Basisbildung – 31.07.20

Besonderer Abschluss bei Minerva

Neun Wochen lang gab es Corona bedingt beim SOS-Kinderdorf Basisbildungsprogramms Minerva keinen normalen Unterricht. Umso größer war die Freude bei der diesjährigen Abschluss-Feier über die positiven Modul- und Jahreszeugnisse.

Dieses Minerva Lernjahr war besonders. Das Corona Virus hat alle vor große Herausforderungen gestellt. Vom LehrerInnenteam und von den TeilnehmerInnen wurden außergewöhnliche Lehr- und Lernmethoden gefordert, die alle durch engagierten Einsatz, viel Fleiß und Zielstrebigkeit gut gemeistert haben.

Am Freitag fand die Zeugnisüberreichung an acht junge Männer und neun junge Frauen statt. Mit der Schließung der Schulbetriebe im Zuge des Corona-Lockdowns mussten auch die Teilnehmenden aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Venezuela, Bosnien, Serbien, dem Irak und der Türkei vom gewohnten Unterricht auf Distance-Learing umsteigen. Einige Teilnehmende haben jedoch weder einen PC noch einen Laptop zu Hause. Um den Lernstoff zu bearbeiten entwickelte das Minervateam deshalb spezielle Online-Aufgaben, die via Mobiltelefon gelernt und geübt werden konnten und standen ihren Schülerinnen und Schülern für einen regelmäßigen telefonischen Austausch zur Verfügung.

Mobiles Klassenzimmer fürs Handy

Marjam, 16 Jahre, kann stolz sein auf ihre Leistung. 

 

"Manche Aufgaben waren einfach, aber manche waren auch sehr schwierig. Ohne die Erklärungen der Lehrerin konnte ich nicht alles verstehen", erzählt die 16jährige Mariam aus Syrien. "Bei Fragen habe ich E-Mails geschrieben oder in unsere What`sApp Gruppe gepostet. Besonders Spaß haben die Aufgaben gemacht, die wir per Videobotschaft bekommen haben." Das habe gut geklappt erinnert sich die junge Frau, doch das Lernen in der Gruppe hat ihr gefehlt. Ihr nächstes Ziel ist es, den Pflichtschulabschluss und dann die Matura zu machen. "Obwohl viele sagen, dass es schwierig ist, bin ich Dank Minerva überzeugt, dass ich es schaffen kann."

Mustafa hat während der Corona-Zeit übers Handy Vokabeln gelernt. 

 

Mustafa kommt aus Afghanistan und hat die Zeit genutzt, um intensiv Deutsch zu lernen. "Ich habe Grammatik wiederholt und Vokabeln gelernt und alle Aufgaben die ich per E-Mail oder SMS bekommen habe gemacht. Weil ich keinen Laptop habe, musste ich mein Handy benutzen." Zu Beginn des Lockdowns habe er sich große Sorgen gemacht erzählt der 23-Jährige. "Von Minerva haben wir neben den Aufgaben auch immer gute Informationen in einfacher Sprache zum Coronavirus bekommen, auch per Video. Das hat mir die Angst genommen, aber ich war sehr froh, als der Unterricht wieder begonnen hat."

 

Fernunterricht in einer fremden Sprache

"Das Lernen via E-Mail und SMS stellt generell schon eine besondere Herausforderung dar. Das Ganze auch noch in einer Fremdsprache zu meistern, ist eine bewundernswerte Leistung. Ich habe großen Respekt vor dem Ehrgeiz und dem Fleiß der jungen Menschen", freute sich auch SOS-Kinderdorfleiter Wolfgang Arming.  


Jedes Kind egal von wo es kommt hat das Recht auf Bildung und junge Menschen brauchen Perspektiven. Nehmen wir jungen Menschen die Möglichkeit zu lernen und zu arbeiten, schauen wir einer verlorengegangenen Generation beim Großwerden zu.

Wolfgang Arming
Kinderdorfleiter, SOS-Kinderdorf Salzburg

 

Über Minerva

Seit 2008 unterstützt SOS-Kinderdorf mit Minerva junge Menschen mit Migrationshintergrund, die einen Anschluss ins Bildungs- und Ausbildungssystem oder in den Arbeitsmarkt suchen. „Wir geben ihnen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus den Schlüssel für eine gelungene Integration an die Hand,“ so Mazinjan. Dabei geht es um weit mehr als nur um das Erlernen der deutschen Sprache. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen in fast einem Jahr auch jenes Grundwissen, das für den Einstieg in externe Pflichtschulabschluss-Lehrgänge, für weiterführende Bildungsmaßnahmen oder für den Einstieg in den Arbeitsmarkt erforderlich ist. Auf dem Stundenplan stehen Deutsch mit Deutsch-Sprachprüfung, Mathematik, Geschichte, Geografie, Biologie, Englisch sowie Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Zusätzlich zu dieser Basisbildung lernen die jungen Menschen durch Projekte, Themen-Workshops, Exkursionen und fächerübergreifenden Unterricht die Kultur und Gesellschaft Österreichs kennen.

 

Weiterführende Information:

 

 

 

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