Libanon

Hilfe, die ankommt

Nach der verheerenden Explosion am 4. August konnten wir - mit der großen Hilfsbereitschaft vieler Österreicher*innen - sofort direkte Nothilfe leisten. Und auch jetzt betreuen wir weiterhin viele in Not geratene Familien, die bei der Katastrophe alles verloren haben.

Die Explosion kostete über 100 Menschen das Leben, Tausende wurden teilweise schwer verletzt.

Familien sind auf Hilfe von außen angewiesen

Die Explosion im Hafen von Beirut am 4. August hat das von Krisen ohnehin stark gebeutelte Land bis ins Mark erschüttert. Die angespannte wirtschaftliche Lage hat sich verschärft, die Hoffnung der Menschen auf eine Verbesserung oder wenigstens auf eine Stabilisierung ist in weite Ferne gerückt. Die Regierung ist darauf angewiesen, dass Hilfsorganisationen im Hafenviertel die Kosten für die Instandsetzung oder den Wiederaufbau der Häuser mittragen oder ganz übernehmen. Für viele von der Explosion direkt betroffene Menschen ist die kontinuierliche Hilfe und Unterstützung von Organisationen wie SOS-Kinderdorf unverzichtbar.

SOS-Kinderdorf unterstützt und entlastet Eltern, bietet psychologische Unterstützung, damit sie sich weiterhin um die eigenen Kinder kümmern können.

Seit 60 Jahren im Libanon aktiv

SOS-Kinderdorf ist seit den 1960er Jahren im Libanon tätig und durch seine Arbeit in der Gesellschaft verwurzelt. Die Mitarbeiter*innen von SOS-Libanon konnten nach der Explosion sofort Nothilfe leisten, sie wussten, wo, wer und welche Hilfe gerade konkret gebraucht wird.

Direkt in den ersten Tagen nach der Explosion konnte SOS-Kinderdorf umgehend Hilfspakte mit Lebensmitteln und Hygieneartikel ausgeben. Zügig wurde auch damit begonnen den weiteren Bedarf an langfristiger Hilfe zu ermitteln und sich an der Suche von Ersatzunterkünften für obdachlose Familien zu beteiligen und Notunterkünfte zu organisieren.

 

Passgenaue Hilfe und psychologische Begleitung

Die Mitarbeiter*innen gingen und gehen direkt zu den betroffenen Familien und hören ihnen zu, erfahren über die Ängste, die Sorgen und die Schicksale und können passgenaue Hilfe anbieten. SOS-Kinderdorf stellt zum Beispiel Geld für den Kauf von Lebensmitteln bereit, übernimmt die Wohnungsmiete für die kommenden Monate, bezahlt die Schulgebühren, Strom oder Internet.

Viele Eltern sorgen sich primär, dass ihre Kinder durch die fehlenden finanziellen Mittel die Schule abbrechen oder nicht weiterkommen. Deshalb gibt es auch eine psychologische Begleitung und Betreuung, die oft über viele Monate notwendig wird und die besonders gerne angenommen wird. Für viele ist das die wichtigste Form der Hilfe überhaupt: Sicher sein zu dürfen für Monate einen fixen Ansprechpartner für seine Sorgen und Nöte zu haben, nimmt besonders verwitweten Frauen eine enorme Last von den Schultern.

Eine Kinderschutz-Zone (Child friendly space) ist ein fixer Bestandteil der Nothilfe. In einem geschützten Raum können Kinder spielen und lernen.

Kinderschutz-Zone für traumatisierte Kinder

Für Kinder, die immer noch unter den Folgen der Explosion leiden, wurde ein "Child-Friendly-Space" errichtet, ein geschützter Raum, der Kindern die Möglichkeit bietet, dem bedrückenden Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen, zu spielen und zu lachen. Auch hier werden begleitende Beratungen für Kinder und deren Eltern angebahnt.

Hilfe, die ankommt

Passgenaue Hilfe für Familien in Not

Langfristige Hilfe für betroffene Familien

Seit dem 4. August 2020 begleitet und unterstützt SOS-Kinderdorf im Rahmen der Nothilfe monatlich 151 Kinder und ihre Eltern, wie Yara, Sara oder Elias. Der erst kürzlich eröffnete "Child-Friendly-Space" wird derzeit täglich von 20 Kindern besucht. Direkt nach den Tagen der Explosion konnte 55 Menschen  unbürokratisch geholfen werden und zum Beispiel die Kosten für medizinische Behandlungen übernommen oder die Schulgebühren für Kinder für ein ganzes Jahr vorgestreckt werden.