8. Mai 2017 | Junge Flüchtlinge

Junge Flüchtlinge: Volksanwaltschaft bestätigt Kritik von SOS-Kinderdorf

„Der aktuelle Bericht der Volksanwaltschaft zeigt deutlich, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach wie vor zahlreichen Ungleichbehandlungen ausgesetzt sind“, sagt SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser.

„Wir appellieren daher weiterhin an Bund und Länder, endlich dafür zu sorgen, dass jedes Kind und jeder Jugendliche in Österreich die gleichen Chancen erhält.“

Christian Moser
 

Weiterhin nur „grundversorgt“

Kann ein Kind nicht von seinen Eltern versorgt werden, hat laut Gesetz der Staat einzuspringen. „Die Kinder- und Jugendhilfe ist verpflichtet, für die bestmögliche Betreuung, Förderung und Ausbildung aller Kinder zu sorgen – völlig unabhängig davon, wo diese jungen Menschen geboren sind”, sagt Moser. Dies ist - das hält die Volksanwaltschaft in ihrem Bericht ganz klar fest – im Fall von tausenden unbegleiteten minderjähren Flüchtlingen nicht gegeben. Denn viele werden weiterhin nur „grundversorgt“ – das heißt, sie leben in Grundversorgungseinrichtungen ohne individuelle Betreuung, Tagesstruktur und Perspektive.
SOS-Kinderdorf fordert, dass alle jungen Menschen in Fremdbetreuung nach denselben hohen Kinder- und Jugendhilfestandards betreut werden. So ist es auch im Gesetz verankert. Das stellt ein von SOS-Kinderdorf in Auftrag gegebenes Gutachten fest. Werden einem Kind oder einem Jugendlichen diese Leistungen verwehrt, können diese Ansprüche bei den zuständigen Verwaltungs- oder Bezirksgerichten eingeklagt werden.

"Individuelle Betreuung und Förderung sind unabdingbar für die Integration – genauso wie eine gute Ausbildung", sagt SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser.

 

Lange Asylverfahren produzieren Langzeitarbeitslosigkeit

SOS-Kinderdorf kritisiert außerdem die viel zu lange Asylverfahrensdauer. "Es ist unzumutbar, dass Menschen zum Teil jahrelang auf die Erledigung ihres Verfahrens warten", sagt Moser.

Ein Großteil der rund 300 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die SOS-Kinderdorf derzeit betreut, lebt im Ungewissen. Der neunjährige Morteza zum Beispiel wartet seit über 20 Monaten auf die Erledigung seines Verfahrens, zwei 14-jährige Afghanen, seit fast 2 Jahren im Land, wurden noch nicht einmal zum ersten Interviewtermin geladen. "Wie sollen sich junge Menschen integrieren, wenn sie nicht wissen, wie es mit ihnen weitergeht?" fragt Moser. "Die Bundesregierung hat sich für rasche Verfahren ausgesprochen – dies muss nun endlich umgesetzt werden."

Zuletzt hatte auch AMS-Vorstand Johannes Kopf die lange Verfahrensdauer kritisiert. Qualifikationen würden veralten, die Arbeitsmotivation sinken und Langzeitarbeitslosigkeit produziert. Dies sei besonders problematisch bei Jugendlichen, so Kopf.

"Das deckt sich mit unseren Erfahrungen", sagt SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser. "Für junge Menschen ist ein Leben in der Warteschleife schwer zu ertragen. Sie wollen etwas lernen, sich nützlich machen – und verstehen die Welt nicht mehr, wenn sie von allen Seiten ein Nein zu hören bekommen", so Moser.
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