Familienstärkung – 01.10.20

Mehr Prävention in der Kinder- und Jugendhilfe in Wien notwendig

In keinem anderen Bundesland leben so viele Kinder getrennt von ihren Eltern wie in Wien - frühe Unterstützung kann Zerbrechen von Familien verhindern.

Mehr als 4.000 Kinder und Jugendliche können in Wien nicht bei ihren leiblichen Eltern leben, besagt die aktuelle Kinder- und Jugendhilfestatistik. In Relation zur Bevölkerung, sind das so viele wie in keinem anderen Bundesland in Österreich. "Wir wissen, dass es zahlreiche präventive Maßnahmen gibt, die es möglich machen, dass Familien zusammenbleiben können", sagt Clemens Klingan, SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter. "Von diesen Unterstützungen für Familien in Notlagen brauchen wir in Wien viel mehr, damit in Zukunft weniger Kinder getrennt von ihren Eltern aufwachsen müssen."

Mobile Betreuung und Unterstützung zuhause durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, niederschwellige Beratungsstellen und Therapiemöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und ihre Familien sind nur einige Beispiele für präventive Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe. Wir sehen in anderen Bundesländern, dass die Investitionen in solche Maßnahmen großen Erfolg haben. Bekommen Familien, die in Notlagen geraten sind, rechtzeitig Hilfe, kann es in vielen Fällen vermieden werden, dass sie zerbrechen und Kinder in Fremdunterbringung, wie zum Beispiel in Wohngruppen von SOS-Kinderdorf, betreut werden müssen.

Prävention erspart Kindern Leid und der Gesellschaft Kosten

Kinder gehören prinzipiell zu ihren Eltern. Deshalb sollte die Möglichkeit, Kindern Leid, durch die Trennung von den Eltern zu ersparen, niemals ungenutzt bleiben. In Wien fließen laut aktueller Kinder- und Jugendhilfestatistik 93% der Mittel der Kinder- und Jugendhilfe in Maßnahmen der vollen Erziehung, also in die Fremdunterbringung von Kindern. Lediglich 7% werden in präventive Maßnahmen investiert. In anderen Bundesländern wird bis zu einem Viertel des Budgets für die Unterstützung der Erziehung in präventive Maßnahmen gesteckt. In diesen Bundesländern ist auch über die Jahre hinweg in der Jugendhilfe Statistik zu erkennen, dass weniger Kinder von ihren Eltern getrennt werden müssen.

Das Modell zeigt also Wirkung, während in Wien die Zahl der Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben können über die letzten Jahre hinweg stetig angestiegen ist. "Es ist klar, dass ein Ausbau unterstützender Maßnahmen erstmal mit Kosten verbunden ist", erklärt Klingan. "Doch langfristig kann sich die Stadt Wien sehr viel Geld in der sehr kostenintensiven Fremdunterbringung ersparen."

Eltern bleiben Eltern

Eltern lieben ihre Kinder und wollen für sie da sein, es gibt aber vielfältige Umstände, die Familien unter Druck setzen und in schwierige Lebenslagen bringen. Die Ursachen dafür können finanzielle Herausforderungen, psychische Probleme, Erkrankungen, Paarkonflikte oder Trennungen sein. Meist kommen mehrere dieser Faktoren zusammen. "Egal was in einer Familie vorgefallen ist, die Eltern bleiben die Eltern und immer ein Teil des Lebens ihrer Kinder – es ist die Verantwortung der Politik das bestmögliche zu unternehmen, dass für diese Kinder ein gemeinsames Leben mit ihren Eltern möglich bleibt".

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