2013: Kinderrechte on Tour in Innsbruck, Vorarlberg und Osttirol

Am 28.-30. Oktober besuchten Katharina Thon und Elisabeth Schaffelhofer Innsbruck, Vorarlberg und Osttirol. Von ihren Erlebnissen und Erfahrungen berichten sie hier:

Innsbruck
„Geregelte Beteiligung ist notwendig, um auf „blinde Flecken“ aufmerksam zu werden.“


 
 
31.10.2013 - „Auch wenn Beteiligung eine grundsätzliche Haltung aller MitarbeiterInnen ist, braucht es darüber hinaus feste Beteiligungsstrukturen“, antwortete Kinderdorfleiter Wolfram Brugger auf die Frage nach der Notwendigkeit von geregelten Beteiligungsformen. Nur so kann Raum für Wünsche, Sorgen und Probleme geschaffen werden, welche Kinder und Jugendliche im Alltag nicht thematisieren würden. Zu diesem Zweck gibt es in den stationären Angeboten in Innsbruck wöchentlich stattfindende Hausversammlungen, in denen die Jugendlichen die Möglichkeit haben, ihre Wünsche und Beschwerden zu äußern und gemeinsam zu besprechen. „Es ist wichtig, immer ein offenes Ohr zu haben. Wir müssen Kinder und Jugendliche ernst nehmen, ihnen zuhören und Rückhalt geben“, antwortete die pädagogische Leiterin Katja Gandras auf die Frage, ob sie sich eher als „offenes Ohr“ oder als „Schiedsrichterin“ im Angebot fühlt.


Vorarlberg
„Zwischen einem Tee und Kakao kann jeder entscheiden.“
 
 
…sprich Beteiligung ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage unserer Fähigkeit, Fragen so zu formulieren, dass jeder sie versteht und entscheiden kann. Und so wird in Vorarlberg niemandem das Recht auf Mitsprache und Mitbestimmung verwehrt. Ganz im Gegenteil, die Jugendlichen fordern ihr Recht auf Beteiligung und Mitsprache ein. Dies war nicht immer so; es ist ein Prozess, der gewachsen und langsam entstanden ist. „Es hat ungefähr eineinhalb Jahre gedauert, bis wir da angekommen sind, wo wir heute sind. Unsere jetzigen Jugendlichen aber sind Beteiligung gewohnt“, berichtete uns die Kinderdorfleiterin Jutta Waltl. Bei Kakao und Topfentaschen erzählte uns anschließend eine Jugendliche aus der JWG Dornbirn von Hausversammlungen, die hier „Hock“ heißen, von Hausbesprechungen gemeinsam mit der Leitung, vom Kinderrechteunterricht in der Schule, von Beschwerdeformularen in den Angeboten und vom eigens entworfenen Bonussystem und vielem anderen mehr. Kurzum: Die hier entstandene Beteiligungskultur hat den pädagogischen Alltag geprägt und ist zur gelebten Realität in den Angeboten geworden.


Osttirol
„ Auch Wünsche und Beschwerden einzubringen will geübt sein“
 
 
…und das wird in Osttirol getan. Die MitarbeiterInnen in Osttirol waren sich einig: Entscheidend hierfür ist die innere positive Haltung der Fachkräfte gegenüber Beteiligung. Kinder und Jugendliche müssen sich ernstgenommen fühlen, ihre individuellen Wünsche und Bedürfnisse dürfen nicht übersehen werden. In Osttirol haben wir erlebt, dass Beteiligung nicht erst beim Hausabend oder der Haussitzung stattfindet. „Das höchste Ziel von Beteiligung ist, dass wir keine Parlamente brauchen, sondern dass unsere Kinder und Jugendliche es als selbstverständlich betrachten, immer mit Beschwerden und Wünsche kommen zu können“, so Kinderdorfleiter Guido Fuss.
Der gelebte Alltag mit Kindern und Jugendlichen ist hier der Ort, wo sie bei der Entwicklung von Wünschen und Bedürfnissen unterstützt werden und die Möglichkeit haben, Wege zur Artikulation zu entwickeln. Dort, wo Kinder noch zu klein sind, gibt es das „Patensystem“: Ältere Kinder helfen den Jüngeren, indem gemeinsam gemalt oder ein Plakat gestaltet wird. Jedoch waren sich alle MitarbeiterInnen einig: Beteiligung ist ausbaufähig. Doch dafür braucht es natürlich Zeit.

Nächste Woche geht es für Elisabeth und mich nach Pinkafeld und Graz und wir sind schon sehr gespannt was uns in der Region Süd erwartet!!!

Bilder: Katharina Thon & Elisabeth Schaffelhofer

 

 

 

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