Nothilfe Ukraine – 15.03.22

"Gemeinsam sind wir stark!"

Valentina, Pflegemutter von 9 Kindern, fand Zuflucht im SOS-Kinderdorf Biłgoraj, Polen, bei Kollegin Jadzi. Wir haben gefragt, wie es ihr und den Kindern geht.

 

Pflegemutter Valentina und ihre Kinder sind im SOS-Kinderdorf Biłgoraju in Polen seit über einer Woche in Sicherheit. Die von SOS-Kinderdorf betreuten Kinder und Familien aus den ukrainischen SOS-Kinderdörfern sind in den polnischen SOS-Kinderdörfern untergekommen. Viele weitere geflüchtete Kinder und Familien aus der Ukraine wohnen in SOS-Kinderdörfern in Rumänien, der Slowakei und seit einigen Tagen auch in österreichischen Einrichtungen von SOS-Kinderdorf.
 
Liebe Valentina, wie geht es dir und den Kindern in Polen?

Wir haben hier Menschen mit großen Herzen getroffen, die immer bereit sind zu helfen. Wenn nur alle ukrainischen Mütter mit ihren Kindern in Sicherheit wären! Ich habe Freunden erzählt, wie herzlich wir hier aufgenommen wurden. Meine Nachrichten geben ihnen die Kraft und Hoffnung, dass auch sie es noch schaffen werden!
 

Wie haben die Kinder die Evakuierung erlebt?

Die Kinder waren unsicher, sie hatten Angst. Wir sind 17 Stunden im Auto gesessen, weil es schreckliche Staus gab. Wir haben sechs Stunden an der Grenze gewartet. Mütter mit Kindern haben Vorrang, aber in unserem Fall war die Einreise komplizierter, weil die Kinder andere Familiennamen haben. Wir mussten viele Zusatzpapiere zeigen und unseren Status erklären. Wir überquerten die Grenze um Mitternacht, es war eisig kalt und ich deckte meine Kinder mit dem zu, was ich hatte, die Kleinsten weinten trotzdem vor Kälte.
 

Und wie war die Evakuierung für dich?

Die Kinder sahen mich zum ersten Mal weinen. Ich hatte auch früher schwächere Momente, aber die habe ich nicht gezeigt. Ich habe zwei Emotionen in mir: Wut und Traurigkeit! Die Wut versuche ich meinen Kindern nicht zu zeigen! Doch wenn die Traurigkeit hochkommt, lasse ich den Tränen freien Lauf - die Emotionen müssen einfach raus. Wenn mich dann die Kinder fragen, sage ich ihnen, dass meine Seele voller Trauer ist und ich um unser Land weine. Sie wollten dann sofort einen Brief an den ukrainischen Präsidenten schreiben, um ihn zu bitten, den Krieg zu beenden!

Ich versuche, auf meine innere Stimme zu hören, nicht „mutig um jeden Preis“ zu sein, Kinder spüren und fühlen alles. Hier in Polen möchte ich mich ablenken und zum Beispiel meiner Kollegin Jadzi bei der Hausarbeit helfen. Aber sie lässt mich nicht. (Sie lacht). Ich sei Gast und soll mich erstmal ausruhen!

 

Kolleg*innen des SOS-Krisenteams an der polnisch-ukrainischen Grenze.


 

Wie sprechen Sie mit den Kindern über den Krieg?

Ich sage ihnen, dass es viele unterschiedliche Menschen auf der Welt gibt: dumme, kluge, gute, böse. Wenn eine Gruppe dummer Leute zusammenkommt, beginnen sie einen Krieg. Bei den Erzählungen halte ich mich dann aber an die Fakten.
 

Haben die Kinder Angst?

Ihr Sicherheitsgefühl wurde erschüttert. Wir sind noch rechtzeitig rausgekommen, so dass sie keine Granaten oder Bomben gehört haben. Während der Evakuierung fragte mich einer der Jungen, wohin sie uns bringen. Ich sagte offen, dass ich selber auch Angst habe. Und jetzt sind wir hier an diesem friedlichen Ort. Wir hätten keinen besseren Ort finden können.

 

Valentina sitzt mit Kindern am Wohnzimmertisch von Kollegin Jadzi. Sie sind in Sicherheit. Es ist allen klar, dass eine längerfristige Unterbringung notwendig sein wird und die Kinder auch hier in Polen in die Schule gehen werden.
 

Welche Fragen stellen die Kinder?

Sie wollen wissen, wann der Krieg aus ist. Sie wollen nach Hause. Einige Kinder werden jetzt hier zur Schule gehen, ich konzentriere mich auf ihre Erziehung. Wir müssen für vier Mädchen eine Schule finden, bei der sie jetzt einsteigen und weiterlernen können. Dann würden wir auf jeden Fall das Schuljahr hier beenden. Gott sei Dank sind wir hier sicher, niemand wirft Bomben auf unsere Köpfe, wir haben wunderbare Menschen um uns.
 

Und wie geht es dir?

Dank Jadzi fühle ich mich fast wie zu Hause. Ich kann das ganze Haus und alle Geräte nutzen. Wir lernen uns immer besser kennen. Die Kinder waren die ersten Tage aufgeregt und nervös. Aber jetzt ist alles unter Kontrolle. Ich versuche, mit den Jüngeren zu malen, um ihnen zu zeigen, dass die Welt auch bunt ist. Kunst- und Bewegungskurse helfen, Verspannungen abzubauen. Zusammenhalt ist jetzt wichtig. Ich will die Familie zusammenhalten. Nur gemeinsam sind wir stark und kommen durch diese schwerze Zeit!

 

Übersicht über die Nothilfe von SOS-Kinderdorf

Die SOS-Nothilfe in der Ukraine wird bis zu 50.000 Kinder und Familien erreichen, in der Ukraine, in den Nachbarländern und in Österreich.

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