2014: Kinderrechte on Tour in Imst und Salzburg

Katharina Thon berichtet von den ersten zwei Tourstationen 2014

Imst
07.03.2014 - „Unsere Kinder gehen leider schon manchmal davon aus das es eh nicht wichtig ist was sie sagen

 
 
Bei unserem Kinderrechte on Tour Termin gab es eine Premiere, die Elisabeth und mich sehr gefreut hat. Diese Freude hieß Bill. Bill ist ein kleiner Junge aus dem Kinderdorf Imst und hat, gemeinsam mit seiner Kinderdorfmutter, an unserem Workshop teilgenommen.

Gleich zu Beginn hat sich auch schon Kinderdorfmutter Elisabeth Kirchmair zu Wort gemeldet: „Beteiligung in der Familie ist wichtig, aber es gibt Momente da muss ich als Erwachsener entscheiden.“ Angesprochen hat Elisabeth hiermit Entscheidungen, bei denen wir als Erwachsene abwägen müssen ob das Kindeswohl gefährdet werden könnte oder nicht. (Bsp. Das Öffnen von Briefen, die an die Kinder adressiert sind)

Kinderdorfleiter Jörg Imst betonte in diesem Zusammenhang auch die besondere Bedeutung von Beteiligung im familiären Umfeld, und somit auch bei uns in den Kinderdorffamilien und den Kinderwohngruppen. Sowohl hier, als auch in den Kriseneinrichtungen gestalteten sich Beteiligungsmöglichkeiten jedoch oft schwierig, da bei den Kinder nicht bekannt ist welche Beteiligungserfahrungen sie vorab in ihren Familien gemacht haben. „Auf Grund vorangegangener Erfahrung in der Familie gehen die Kinder manchmal davon aus, dass es nicht wichtig ist was sie sagen.“, ergänzte Ramona Töpfer diesbezüglich.

Es braucht daher eine gemeinsame Anstrengung um den Kindern das Gefühl zu geben, dass das was sie sagen zählt und dass ihre Stimme gehört wird. Eine beteiligungsfördernde Grundhaltung ist hier von besonderer Bedeutung. „Beteiligung muss von oben vorgegeben werden, dazu ist eine klare Position wichtig. Volle Verantwortung kann man nur übernehmen, wenn man die Kompetenz hat.“, so Jörg Schmidt. Auch in Hinblick auf geregelte Beteiligungsformen waren die MitarbeiterInnen sich einig: Ohne grundsätzlich Haltung funktionieren geregelte Formen nicht. Geregelte Formen und Alltagsmethoden sind somit zwei unterschiedliche Paar Schuhe: Kinderparlamente sind nur ein Umsetzungsinstrument wo z. B. Entscheidungen gemeinsam getroffen werden können, Beteiligung im Alltag ist eine notwendige Grundhaltung, um Kindern das Gefühl zu geben sich jederzeit mit Problemen und Wünschen an uns Erwachsene wenden zu können.

Salzburg

„Wir wollen Kinder zum eigenen Denken erziehen, da können wir Ihnen als Erwachsene nicht alles aufdoktrieren“
 
 
Auch in Salzburg erlebten Elisabeth und ich unsere Premiere: Ein Kinderrechte on Tour Workshop, dieses mal in der Outdoor Variante. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel haben wir lang und ausgiebig uns dem Thema Beteiligung gewidmet.

Auch hier machte wieder eine Kinderdorfmutter den Anfang: Beate Schmitt betonte, dass bei ihr in der Familie Beteiligung bereits im Kleinen beginnt und dass es für sie selbstverständlich ist, dass sich die Kinder ihre Hobbies und Kleidung selbst aussuchen dürfen. Allerdings setzte sie auch klare Grenzen von Beteiligung, wenn es z.B. um die Anstellung eine/r neuen FamilienhelferIn geht: „Kinder haben häufig andere Vorstellungen wenn es um die Eignung neuer MitarbeiterInnen geht. Natürlich finden sie es toll wenn die Familienhelferin viel mit Ihnen spielt und auch keine Widerworte gibt. Aber ich brauche jemanden der mich unterstützt, mir im Alltag hilft und auch mal nein sagt.“

In den Jugendeinrichtungen am Standort Salzburg haben geregelte Beteiligungsformen sowohl im Clearing – House als auch im Jugendwohnen schon seit langem Einzug gefunden. Einmal monatliche finden hier Hauskonferenzen statt, in denen die Jugendlichen ihre Themen einbringen können. Im Clearing – House nehmen, neben den Jugendlichen und MitarbeiterInnen, auch DolmetscherInnen teil, damit Sprachbarrieren den Jugendlichen nicht im Wege stehen wenn es darum geht Anliegen und Wünsche zu äußern. Im Jugendwohnen werden die Hauskonferenzen durch je 2 MitarbeiterInnen und 2 Jugendliche moderiert.  Die Jugendlichen erhalten hierfür vorab das notwendige Know - How und Moderationstraining. Die Idee hinter der geteilten Moderation ist einfach und dennoch sehr effektiv und wirkungsvoll: Jugendliche bringen Jugendthemen ein und Erwachsene Erwachsenenthemen. „Wenn Jugendliche - eben als Peers - Probleme oder Regeln einbringen ist weniger Protest da als wenn wir als Erwachsenen dies tun würden. Die Hausabende werden viel besser angenommen, seitdem die Jugendlichen diese mitgestalten können.“, erklärte Katrin Gigler den Vorteil dieser Methodik. 

Sabine Köppl-Lindorfer erwähnte anschließend, dass Jugendliche selbst Mitsprache häufig nicht als Form der Beteiligung erleben und das es daher wichtig ist, von Beginn an den Rahmen für Entscheidungsmöglichkeiten zu klären. „Man darf den Jugendlichen keine falschen Hoffnungen über Entscheidungsmöglichkeiten machen.“, so Sabine Köppl-Lindorfer.
Und zu guter Letzt beendete meine Kollegin Elisabeth den Workshop mit der Frage, ob denn Jugendliche die Beteiligung schon früh erlebt haben zu selbstbewussteren Erwachsenen werden. Diese Frage wurde einstimmig von allen MitarbeiterInnen mit einem klaren „ja“ beantwortet.
Welch ein schönes Ende unserer Standort Besuche im Rahmen der Kinderrechte on Tour!

Fotos:
Imst: Jörg Schmidt, Claudia Bstieler, Elisabeth Kirchmair, Barbara Weinberger, Ramona Töpfer, Margaretha Lerchster
Salzburg: Sabine Köppl-Lindorfer, Brigitte Hutegger, Katrin Gigler, Wolfgang Arming, Beate Schmitt, Isabella Müller, Anton Sedlak, Ulrike Theusinger, Doris Jungbauer, Bernhard Spiegel
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