Eine von SOS-Kinderdorf Peru betreute Familie blickt wieder nach vorne.

Die Opfer der Corona-Krise in Lateinamerika sind die Kinder

Lateinamerika ist das neue Epizentrum der weltweiten COVID-19 Pandemie. Mit einem schwachen Gesundheitssystem, Schattenwirtschaft und einem hohen Maß an Ungleichheit, müssen sich Eltern zum Wohl der Kinder tagtäglich vielen Risiken aussetzen.

Wir unterstützen mit unseren Familienstärkungsprogrammen besonders gefährdete Familien und Kinder und überlegen, wie wir diese Familien auch nach der Krise zielgerichtet unterstützen können.

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Rocio aus Lima ist alleinerziehende Mutter. Ihre Tochter Sami geht in die erste Klasse. Der Lehrer schickt täglich Hausaufgaben über Whatsapp. Rocio geht dann in einen Laden, ein paar Häuserblocks entfernt und druckt dort die Hausaufgaben aus. "Ich will, dass meine Tochter lernt, aber eigentlich muss ich mit dem Geld das Essen kaufen. Ich bin verzweifelt und weiß nicht, wie es weitergehen soll..."

Schon vor der Corona Krise war jedes 10. Kind in Lateinamerika und der Karibik durch häusliche Gewalt, Verwahrlosung und fehlender Schulbildung bedroht! Die Corona-Krise verstärkt diese Risikofaktoren durch die Isolationsmaßnahmen und fehlende Einkommensmöglichkeiten.

"Wenn die Eltern keine Arbeit finden, steigt das Risiko der Kinder, ihre elterliche Fürsorge zu verlieren", zeigt sich Fabiola Flores, Direktorin von SOS-Kinderdorf in Lateinamerika sehr besorgt.


In einer Region, die ohnehin schon mit einer alarmierend hohen Anzahl von Fällen häuslicher Gewalt konfrontiert ist, wird dieser emotionale Stress zu noch mehr Gewalt in den Familien führen!

Fabiola Flores
SOS-Kinderdorf 

Aufgrund der Krise gehen mehr als 95% der Kinder nicht in die Schule, und nur ein kleiner Prozentsatz hat Zugang zu e-Learning. Kinder und Jugendliche fallen schulisch zurück oder brechen die Schule ab. Keine Schule bedeutet für 80 Millionen Kinder in Lateinamerika auch, dass sie kein Schulessen bekommen, oft die einzige warme Mahlzeit am Tag.

"Kinder werden zu versteckten Opfern dieser Pandemie, und das wird lang- und kurzfristige Auswirkungen auf ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden, ihre Entwicklung und ihre Perspektiven haben", ist Flores überzeugt.

Amanda benötigt derzeit 5 Stunden für einen einzigen Einkauf. Sie und ihre Familienwohnen am Stadtrand von Juliaca und es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr. Trotz der eigenen Not besucht sie regelmäßig mit anderen Mütter aus dem SOS-Sozialzentrum noch ärmere Familien und berät diese, wie sie Hilfe bekommen können, zum Beispiel in einem SOS-Sozialzentrum.

Schwaches Gesundheitssystem und Schattenwirtschaft

Die Gesundheitsversorgung in Lateinamerika und der Karibik hängt vom Haushaltseinkommen ab. 30% der Bevölkerung haben laut WHO deshalb keinen Zugang zum Gesundheitswesen. 140 Millionen LateinamerikanerInnen arbeiten in der Schattenwirtschaft und verfügen über kein geregeltes Einkommen und keine finanzielle Absicherung.

"Ohne Einkommensquelle und ohne Sicherheitsnetz, den plötzlichen Einkommensausfall abzufedern, zwingt diese Krise Millionen Menschen tagtäglich zu einer folgenschweren Entscheidung: Hungern oder sich den Gefahren des Virus auszusetzen", sagt sie.

"Es ist enorm wichtig, dass wir als SOS-Kinderdorf außerhalb unserer eigenen SOS-Kinderdörfer diese Familien noch gezielter mit Familienstärkungsprogrammen unterstützen, um Kinder innerhalb ihrer eigenen Familien zu schützen. Für den Notfall müssen wir gerüstet sein auch die alternative Betreuung in unseren Dörfern anbieten zu können, wenn Kinder nicht mehr in ihren Familien bleiben können", sagt Flores.

Angelas Mutter ist derzeit arbeitslos und ihr Vater ist letztes Jahr verstorben. SOS-Kinderdorf unterstützt die siebenköpfige Familie im Rahmen der Familienstärkung. "Das Essen wird teuer und ich habe sieben Geschwister, ist Angela besorgt. "Ich möchte, dass die Sperre beendet ist, damit ich mir eine Arbeit suchen und meiner Familie helfen kann."

Sorgenkind Brasilien

"In Brasilien sind wir sehr besorgt über die steigende Arbeitslosigkeit und die unmittelbaren Konsequenzen für die Familien. In Zukunft müssen wir mit neuen Familienstärkungsprogrammen sowohl den Eltern und Betreuungspersonen helfen, wieder auf den Arbeitsmarkt zurückzufinden, damit diese Kinder weiterhin ihre eigene Familie als stabiles Sicherheitsnetz haben. Und wir müssen diesen Kindern einen besseren Zugang zu Bildung ermöglichen und bei ihrer Ausbildung unterstützen", sagt Alberto Guimaraes, Nationaler Direktor von SOS-Kinderdorf Brasilien.

Doch die größte Herausforderung derzeit sei, die Familien und Kinder während der Ausgangssperre überhaupt zu erreichen. Mit Anrufen und gelegentlichen Besuchen - je nach Beschränkungen der jeweiligen Länder - versucht SOS-Kinderdorf auch emotional zu unterstützen.

"Wir müssen die Familien jetzt akut mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten unterstützen, aber wir müssen auch an die langfristige Entwicklung und Förderung dieser Kinder denken!", ist Guimarares überzeugt.

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