Prävention – 13.05.22

Mit professioneller Hilfe können mehr Kinder bei ihren Eltern bleiben

SOS-Kinderdorf versucht mit präventiver Unterstützung zu verhindern, dass Kinder von ihren Eltern getrennt werden müssen.

„Es gibt viele Faktoren, die Familien unter Druck bringen“, sagt Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf. „Wenn sich Alltagsprobleme aufstauen, reicht oft eine einzige Zusatzbelastung, wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsverlust, Krankheit, Trennung der Eltern oder ein Todesfall in der Familie, um das Gesamtgefüge ins Kippen zu bringen. In der aktuellen Zeit der Dauerkrisen ist das nur allzu verständlich.“

Christian Moser

Nicht immer, wenn Familien in schwierige Lebenslagen geraten, müssen Kinder von ihren Eltern getrennt werden. Wir sind überzeugt, in vielen Fällen ist es möglich, dass Familien zusammenbleiben, wenn sie rechtzeitig die passende, professionelle Unterstützung bekommen.

Christian Moser

SOS-Kinderdorf kommt nicht erst ins Spiel, wenn Kinder nicht mehr bei ihren Eltern leben können. „Wir unterstützen auch Familien, damit sie gar nicht erst auseinanderbrechen. Nicht immer, wenn Familien in schwierige Lebenslagen geraten, müssen Kinder von ihren Eltern getrennt werden. Wir sind überzeugt, in vielen Fällen ist es möglich, dass Familien zusammenbleiben, wenn sie rechtzeitig die passende, professionelle Unterstützung bekommen. Genau hier sollte auch die Politik ansetzten“, so Moser.
 

Unterstützung zuhause durch mobile Familienarbeit

Eine Form der Unterstützung ist die mobile Familienarbeit. Dabei besuchen Familienberater*innen von SOS-Kinderdorf belastete Familien mehrmals wöchentlich bei ihnen zuhause. Es gibt Termine gemeinsam mit den Kindern und Termine mit den Erwachsenen, wo es auch Platz für Dinge gibt, die die Eltern beschäftigen. Gemeinsam mit den Familien werden Fähigkeiten und neue Lösungsstrategien erarbeitet, damit Eltern in Zukunft mit krisenhaften Situationen besser umgehen können. Die Art der Hilfe orientiert sich dabei eng an den individuellen Bedürfnissen der Familien. „Es ist sehr wichtig, anzuerkennen, dass die Eltern selbst die Expert*innen für ihr Leben sind. Sie sind gefordert, ihre Ziele selbst zu formulieren und werden dabei unterstützt, diese zu erreichen“, erklärt Moser. Im Jahr 2021 wurden rund 1.100 Kinder und ihre Familien von SOS-Kinderdorf mobil betreut.

 

Gemeinsam mit den Eltern im SOS-Kinderdorf

Ein weiteres präventives Angebot ist das Eltern-Kind-Wohnen. Dabei ziehen ganze Familien – also Kinder gemeinsam mit ihren Eltern oder einem Elternteil – in eine Wohnung von SOS-Kinderdorf. Dort werden sie von einem Team an Pädagog*innen und Familienberater*innen betreut, begleitet und gestärkt. „Die Familien werden entlastet und bekommen wichtige Unterstützung bei den Herausforderungen im Alltag. So kann es gelingen, dass die Familien zusammenbleiben und langfristig wieder ein eigenständiges Leben führen können“, so Moser. „Nach zirka zwei Jahren wird im Optimalfall die Betreuung der Familie schrittweise beendet und die Familie gestärkt in ein eigenständiges Leben geführt.“ In ganz Österreich wurden 2021 rund 130 Kinder und ihre Eltern im Rahmen des Eltern-Kind-Wohnen betreut.
 

Mehr Fokus auf präventive Maßnahmen

„Wir sehen, unsere präventiven Angebote haben Erfolg“, freut sich Christian Moser. „Ca. zwei Drittel der Familien, die wir mobil betreuen, schaffen es zusammenzubleiben. Aus dem Eltern-Kind-Wohnen können wir sogar rund drei Viertel aller betreuten Familien in ein selbstständiges Leben entlassen. Das erspart nicht nur den betroffenen Kindern und Familien unnötiges Leid, sondern ist auch das deutliche günstigere Konzept verglichen mit der sogenannten Fremdunterbringung, in der die Kinder von den Eltern getrennt werden müssen. Wir hoffen sehr, dass auch die Politik das erkennt und noch mehr als bisher in präventive Angebote investiert“, so Moser abschließend.