Trauer – 09.05.19

Mama ist für immer fort

Kinder lässt der Tod meist noch sprachloser und hilfloser zurück als Erwachsene. RAINBOWS unter dem Dach von SOS-Kinderdorf bietet Hilfe für Kinder nach einem Trauerfall.

Als die Mama mit der kleinen Sofie die Straße überqueren wollte, kam ein Sattelschlepper, hat Mutter und Kind auseinandergerissen. Schon nach wenigen Minuten konnte nur noch der Tod der Mutter festgestellt werden. Die Kleine wurde von einer Passantin zurückgehalten und musste die letzten Atemzüge ihrer Mama miterleben.

Das ist ein Jahr her. Sofie und ihre Geschwister fanden Hilfe und Unterstützung im Hermann-Gmeiner-Therapiezentrum (kurz HGZ) im SOS-Kinderdorf Moosburg. Neben den Kindern wurde auch der Vater vom HGZ betreut, der sich trotz der Katastrophe liebevoll und fürsorglich um die Familie kümmert, so dass eine Fremdunterbringung, zum Beispiel im SOS-Kinderdorf, nie zur Debatte stand.

Logopädie, Psychotherapie, Ergotherapie. Lange zeigte sich vor allem die kleine Sofie verstummt.Lange zeigte sich vor allem die kleine Sofie verstummt. Das Papier blieb leer, wenn sie etwas zeichnen sollte. Heute kann sie wieder eine Sonne malen. Ein Hoffnungsschimmer.

Ein trauriger Muttertag

In den Kindergärten und Volksschulen werden Bilder gemalt, kleine Geschenke gebastelt und Gedichte gelernt. Sofie und viele andere Kinder werden sich fragen, wem sie denn ihr Gedicht aufsagen sollen.

Seit kurzem bietet RAINBOWS in Kärnten unter dem Dach von SOS-Kinderdorf Hilfe genau für diese Kinder. Denn Kinder lässt der Tod meist noch sprachloser und hilfloser zurück als Erwachsene. Zu viel Unvorstellbares ereignet sich für sie. Manche reagieren darauf mit Schuldgefühlen, andere schwanken zwischen Aggression und Regression, wieder andere haben vor allem Angst, nun auch noch den anderen Elternteil zu verlieren. Das Hermann-Gmeiner-Zentrum im SOS-Kinderdorf Moosburg und RAINBOWS begleiten diese Kinder und versuchen ihnen wieder Halt und Freude zu geben.

 

Rainbows hilft Kindern und Jugendlichen in stürmischen Zeiten – bei Trennung, Scheidung oder Tod naher Bezugspersonen. Durch die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen erfahren auch die Eltern Entlastung in einer Zeit, in der sie selbst sehr belastet sind.

 

Ganz viel über Mama reden

Der Weg aus der Trauer führt immer erst einmal in die Trauer hinein. Aber genau das gestehen sich Kinder oft nicht zu. Weil sie den zurückgebliebenen Elternteil nicht auch noch mit ihrer Trauer belasten möchten. Auch Sofie geht es so. Sie würde gerne mit Papa über Mama reden, aber er wird dann immer so traurig, deshalb sagt sie lieber nichts. Und sie ist selber verwirrt, weil sie oft so wütend ist, dass Mama sie verlassen hat. Aber darf sie wütend sein? Und darf sie irgendwann auch wieder fröhlich sein, oder glauben dann die anderen, dass sie Mama schon vergessen hat?
 

"Wo ist Mama jetzt"

Bei RAINBOWS und im Hermann-Gmeiner-Zentrum dürfen Kinder das alles. Sie dürfen weinen und wütend sein, sie lernen Abschied zu nehmen, aber auch wieder nach vorne zu schauen. Und sie können alle Fragen stellen, die gerade durch den Kopf gehen: "Wo ist Mama jetzt?" "Tut tot sein weh?" "Was kann ich tun, damit ich Mama nicht vergesse?"


In Österreich gibt es Rainbows seit 1991. Im Schnitt gibt es pro Jahr 260 Rainbows-Gruppen in Österreich, an denen 1.200 Kinder teilnehmen. 700 Kinder werden nach dem Tod eines nahestehenden Menschen begleitet. Rainbows unter dem Dach von SOS-Kinderdorf gibt es derzeit in Burgenland, Kärnten und ab Herbst auch in Vorarlberg.

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