Flüchtlingscamp auf Lesbos

"Ich stelle mich den Herausforderungen"

Kourosh aus dem Iran lebt mit seiner Familie im Containercamp für Flüchtlinge Kara Tepe I auf Lesbos. Wir haben den begabten Musterschüler besucht, der seine Ausbildung trotz der vielen Hürden nie aus den Augen verloren hat.

Kourosh, der talentierter Schüler

Kourosh lebt mit seiner Familie im Flüchtlingscamp Kara Tepe I auf der griechischen Insel Lesbos. Der begabte Schüler wird im Rahmen der SOS-Flüchtlingshilfe in Kara Tepe durch ein Bildungsprogramm unterstützt. Wir haben den Jugendlichen besucht und ihm ein paar Fragen gestellt.

Wie heißt du und aus welchem Land bist du geflüchtet?

Hallo, ich heiße Kourosh. Ich bin 17 Jahre alt und komme aus dem Iran.

 

Seit wann lebst du auf Lesbos?

Seit einem Jahr und einen Monat! Im Moment sind die Lebensbedingungen auf der Insel sehr schwierig.

 

Warum? Magst du uns von deinem Alltag im Camp erzählen?

Einerseits fordert uns Corona! Es ist im Lager zum Beispiel unmöglich den notwendigen Abstand einzuhalten. Aber für mich persönlich ist die Auswirkung auf die Schule viel belastender. Als letztes Jahr die Schule geschlossen wurde, habe ich den Unterricht online verfolgt. Doch ohne Klassenzimmer, Klassenkameraden und Lehrer ist es im Lager viel schwieriger fokussiert zu lernen. 

Und in den letzten Monaten hatten wir auch einige Probleme mit den Menschen außerhalb der Lager. Die Menschen haben die Flüchtlingssituation auf der Insel wirklich satt und für viele sind wir nicht willkommen.


Das Leben als Flüchtling kann sehr frustrierend und stressig sein. Du kannst dir über dein Leben und deine Zukunft nie sicher sein, weil andere Menschen für dich entscheiden!

Kourosh
Kourosh hat viele Wünsche, doch sein größter Wunsch ist eine fundierte Schulausbildung, die ihm sein Berufsziel näher bringt: Programmierer zu sein.
Du bist einer der besten Schüler. Trotz der vielen Herausforderungen die eine Flucht mit sich bringt, hast du deine Schulausbildung dabei nie vernachlässigt. Warum ist dir Schule so wichtig?

Bildung ist für mich super wichtig! Meine Lieblingsfächer sind IT, Mathematik und Physik. Ich habe die Highschool im Iran begonnen mit Schwerpunkt Mathematik, weil ich Programmierer werden möchte. Hier möchte ich an meinen Weg anschließen.

Wenn ich hier in die Schule gehen kann, meine Mitschüler sehe, da fühle ich mich wieder ein wenig normal. Das hilft mir, mein Leben im Lager oder das, was ich durchgemacht habe, zu vergessen. Durch das Lernen fühle ich mich auch wieder nützlich, da ich jeden Tag etwas zu erledigen habe und es mir hilft, dem langweiligen Leben im Camp zu entkommen.

 

Was war die größte Herausforderung für dich?

Die große Hürde für mich war die Sprache! Aber zum Glück kann ich dieses Jahr besser Griechisch sprechen. Das hilft mir sehr. Ich durfte auch als erster Flüchtling überhaupt auf das Gymnasium in Lesbos gehen. Ich habe mich dafür vielen Herausforderungen stellen müssen. Und ich bereite mich auf alle vor, denen ich mich noch stellen muss.

Das SOS-Team arbeitete für Kourosh mit dem Vertreter des Bildungsministeriums zusammen, damit er sich für eine der Modellversuchsschulen in Griechenland bewerben konnte, von denen sich eine auf Lesbos befindet. Kourosh, der hervorragende Noten hat, hat die Aufnahmeprüfung auf Griechisch abgelegt und kürzlich erfahren, dass er angenommen wurde!

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