Sie lebt noch und wir begegnen uns oft in der Nachbarschaft und verplappern uns dann regelmäßig.
 

Hast du jemals Hermann Gmeiner getroffen?

Ja. Er kam zum 10jährigen Jubiläum des Dorfes in den frühen 80iger Jahren. Ich war gerade 18 Jahre alt und der offizielle Dorf-Photograph. In meiner Erinnerung haben wir fast nichts miteinander geredet. Ich erinnere mich aber an seine Erscheinung: bescheiden und warmherzig. Er war ein guter Mann.

Hermann Gmeiner besuchte das SOS-Kinderdorf Abobo-Gare anläßlich des zehnjährigen Bestehens. (Foto: Alexander Gabriel, SOS-Archiv)

Hat dich das Leben im Dorf verändert? Was hast du daraus mitgenommen?

Ich wollte auch selber Kinder haben und ihnen die Liebe und Fürsorge beibringen und weitertragen, die ich selbst erhalten habe. Meine SOS-Kinderdorf-Mutter hat mich tief beindruckt. Mir wurde erst mit ihr bewusst, dass Mütter die Familie zusammenhalten und sie für diesen Zusammenhalt oft alles tun. Ich habe auch noch nie vorher diese Liebe erfahren.

Was möchtest du Kindern in den SOS-Kinderdörfern mitgeben?

Sie sollen wissen, dass das Leben nie still steht. Man muss ständig Entscheidung abwägen und fällen und sollte dafür immer offen und bereit sein. Und dazu braucht es viele Fähigkeiten. Ich bin zum Beispiel ausgebildeter Buchhalter, aber ich bin auch Bauer und ein guter Automechaniker. Es ist wichtig mehrere Standbeine als Option zu haben.

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