Minerva_Zeugnisübergabe
Zeugnisübergabe – 8. August 2017

Mit Bildung positiv in die Zukunft gehen

Seit einer Woche haben es 29 junge Menschen schriftlich: Sie haben mit Fleiß und Engagement einen großen Schritt in Richtung selbstbestimmte Zukunft gesetzt.

Ein knappes Jahr haben 15 jungen Frauen und 14 jungen Männer aus Syrien, Somalia, Russland, dem Irak, Äthiopien und Kroatien intensiv Deutsch gelernt, Englisch und Mathematik gebüffelt. Sie haben Themen aus Geschichte, Geografie und Biologie bearbeitet und gelernt, mit dem Computer umzugehen. In Exkursionen und integrativen Begegnungsprojekten, unter anderem mit der HLWM Annahof, dem BORG Oberndorf und dem Salzburg Museum haben sie Themen aus politischer Bildung bearbeitet, sich mit kulturellen Differenzen und der österreichischen Gesellschaft auseinandergesetzt. Soziales Lernen, „Lernen“ lernen und die individuelle Zukunftsplanung standen ebenfalls auf dem Stundenplan.

 

 
„Minerva ist für mich eine Brücke in eine bessere Zukunft. Mein Ziel ist es, in die IT-Branche einzusteigen.“ Mohammad Reza Kamrani, 25 Jahre, aus Afghanistan. Hat die B2 Prüfung bestanden und will studieren.
 


Begehrte Bildungsplätze und lange Wartelisten

Insgesamt 62 Prüfungen des Österreichischen Sprachdiploms Deutsch (ÖSD) legten die 16 bis 25 Jährigen im 9. Minerva-Durchgang ab. Auf eine Bestehensquote von 87 %, die teilbestandenen Prüfungen nicht eingerechnet, können die engagierten und fleißigen Schülerinnen und Schüler zu Recht stolz sein. „Auf jeden Minerva-Platz kommen drei BewerberInnen“, sagt Wolfgang Katsch, SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter. „Diese jungen Menschen sind froh, einen der begehrten Plätze bekommen zu haben. Das spiegelt sich neben der hohen Anwesenheitsquote auch im großen Engagement und dem Fleiß der Teilnehmenden wieder“, lobt Katsch.


„Viele warten lange auf einen Platz und nutzen die Chance, sich durch individuelle Basisbildung ein solides Fundament für eine positive Zukunft aufzubauen umso intensiver.“

Wolfgang Katsch, SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter 

So auch ein junger Mann aus Afghanistan. Ein ganzes Jahr stand er auf der Warteliste. In seinem zwischenzeitlich gefunden Job wurde ihm klar, dass ihm Sprach- und Grundkompetenzen fehlten, da er in seiner Heimat nie eine Schule besuchen konnte. Nun nutzt er die Bildungskarenz, um bei Minerva die erforderliche Basisbildung nachzuholen. Besonders viel Engagement zeigte auch eine junge schwangere Frau aus Syrien. Sie besuchte den Unterricht bis zum letzten Tag vor der Geburt ihres Babys und trat knapp vier Wochen danach zu einer erfolgreichen ÖSD-Prüfung an.
 
„Mein großer Dank geht an Minerva und die wunderbaren Lehrerinnen. Jetzt habe ich das A2 Zertifikat. Als nächstes möchte ich die B1 Prüfung schaffen.“ Gehan Alibrahim war bis kurz vor der Geburt ihres Babys im Unterricht und ist dann knapp vier Wochen später zur erfolgreichen ÖSD-Prüfung angetreten.


Durch individuelle Unterstützung zum Erfolg


„Zu uns kommen junge Menschen mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen“, erklärt Minerva-Koordinatorin Waltraud Krassnig. „In vielen Fällen haben die TeilnehmerInnen nur eine geringe Schulbildung in ihrem Heimatland erhalten. Deshalb fehlen oft Bildungsinhalte, die für einen Pflichtschulabschluss-Lehrgang, der zudem auch noch in einer für sie fremden Sprache abgehalten wird, nötig sind.“

So individuell wie die Voraussetzungen, welche die Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren mitbringen, ist bei Minerva auch die Lernmethodik. Sie wird an jeden Einzelnen angepasst. Alle Schülerinnen und Schüler kommen freiwillig und müssen sich um einen Platz bewerben. 80 bis 90 Prozent von ihnen machen in der Bildungslaufbahn weiter. Knapp 250 Mädchen und Burschen konnte das Minerva Bildungsteam in den vergangenen neun Jahren auf dem Weg in ein erfolgreiches Leben in der neuen Heimat unterstützen.
 

Jubiläumsjahrgang noch nicht ganz gesichert


Das für die TeilnehmerInnen kostenlose Programm ist im Rahmen der Initiative Erwachsenenbildung akkreditiert und wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie des Bundesministeriums für Bildung und Frauen und dem Land Salzburg gefördert. Im Herbst startet der Jubliäums-Jahrgang.

Auch 2017/2018 soll es wieder 36 Plätze geben. 12 davon werden aus dem Fördertopf „Bildung für junge Flüchtlinge“ des Bildungsministeriums finanziert. 24 Plätze werden bis Dezember 2017 ausschließlich vom Land gefördert. Für die weiteren Module bis Juli 2018 und für die neue ESF-Förderperiode 2018-2021 können ab Herbst Anträge gestellt werden. Krassnig hofft hier auf weitere Unterstützung. Vorher aber ist noch das Bildungsprogramm zu reakkreditieren, deren erfolgreiche Absolvierung Voraussetzung für die Antragstellung ist.
 
„Bei Minerva haben wir viel gelernt und können nun zuversichtlich in die Zukunft blicken. Außerdem haben wir beide eine beste Freundin gefunden.“ Nesrin aus Syrien (sie will Krankenschwester werden) und Suroor aus dem Irak (will die Matura machen und dann in einer Apotheke arbeiten).
 

Perspektiven geben – statt Chancen nehmen


„Deutschlernen allein ist keine Ausbildung“ sagt auch SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser. „Junge Menschen brauchen Perspektiven. Sie sind in den meisten Fällen hochmotiviert, wollen lernen und sich integrieren. Haben sie dazu keine Chance, wird wertvolle Lebenszeit verschwendet. Nehmen wir jungen Menschen die Möglichkeit zu lernen und zu arbeiten, schauen wir einer verlorengegangenen Generation beim Großwerden zu“, warnt Moser.

Die Konsequenzen seien Perspektivlosigkeit, Depression, Kriminalität, Radikalisierung. Jeder Minderjährige habe das Recht auf bestmögliche Entwicklung und Entfaltung – völlig unabhängig von seiner Herkunft. „Niederschwellige Bildungsangebote und auch das Öffnen des Lehrstellenmarktes für junge Asylwerber sind wichtiger denn je und ich wünsche mir, dass wir im kommenden Jahr mit hoffentlich vielen Schülerinnen und Schülern das 10jährige Minerva-Jubiläum feiern können.“
 

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