Irene Szimak
SOS-Kinderdorf Bote – 29. Mai 2018

Zehn Fragen an Irene Szimak

Nach Hermann Gmeiner und Helmut Kutin lenkt erstmals eine Frau aus der Wirtschaft die Geschicke des Aufsichtsrates von SOS-Kinderdorf. Wir stellen Frau Szimak in diesem Interview vor ...

Frau Szimak, Sie haben nicht nur eine weitläufige Karriere in internationalen Konzernen vorzuweisen. Sie engagieren sich neben Familie und Beruf für SOS-Kinderdorf und machen sich für die berufliche Gleichberechtigung von Frauen stark. Wie dürfen wir uns einen typischen Arbeitstag von Ihnen vorstellen?

Was mich immer schon gereizt hat, sind Vielfalt und Abwechslung. Deshalb gibt es so etwas wie einen "typischen Arbeitstag" glücklicherweise gar nicht. Das Spektrum reicht von Arbeiten am Computer, wenn es um Recherche-Arbeiten geht oder darum, E-Mails zu schreiben und zu beantworten, über viele Meetings und Gespräche bis zu Vorträgen und Dienstreisen, die ich immer als besonders bereichernd empfunden habe. Und oft erstreckt sich ein Arbeitstag auch in den Abend, wenn ich an Veranstaltungen teilnehme.

Wann und was war Ihr erster Berührungspunkt mit SOS-Kinderdorf?

Das war schon in meiner Kindheit, da sowohl meine Großeltern als auch Eltern regelmäßig an SOS Kinderdorf gespendet haben. So habe ich schon früh erfahren und erlebt, wie wichtig es ist, Kinder zu unterstützen, die Hilfe brauchen.
 

30. November 2017: Helmut Kutin übergibt den Vorsitz des Aufsichtsrates an Irene Szimak. Im Bild: Geschäftsführer Christian Moser, Irene Szimak, Präsident Siddharta Kaul und Ehrenpräsident Helmut Kutin. (Foto: Franz Os)

 

Wer oder was hat Sie motiviert, erstmals für SOS-Kinderdorf tätig zu werden?

Ich habe lange bei Beiersdorf in Österreich und für Osteuropa gearbeitet und da gab es in mehreren Ländern eine langjährige Verbindung zu SOS Kinderdorf, bei der unter anderem bei den NIVEA Familienfesten im Sommer Spenden für SOS Kinderdorf gesammelt werden. Im Jahr 2015 wurde ich gefragt, ob ich Aufsichtsrätin bei SOS Kinderdorf Österreich werden möchte. Es ist mir seither eine große Freude und Ehre, noch enger mit SOS Kinderdorf verbunden zu sein und mich in den Dienst der guten Sache zu stellen.

Laut Arbeiterkammerreport 2017 liegt Österreichs Frauenanteil in unternehmerischen Kontrollgremien bei 18 Prozent. Sie haben seit Ende letzten Jahres den Vorsitz des Aufsichtsrates von SOS Kinderdorf Österreich übernommen. Entscheiden Frauen in Kontrollgremien anders als Männer?

Ich denke, dass sowohl Frauen als auch Männern daran gelegen ist, die jeweils beste Entscheidung zu treffen. Ich halte es für wichtig, dass Kontrollgremien gemischt besetzt sind – in Hinsicht auf Geschlecht, aber zum Beispiel auch bezüglich Alter oder beruflichem Hintergrund - , um vielfältiges Wissen und Meinungen zu nutzen, damit wir die Pflicht der Aufsicht und des Rat-Gebens bestmöglich erfüllen können.

Die Pionierinnen von SOS-Kinderdorf


Wagemutig und ausdauernd, anpassungsfähig und widerständig setzten Frauen auch in der Geschichte von SOS-Kinderdorf Initiativen. Es war Maria Heissenberger, welche die Initiative zur Gründung des ersten außereuropäischen SOS-Kinderdorfes setzte, und es waren Frauen, welche die Internationalisierung von SOS-Kinderdorf maßgeblich vorantrieben.

 
Sozialkritisch betrachtet, was denken Sie ist für die aktuelle junge Generation erstrebenswert?

