Fragen und Antworten zur Kinderschutz-Kommission

Das können wir nicht sagen. Aber jeder einzelne Fall, in dem einem Kind Unrecht getan wurde, ist einer zu viel. Es ist nun Aufgabe der unabhängigen Kommission, allen Vorwürfen nachzugehen und auch genau hinzusehen, ob es weitere Vorfälle gab. Wir bitten um Verständnis, dass wir zum Schutz der Opfer auf keine Einzelfälle eingehen können. Zudem müssen wir uns an die Gesetze der jeweiligen Länder halten und die Kinder vor jeglichem weiterem Leid bewahren. Wir dürfen also keine Informationen über die, die betroffen sein könnten, oder die Umstände der Anschuldigungen öffentlich preisgeben

Der überwiegende Teil unserer über 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit leistet täglich großartige Arbeit und setzt alles daran, Kinder bestmöglich zu stärken und zu unterstützen.

Es ist uns wichtig zu betonen, dass im überwiegenden Teil unserer Organisation weltweit jeden Tag gute und wichtige Arbeit für Kinder in Not geleistet wird. 

Gleichzeitig ist es für uns selbstverständlich, unsere internen Kontrollsysteme laufend weiterzuentwickeln und uns ständig auf den Prüfstand zu stellen. Wann immer es ein Verdachtsmoment gibt, dass es Kindern in unserer Obhut nicht gut geht, ist dem sofort nachzugehen. Gerade deshalb richten wir jetzt eine unabhängige Kommission ein, um alle nun vorliegenden Fälle zu durchleuchten und wenn nötig umgehend Konsequenzen zu ziehen.

Wir werden uns dafür engagieren, dass alle Opfer von den Verantwortlichen eine angemessene Entschädigung erhalten.

Wir wissen, dass geschehenes Unrecht nicht wiedergutgemacht werden kann. Aber alles, was Leid lindern kann, muss getan werden. Dazu gehört zu allererst: Zuhören und Vorwürfe ernst nehmen. Aber natürlich auch materielle Entschädigung oder psychologische Unterstützung, wenn Opfer diese in Anspruch nehmen möchten. Von SOS-Kinderdorf International wurde bereits ein Unterstützungsfonds dafür beschlossen. Die Kommission wird darüber entscheiden, wie diese Gelder eingesetzt werden.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zum Schutz der Betroffenen keine Details zu den Vorfällen nennen können. Wir wollen keine Einzelfälle in der Öffentlichkeit darstellen, sondern den Opfern auch den Raum und die Zeit geben um mit dem Erlebten abzuschließen. Gleichzeitig gilt dieser Schutz natürlich auch denen, die uns den Vorfall zur Kenntnis gebracht haben.

Die SOS-Kinderdorf-Organisationen in den einzelnen Ländern können sehr autonom entscheiden und handeln. Das ist grundsätzlich auch sinnvoll. Denn die Länder können individuell auf regionale Gegebenheiten eingehen und die lokale Kultur berücksichtigen.

SOS-Kinderdorf hat strenge Richtlinien, die den Schutz von Kindern gewährleisten sollen. Doch unsere Struktur hat offensichtlich Schwächen. Wie sich jetzt zeigt, werden unsere Standards nicht in allen Länderorganisationen gleichermaßen gewissenhaft und transparent umgesetzt. Das werden wir ändern.

Als Gründungsland und Eigentümer der Marke sehen wir es als unsere Verantwortung, sofort zu handeln – entschlossen und kompromisslos. In Österreich haben wir diese Hausaufgaben bereits gemacht und haben uns unserer Vergangenheit gestellt. Das war ein langer und schmerzhafter Prozess – aber er war absolut notwendig. Zum Wohle der Kinder. (Schreiber-Studie)

Was wir in Österreich geschafft haben, müssen wir auch auf internationaler Ebene schaffen. Es darf nicht sein, dass irgendwo auf der Welt Kinder oder Jugendliche in einem SOS-Kinderdorf schlecht behandelt werden. Daher haben wir nicht gezögert und eine Kommission mit Waltraud Klasnic an der Spitze einberufen.

