2013: Kinderrechte on Tour in Pinkafeld und Graz

Katharina Thon berichtet von Kinderrechte on Tour

Pinkafeld
„Ob Erdbeerjoghurt oder Bananenjoghurt – da fängt Beteiligung an.“
 
 
01.11.2013 - Welch ein Glück, dass unser "Kinderrechte on Tour"-Termin in Pinkafeld auf den Tag des „Martini Fests“ fiel, denn gleich zu Beginn wurden wir nach alter Tradition mit einer Martinigans in der KWG begrüßt! Und so aßen wir gemeinsam mit den Kindern die Gans, gefüllte Aprikosen, Rotkohl, Klöße, Mohr im Hemd und Krapfen. Gestärkt konnten wir nun mit unserem Workshop beginnen.

Gestartet wurde hier mit einem klaren Statement: „Ob Erdbeerjoghurt oder Bananenjoghurt – da fängt Beteiligung an.“, äußerte sich Angelika Burg zu der Frage nach der Umsetzbarkeit von Beteiligung. „In meiner Familie wehren sich die Kinder sogar schon, wenn sie nicht beteiligt werden. Sie fordern ihr Recht auf Beteiligung ein“, ergänzte Kinderdorfmutter Trixi Atteneder. Wie in jeder „normalen“ Familien wollen die Kinder einer Kinderdorffamilie mitentscheiden, wohin der nächste Urlaub geht, was sie sie zu Mittag essen, wie sie ihre Freizeit gestalten und wie das Zimmer auszusehen hat. Kurzum: Beteiligung ist Alltag.

Geregelte Beteiligungsformen wiederum wurden durch die MitarbeiterInnen als Lernfeld für die Kinder und Jugendlichen beschrieben. Denn es ist der Ort, in dem ihre Gesprächskultur gefördert wird und an dem sie lernen ihre Ideen, Wünsche und Sorgen einzubringen und vor Gleichaltrigen zu äußern. „Die Auswirkungen sind größer, wenn Kinder und Jugendliche beteiligt werden. Ihre Zusprache ist notwendig und erleichtert uns die Zusammenarbeit mit ihnen. Würden wir sie nicht beteiligen, würde das unsere Arbeit nur erschweren.“, antwortete Wolfgang Kulmer auf die Frage nach der Notwendigkeit von Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.
Abends hatten Elisabeth und ich dann noch die Möglichkeit einer Kinderrunde in der KWG beizusitzen. Gemeinsam aßen wir mit den Kindern zu Abend, bevor der Raum für die Kinderrunde hergerichtet wurde: Ein Flipchart wurde aufgestellt, frischer Stollen serviert und die Gläser neu aufgefüllt. Dann ging es ans Eingemachte: Die Themenpalette reichte von der abendlichen Gestaltung des Fernsehprogramms bis hin zu gemeinsamen Erarbeitung von Widergutmachungsvorschlägen für einen Jungen, welcher mutwillig Spielsachen eines anderen Kindes zerstört hatte.

Graz
„Sie können mich betreuen wenn ich will“
 
In Graz haben meine Kollegin Elisabeth und ich einen ganz neuen Denkansatz zur Beteiligung erlebt: Kinder und Jugendliche beteiligen Erwachsene. Im Zentrum für die MitarbeiterInnen steht die Lebenswelt der Jugendlichen und wir, die Erwachsenen, dürfen daran teilhaben und mitgestalten. „Es ist ihr Leben. Sie beteiligen uns“, beschrieb Martin Heranig seine Gedanken zum Thema Beteiligung. Die MitarbeiterInnen betonten das Recht der Jugendlichen auf einen respektvollem Umgang und Achtsamkeit, wenn es um ihr Leben geht – und so sind im Laufe der Zeit viele Foren entstanden, in denen die Jugendlichen sich einbringen können: wie etwa die „Chillie Session“ in der MWG und den „MonTalk“ in der BWG. Einige Jugendlichen haben darüber hinaus sogar einen eigenen Jugendclub gegründet, welcher von anderen Jugendlichen sehr gut angenommen wurde. Diese Foren sind gerade jetzt von besonderer Bedeutung. „Gerade weil Beteiligung in vielen Einrichtungen noch nicht gelebte Realität ist, es jedoch überall Interessenkonflikte gibt, braucht es Foren, in denen diese diskutiert werden können.“, erklärte Eva Jausner, Qualitätsbeauftragte der Region Steiermark.

Im BAW ist das Thema Beteiligung ebenfalls von besonderer Bedeutung. „Wir erwarten ein hohes Maß an Beteiligung von den Jugendlichen, damit sie selbstständig werden können. Verselbständigung ohne Beteiligung geht nicht.“, so die pädagogische Leiterin des BAW Gabi Wagner. Hierzu gehören wöchentliche Besuche der MitarbeiterInnen in den Wohnungen der Jugendlichen um Behördengänge zu erledigen, Wünsche und Sorgen zu besprechen, gemeinsam Entscheidungen zu treffen oder Lösungen für Probleme zu finden.

Bilder: Katharina Thon und Elisabeth Schaffelhofer
Pinkafeld (vlnr): Bernhard Löfler, Eva Farfeleder, Trixi Atteneder ,Julia Huber, Gert Kragol, Bernadette Kalcher, Mag. Marek Zeliska, Angelika Burg, Mag. Thomas Kreiner, Gisela Szalay, Mag. Julia Prem und ganz vorne Wolfgang Kulmer
Graz (vlnr): Eva Jausner; Martin Heranig, Gabi Wagner, Birgit Thurner; Margarethe Krbez; Leo Auer
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