7. März 2017 | Karriere

Humanitärer Congress Wien

Kasim (30) aus Afghanistan war als Vertreter von und für SOS-Kinderdorf zu Gast.

Kasims Geschichte: Vom Flüchtlingskind zum Betreuer

Als Vertreter von und für SOS-Kinderdorf nahm Kasim Qurbanali am Panel 6 teil (Leavin no one behind – a mission impossible?). Der heute 30jährige war als 13jähriger unbegleiter minderjähriger Flüchtlinge nach Österreich gekommen und war nach kurzer Zeit in Traiskirchen sowie knapp einem Jahr in einer Einrichtung des Landes NÖ über 5 Jahre im SOS-Jugendhilfszentrum Guntramsdorf in Betreuung.

Heute - nach Friseurlehre, Matura und Beginn des Wirtschaftsstudiums, Gemeinderatstätigkeit in Guntramsdorf, ehrenamtlicher Begleitung zweier junger Flüchtlingskinder im SOS-Kinderdorf Pinkafeld – ist er dort in einer Wohngruppe für Flüchtlingskinder als Pädagoge (in Ausbildung) tätig. Daneben besucht er im Rahmen eines Projektes von Landesschulrat und Ministerium Schulen in ganz Burgenland und arbeitet mit Schülern/innen (darunter zahlreiche Flüchtlinge), Eltern und Lehrer/innen in ganz Burgenland als Unterstützung für die erfolgreiche Integration.
 
 
Sofia Garcia SOS-Kinderdorf International, Kasim und Übersetzerin Amy auf dem Podium.
 

Kasim am Podium: Experte aus eigener Erfahrung!

Auf allen Panels waren hochkarätige VertreterInnen, Frauen und Männer aus vielen Ländern, von verschiedenen sozialen und humanitären Organisationen, aber auch aus Politik und Diplomatie, aus Wissenschaft und Forschung und diverse andere ExpertInnen. Was ich besonders schön fand: Soweit ich es überblickte war SOS-Kinderdorf die einzige Organisation, in der nicht ExpertInnen über Betroffene sprachen, sondern mit Kasim ein Betroffener selbst am Podium saß und über seine eigenen Erfahrungen berichtete.

Er habe bis zum Alter von 13 Jahren in Afghanistan drei Kriege erlebt und sei dann als 13 jähriger mit seinem Bruder und zwei Verwandten geflüchtet. In Österreich angekommen habe er weder gewusst, wo er war, noch habe er etwas verstanden. Daher war und ist für ihn SPRACHE der wichtigste Schlüssel zur Integration: „Ich wollte die dunkle Geschichte in Afghanistan hinter mir lassen, möglichst rasch die Sprache lernen und mir hier ein neues Leben aufbauen.


 

Team & Bezugsbetreuer in Guntramsdorf besonders wertvoll

Neben der Sprache nannte Kasim vor allem die Struktur im SOS-Jugendhilfszentrum Guntramsdorf als sehr hilfreich: Das Team und vor allem sein persönlicher "Bezugsbetreuer" nennt Kasim als weitere entscheidende Faktoren für seine positive Entwicklung. "Es war immer jemand als Ansprechpartner da, die spezielle Beziehung zu meinem individuellen Betreuer war von Anfang an sehr wertvoll für mich, er wurde für mich auch Mentor und Vorbild. Mit dieser Unterstützung habe ich es geschafft, meinen Weg zu finden", so Kasim. Und dieser Weg führte ihn, wie schon beschrieben, über mehrere Stationen wieder zurück ins SOS-Kinderdorf, wo er nun seine Erfahrungen in die Arbeit mit anderen jungen Flüchtlingen einfließen lassen kann.

Auf die Abschlussfrage des Moderators, was für ihn das Schwierigste war: "Die Sprache zu erlernen, aber auch - aus einer ganz anderen Kultur und Gesellschaft kommend - die Regeln und Gesetze des Zusammenlebens in einem fremden Land zu lernen, zu verstehen und zu leben."
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