Jugendlicher vor der Tafel
Integration? – 30. Juli 2018

Integration- Minerva zeigt seit 10 Jahren, wie es geht.

Mehr als 330 junge Menschen sicherten sich in den vergangenen 10 Jahren einen der begehrten Plätze im SOS-Kinderdorf Bildungsprogramm MINERVA. Ein großer Schritt auf ihrem Bildungsweg in Richtung Selbstbestimmtheit und Integration.

Ruaa steht vor ihren 21 Mitschülerinnen und Mitschülern im Vormittagskurs des SOS-Kinderdorf Bildungsprogramms Minerva und vervollständigt hochkonzentriert Grammatik-Sätze am Whiteboard. Die deutsche Sprache hat die 18jährige Syrerin inzwischen schon sehr gut gelernt. Jetzt geht es in den Endspurt – denn in ein paar Wochen tritt sie zur B1-Prüfung des Österreichischen Sprachdiploms Deutsch (ÖSD) an. Ende Juli bekommt sie mit ihrem Minerva Abschlusszeugnis auch einen Schlüssel zu ihrer Zukunft in die Hand.

 


So wie ihr ging es inzwischen mehr als 330 Mädchen und Jungen, die an Minerva teilgenommen haben. Sie alle konnten sich in den vergangenen zehn Jahren einen der vielbegehrten Plätze sichern und somit einen großen Schritt auf ihrem Bildungsweg in Richtung selbstbestimmte Zukunft gehen.


Ich mag Minerva, weil ich sehr gut Deutsch lerne und sehr viel über Österreich lerne. Die Lehrerinnen sind auch sehr nett.

Hassan
Schüler im Bildungsprogramm MINERVA

 

Mehr als nur Deutsch lernen

„Mit Minerva unterstützen wir nun schon seit 2008 junge Menschen mit Migrationshintergrund, die einen Anschluss ins Bildungs- und Ausbildungssystem suchen“, erklärt Leiterin Waltraud Krassnig das Projekt. „Wir geben ihnen unabhängig von ihrem Asylstatus den Schlüssel für eine gelungene Integration an die Hand.“ Dabei geht es um weit mehr als nur um das Erlernen der deutschen Sprache. In drei aufeinander aufbauenden Modulen - entweder im Vormittags- oder Nachmittagsunterricht - lernen die Schülerinnen und Schüler in fast einem Jahr auch jenes Grundwissen, das für den Einstieg in externe Pflichtschulabschluss-Lehrgänge, für weiterführende Bildungsmaßnahmen oder für den Einstieg in den Arbeitsmarkt erforderlich ist. Auf dem Stundenplan stehen Deutsch, Mathematik, Geschichte, Geografie, Biologie, Englisch sowie Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Zusätzlich zu dieser Basisbildung lernen die jungen Menschen durch Projekte, Themen-Workshops, Exkursionen und fächerübergreifenden Unterricht die Kultur und Gesellschaft Österreichs kennen.
 

Minerva vermittelt Basiswissen für junge Menschen mit Migrationshintergrund, die nicht mehr schulpflichtig sind, ganz unabhängig von deren Asylstatus.

 

Bildung bleibt verhandelbar

Das für die TeilnehmerInnen kostenlose Basisbildungsprogramm ist im Rahmen der Initiative Erwachsenenbildung akkreditiert. Es wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und dem Land Salzburg gefördert. Die Initiative Erwachsenenbildung gewährleistet durch österreichweit gültige qualitative Rahmenrichtlinien einen hohen Qualitätsstandard. Zum Start des Jubiläums-Jahrgangs 2017/2018 gab es wieder 36 Plätze. 12 davon wurden aus dem Fördertopf „Bildung für junge Flüchtlinge“ des Bildungsministeriums finanziert. 24 Plätze wurden bis Dezember 2017 ausschließlich vom Land Salzburg gefördert. Für die weiteren Module bis Juli 2018 und für die neue ESF-Förderperiode 2018-2021 mussten Anträge gestellt werden und es musste auf auf weitere Unterstützung gehofft werden – ein Prozedere, das von Jahrgang zu Jahrgang das Minverva-Team um die Anzahl der Plätze zittern lässt. „Das Bildungsprogramm selbst konnten wir erneut erfolgreich für die neue Periode reakkreditieren“, freut sich Krassnig.
 

Fleiß, Ehrgeiz und Disziplin

Um die Chance auf ein positives und selbstbestimmtes Leben nutzen zu können, brauchen die Minerva Schülerinnen und Schüler vor allem viel Fleiß, Ehrgeiz und Disziplin. Das wissen die jungen Leute, die sich bei Minerva bewerben. So auch Aden, der täglich fast 60 km von Pfarrwerfen nach Salzburg fährt, das doppelte Pensum Hausaufgaben verlangt und die Minerva-Bibliothek schon von vorn bis hinten durchgelesen hat. Auch die durchschnittlichen Gesamt-Anwesenheitsquoten von 95 % und mehr sprechen für sich.
 


Liebes Minerva! Ich habe bei dir gelernt, mir ist viel gelungen, ich hatte gute Tage mit dir, du wirst in meinem Herzen bleiben.

Hana
Schülerin im Bildungsprogramm MINERVA

 

Minervas schreiben Erfolgsgeschichten

Ein Einsatz, der sich schon für viele gelohnt hat. So zum Beispiel für Rulan und Rony. Die jungen Männer aus Syrien haben nach einem erfolgreichen Minerva Abschluss die HTL in Salzburg besucht und bekamen sogar im Rahmen des Förderprogramms START ein Stipendium zur Unterstützung auf dem Weg zur Matura. Mit gerade einmal 16 Jahren flüchtete Hevy ganz allein aus Syrien. Das mutige Mädchen nutzte die Chance und startete nach Minerva in ihren Traumberuf als pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin in einer Apotheke in Bürmoos.

 

Mädchen bei ihrer Ausbildung
Hevy bei ihrer Arbeit als pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin

 

Auch Ruaa möchte Apothekerin werden. Die meisten in ihrer KlassenkameradInnen haben schon Zukunftspläne. Norshan, Masumeh und Hassan möchten einen externen Pflichtschulabschluss machen und die 16jährige Hana, die mit ihrer Familie aus dem Iran nach Salzburg kam, besucht ab Herbst das Bundesoberstufenrealgymnasium im Salzburger Nonntal. Wir von SOS-Kinderdorf freuen uns schon jetzt wieder auf die stolzen Gesichter bei der Zeugnisübergabe und hoffen, dass es auch zukünftig noch viele Minerva Erfolgsgeschichten geben wird.

 

Weitere Eindrücke

Erfahren Sie mehr über das Minerva-Programm

 
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