Die unabhängige Kommission wird die notwendigen Strukturen entwickeln, mit der unsere Organisation in Zukunft Vorwürfe noch entschiedener untersuchen und sanktionieren kann. Wir setzen uns für einen schonungslosen Veränderungsprozess der gesamten Organisation ein und werden uns an die definierten Kriterien und Empfehlungen der Kommission verbindlich halten.

Wenn Länderorganisationen diesen Weg nicht mitgehen, werden wir ihnen in allerletzter Konsequenz das Recht, unter dem Dach von SOS-Kinderdorf zu arbeiten, entziehen.

Auch SOS-Kinderdorf International setzt eine Kommission ein, die die Vorfälle überprüfen soll. Außerdem wird weltweit ein unabhängiges Ombudsstellen-System nach dem Vorbild von SOS-Kinderdorf Österreich ausgerollt. An diese Stelle können sich Betroffene wenden. Außerdem wird ein Unterstützungsfond für Opfer eingerichtet.

SOS-Kinderdorf muss uneingeschränkt für das gemeinsame Ziel stehen: jedem Kind ein liebevolles Zuhause.

Hierfür muss man die Struktur von SOS-Kinderdorf verstehen: SOS-Kinderdorf ist weltweit als Föderation organisiert, unter dem Dach von SOS-Kinderdorf International. Die SOS-Kinderdorf-Vereine in den einzelnen Ländern können sehr autonom entscheiden und handeln. Das ist grundsätzlich auch sinnvoll. Denn die Länder können individuell auf regionale Gegebenheiten eingehen und die lokale Kultur berücksichtigen. Autonomie bedeutet aber immer auch, Verantwortung zu übernehmen. Nur solange sich Autonomie und Verantwortungsgefühl die Waage halten, ist alles im Gleichgewicht. Wie sich jetzt zeigt, ist dieses Gleichgewicht derzeit nicht in allen Ländern so gegeben, wie es den strengen Richtlinien von SOS-Kinderdorf entspricht. Unsere Struktur hat offensichtlich Schwächen. Es wurde in einigen Fällen verabsäumt, Missständen nachzugehen, sie konsequent aufzuklären und zu sanktionieren. Dem treten wir jetzt mit aller Entschiedenheit entgegen.

Insgesamt gibt es derzeit in Österreich drei Ombudsstellen: in Graz, Innsbruck und Wien. Sie sind erste Anlaufstelle für ehemals bei SOS-Kinderdorf Betreute, die Gewalt erfahren haben, aktuell Betroffene sowie Menschen, die von Gewalterfahrungen wissen.

Sie sind von PsychotherapeutInnen und PsychologInnen besetzt, die die Betroffenen ernst nehmen, ihnen zur Seite stehen, unabhängig sind und in keinem Dienstverhältnis mit SOS-Kinderdorf stehen.

Über diese Ombudsstellen entsteht der Kontakt zu einer von SOS- Kinderdorf eingerichteten Opferschutzkommission, die mit einer externen Psychotherapeutin, einem externen Juristen und einem Mitglied des Aufsichtsrats besetzt ist. Diese Kommission entscheidet über Entschädigungszahlungen und Kostenübernahme für psychotherapeutische Unterstützung.

In Österreich finden 2.000 Kinder und Jugendliche bei SOS-Kinderdorf ein liebevolles Zuhause. Ihnen Schutz und Geborgenheit zu geben, steht für uns an oberster Stelle. Um das zu gewährleisten sind unsere Pädagoginnen und Pädagogen gut ausgebildet und werden regelmäßig geschult. Es gibt strenge Kinderschutz-Richtlinien und ein modernes Kontroll-System, um deren Einhaltung sicherzustellen.

Kommt es dennoch zu Kindeswohlgefährdungen, gibt es für uns nur einen Weg: kompromisslose Aufklärung. Niemand ist gefeit vor Fehlern. Es ist aber unerlässlich, sich diesen professionell zu stellen, die nötigen Konsequenzen zu ziehen und aus ihnen zu lernen.

Grenzüberschreitungen in Österreich können an unsere externen Ombudsstellen für Opferschutz gemeldet werden.