Nepal – 23. April 2018

Nepal - Die Freude kehrt zurück

Rund um das kleine Dorf Bhimtar zeigt sich die SOS-Nothilfe besonders eindrucksvoll. Neben zwei Schulen entstehen dort durch Unterstützung aus Österreich Häuser für 300 Familien.

"Das wird unser Klassenzimmer. Da kommt die Tafel hin!" "Und aus diesem Fenster schauen wir raus, wenn uns langweilig ist", bemerken Ganga und Chanchali kichernd. Wir befinden uns mitten in einer Baustelle in Bhimtar. Dort, wo durch die großzügige Unterstützung von Spenderinnen und Spendern aus Österreich gerade die Schule für 650 Schüler neu aufgebaut wird.

Ganga und Chanchali freuen sich auf die neue Schule.

 

Die zwei aufgeweckten Mädchen sind beste Freundinnen und haben das Beben am 25. April 2015 miterlebt. Über die Tage während und nach dem Beben wollen sie nicht sprechen. "Sie schauen jetzt nur nach vorn", erzählt ihr Lehrer Pema. Doch uns durch ihre "neue Schule" zu führen, das wollten sie sich nicht nehmen lassen.
 

Die Bhimeshwori School wird 650 Schülerinnen und Schülern Platz bieten.

 

Große Freude Ganga und Chanchali und 650 Schülerinnen und Schüler freuen sich auf die neue Schule. Bei bis zu 40 Grad Hitze folgen sie derzeit dem Unterricht in Wellblechhütten, die behelfsmäßig ein paar hundert Meter unterhalb der Baustelle aufgestellt wurden. Über den Aufgaben brüten ist hier heiße Realität. Die Schüler nehmen das in Kauf, die Lehrer auch. "Die Kinder wollen lernen. Alle wissen, dass nur eine Schulausbildung ihr Leben verbessern wird", erklärt uns Lehrer Pema.
 

Stabile Bauweise

Der Bauleiter erklärt: "Wir bauen die Bhimeshwori School sehr stabil, das dauert einfach länger! Doch so kann die Schule im Notfall dem stärksten Beben standhalten. Gebäude und Räume lassen sich im Notfall leicht adaptieren und fungieren als Notschlafstellen. Das ist im Konzept so vorgesehen. Niemand soll wie im April 2015 tagelang im Freien schlafen müssen! Ist die Schule fertig gebaut, übergeben wir sie der Schulbehörde und SOS-Kinderdorf zieht sich zurück." Im Distrikt Sindhupalchok, in dem die Schulen entstehen, waren 95 % der Infrastruktur zerstört, sofern sie überhaupt vorhanden war. Um Baumaterial nach Bhimtar zu bringen, musste eine ordentliche Zufahrt ins Dorf gebaut werden.

 

Die Doppelhäuser bieten zwei Familien Platz.

Nachhaltige Hilfe

Neben der Bhimeshwori-Schule werden in Bhimtar auch 77 Familienhäuser gebaut. In der Nachbargemeinde Lakuridanda sind es 98 Häuser und eine Schule für 400 Kinder. Dabei werden die zukünftigen Besitzer angelernt, ihr Haus in Ziegelbauweise mit Eisenträgern selbst aufzubauen. SOS-Kinderdorf stellt das Material sowie die Trainingseinheiten zur Verfügung. Zwei Familien teilen sich ein Haus, es wird kompakter, zentraler gebaut. So werden dem ohnehin kargen Boden nur wenige Quadratmeter abgerungen, denn Landwirtschaft ist immer noch die wichtigste Versorgungsgrundlage.
 

Die Starthilfe fällt nach Region und Bedarf unterschiedlich aus, zum Beispiel kann ein Kiosk vorfinanziert werden, wie auf diesem Bild, der eine zusätzliche Erwerbsquelle neben der Landwirtschaft darstellt.

Starthilfe

In Bhimtar gibt es sogar einen kleinen Kiosk, den Herr Shresta betreibt. Der Krämerladen sieht im ersten Moment deplatziert aus. Doch zehn Minuten später steht ein Trupp Bauarbeiter vor der Hütte und die Arbeiter schlürfen genüsslich Shrestas Nudelsuppe. Der Besitzer erhielt die Starthilfe für den Kiosk von SOS-Kinderdorf. Mit seinem Kiosk und dem Mittagstisch-Angebot für die Arbeiter kommt er und seine Familie gut über die Runden. Eine Starthilfe ist aber auch in Form von Ziegen, Büffeln oder Bienenstöcken möglich, je nachdem, was eben in die Region und zu den Menschen passt. Über 700 Familien haben mittlerweile diese Starthilfe in Anspruch genommen.
 

Ein Büffel ist ein langfristige Form der Hilfe. Er kann die Familie über viele Jahre mit Milch versorgen, die verarbeitet und auch weiterverkauft werden kann.

Auf dem Nachhauseweg von der Schule kommen Ganga und Chanchali an Shrestas Kiosk vorbei. Sie essen Samosas und unterhalten sich darüber, wer wohl in Bhimtar als erster in sein neues Haus einziehen kann. Alle lachen, alle sind glücklich, weil die neue Schule kommt, weil ihr Dorf bald wieder zu existieren beginnt – für die Menschen Bhimtars ein stabiles und starkes Zeichen, dass die Erdbebenkatastrophe überwunden ist – zumindest äußerlich.

 

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