Ich glaube, dass die junge Generation ein gutes Gespür dafür hat, wie sie mit den sozialen, aber auch technologischen Herausforderungen von heute umgehen muss. Die Jugendlichen wünschen sich ein glückliches und selbstbestimmtes Leben. Und wenn es doch einmal schwierige Situationen gibt, ist es wichtig, sich Hilfe zu holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern vernünftig und bewahrt sie vor größeren Problemen.
 

Irene Szimak, 1963 in Wien geboren und Mutter einer vierzehnjährigen Tochter, ist seit 2015 als Aufsichtsrätin für SOS Kinderdorf tätig. Seit 2017 ist sie stellvertretende Vorsitzende und ehrenamtliche Beirätin für "Rat auf Draht". Am 30. November 2017 wurde sie in der Mitgliederversammlung von SOS Kinderdorf zur neuen Vorsitzenden ernannt.

 


Welche Botschaft würden Sie unseren Mädchen für ihre Zukunft unbedingt mitgeben wollen?

Den Mädchen wünsche ich Menschen, die sie in der Kindheit und in der Zeit des Erwachsenwerdens begleiten und sie unterstützen, ihren individuellen Lebensweg zu finden. Denn wenn man weiß, wo man hinwill, gibt das die Kraft es auch zu schaffen, dorthin zu kommen.
 

 


"Für mich gibt es einen besseren Betriff als die gläserne Decke: das gläserne Sieb. Weil manche Frauen eben doch durchkommen. Und ich will dazu beitragen, dass die Löcher im Sieb größer werden".

Irene Szimak


Non Profit Organisationen wie SOS Kinderdorf sind mehr denn je gefordert, auf gesellschaftspolitische Veränderungen dynamisch zu reagieren, ohne ihre Identität und Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen. Wie können Sie SOS-Kinderdorf auf dieser Gratwanderung begleiten (unterstützten)?

Entscheidend ist eine klare Vision, wie SOS Kinderdorf sie hat: "Jedem Kind ein liebevolles Zuhause". Dieser Grundsatz hat immer Gültigkeit, auch wenn es gesellschaftliche, wirtschaftliche oder technologische Veränderungen gibt. Man muss allerdings die Lösungsansätze und Modelle über die Zeit weiterentwickeln, damit wir sozusagen "auf der Höhe der Zeit" sind und den Kindern, die uns anvertraut sind, bestmöglich helfen können.

Ein Blick ins Jahr 2050. Welche sozialpädagogischen Herausforderungen oder Errungenschaften wird SOS-Kinderdorf Österreich zu meistern haben (oder gemeistert haben)?

Es wäre schön, wenn es den Kindern und Jugendlichen in Österreich 2050 so gut geht, dass niemand familiäre Probleme hat, an der Armutsgrenze lebt oder Kinder und Jugendliche kein Sprachrohr mehr brauchen, damit ihre Rechte berücksichtigt werden und ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Solange es aber Kinder in Österreich gibt, die Hilfe und Unterstützung brauchen, werden wir da sein und ihnen zur Seite stehen.

Ein Redakteur einer österreichischen Tageszeitung beschrieb Ihre Vorgänger Hermann Gmeiner und Helmut Kutin als "Führerfiguren mit quasi-religiöser Aufladung (…)". Wie möchten Sie in der Öffentlichkeit als SOS-Kinderdorf-Botschafterin wahrgenommen werden?

Wir haben heute eine klare Trennung zwischen dem operativen Team mit Geschäftsführer Christian Moser und dem Aufsichtsrat mit mir als Vorsitzender. Ich bin also ins "Tagesgeschäft" gar nicht involviert. Mir ist es wichtig, dass wir Verständnis, Unterstützung und Anerkennung für unsere Arbeit bekommen, die Kindern und Jugendlichen in Österreich, gleich welcher Herkunft, Hilfe in Notsituationen gibt und ihnen eine einzigartige Zukunft ermöglicht.

Erinnern Sie sich an eine besonders berührende Begegnung mit Kindern oder Jugendlichen aus einem SOS-Kinderdorf?

Ich freue mich immer, wenn ich in einem SOS Kinderdorf sehe, wie die Kinder miteinander spielen und lachen oder sich an ihre SOS Kinderdorfmutter schmiegen und sich gar nicht davon stören lassen, dass Gäste wie zum Beispiel ich gerade da sind. Dann weiß ich, dass es ihnen bei uns gut geht!

 

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