Abdi Osman mit Kind
Interview – 1. März 2018

"Wir haben das Leben miteinander geteilt - in guten und in schlechten Zeiten."

Abdi Osman Mohamud arbeitete im SOS-Kinderdorf, als der Bürgerkrieg in Somalia ausbrach. Er erzählt von seinen Erlebnissen und den schlimmsten Tagen seines Lebens.

Der heute 50-Jährige Abdi Osman Mohamud hat 34 Jahre lang für das SOS-Kinderdorf Mogadishu in Somalia gearbeitet. Er begann dort als Gärtner und wurde bald Sicherheitsbeauftragter für das gesamte Dorf.

Als dort 1991 der Bürgerkrieg ausbrauch, versuchten er und seine Kollegen unter Einsatz ihres Lebens die 70 Kinder und 13 Jugendlichen, die Mütter und MitarbeiterInnen, aus dem Dorf in Sicherheit zu bringen.

In diesem Interview erinnert sich Abdi an die schwersten Tage seines Berufslebens während des Bürgerkrieges:

Was geschah, als der Krieg im Jahr 1991 ausbrach?

Als der Krieg begann konnten wir aufgrund der Kämpfe, die um uns toben, das SOS-Kinderdorf-Gelände tagelang nicht verlassen. Während dieser ersten Tage wurde Dr. Mohamed Warsame, unser SOS-Arzt, aus dem SOS-Spital entführt und brutal ermordet. Unsere SOS-Krankenpflege-Schule wurde annektiert, die Leiterin Schwester Leonilla und der Wachmann, der ihr zur Hilfe eilte, erschossen. 

Da mussten wir handeln und das Risiko einer gefährlichen Flucht in Kauf nehmen. Wir nutzen eine kurze Gefechtspause, um mit gemieteten Autos aus dem Dorf zu flüchten und die Kinder in gemieteten Häusern unterzubringen. Es gab jedoch auch eine Zeit, in der wir gezwungen waren, eine provisorische Unterkunft zu bauen, weil kein Haus mehr sicher war.

 

Durch die andauernde Gefahr, musste die gesamte Gemeinschaft viermal umziehen und konnte für zwei Jahre nicht in ihr Zuhause zurück. Nach der Rückkehr, konnten sie endlich wieder in gewohnter Umgebung miteinander spielen.

 

Was war Ihre Rolle?

Ich war das Bindeglied zwischen Dorf und Community. Ich war ständig mit den Gemeindevorstehern in Kontakt, die mich sofort informierten, wenn ein neuer Vormarsch des Militärs geplant war oder sich die Frontlinien änderten. Sie vermittelten uns auch die sicheren Häuser, in die wir mit den Kinder ziehen konnten. In den zwei Jahren des Krieges sind wir vier Mal umgezogen. Erst 2012 konnten wir in das SOS-Kinderdorf zurückkehren. Glücklicherweise wurde in der ganzen Zeit nie ein Kind verletzt!

 

Warum haben Sie, trotz aller Herausforderungen, all die Jahre für SOS-Kinderdorf gearbeitet?

Ich habe meine beiden Eltern in jungen Jahren verloren und ich weiß was es heißt ein Waise zu sein. Täglich habe ich im SOS-Kinderdorf Kinder zu inspirierten, jungen Menschen und zu verantwortungsbewussten Erwachsenen heranwachsen sehen. Ich war auch eine Vaterfigur für die Kinder und im Laufe der Jahre haben wir eine enge Beziehung entwickelt.


Ich fühle mich, als wäre ich selbst im SOS-Kinderdorf aufgewachsen und jeder dort gehört zu meiner Familie. Wir haben das Leben miteinander geteilt - in guten und in schlechten Zeiten. 

Abdi Osman Mohamud

 

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