Jugendarbeitslosigkeit: Neue Perspektiven für eine verlorene Generation
12. August 2017 | Internationaler Tag der Jugend

Jugendarbeitslosigkeit: Neue Perspektiven für eine verlorene Generation

Aktuell sind laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit 71 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos. Seit Beginn des Jahres nimmt sich SOS-Kinderdorf mit dem Programm „YouthCan!“ verstärkt der globalen Jugendarbeitslosigkeit an. Das Programm soll vor allem jenen Jugendlichen den Zugang zum Arbeitsmarkt eben, die die elterliche Fürsorge verloren haben. Im Fokus stehen die Vermittlung von Arbeitsstellen sowie Aus- und Weiterbildungsinitiativen.


Über 85 Prozent der weltweit 71 Millionen arbeitslosen Jugendlichen leben in Schwellen- und Entwicklungsländern in Asien, Afrika, Latein- und Mittelamerika. Zahlen der ILO belegen, dass insbesondere dort  junge Menschen überproportional von Armut betroffen sind. 156 Millionen und somit 37,7 Prozent der arbeitenden Jugendlichen in jenen Ländern sind von Armut betroffen, obwohl sie einer Arbeit nachgehen.


Auf der Suche nach Perpektiven: 37,7 Prozent der arbeitenden Jugendlichen in Schwellen- und Entwicklungsländern sind von Armut betroffen​.


Wir müssen  unsere Anstrengungen verdoppeln, um nachhaltiges Wachstum und anständige Arbeitsplätze zu schaffen.

Deborah Greenfield, Internationale Arbeitsorganisation (ILO) 


Der alarmierende Anstieg von Arbeitslosigkeit und Armut unter Jugendlichen zeige, wie schwer es sein werde, das UN-Ziel zu erreichen, die Armut bis 2030 zu beenden, so die stellvertretende ILO-Direktorin Deborah Greenfield. "Deshalb müssen wir unsere Anstrengungen verdoppeln, nachhaltiges Wachstum und anständige Arbeitsplätze zu schaffen,“ appelliert Greenfield. 

 

Neue Perspektiven mit "YouthCan!"

Vor diesem Hintergrund setzt „YouthCan!“ von SOS-Kinderdorf an. Gemeinsam mit Unternehmenspartnern  wie der Deutschen Post DHL, AkzoNobel und Allianz sowie dem Partnerprogramm „Youth Care Initiative“ begleitet SOS-Kinderdorf Jugendliche auf der ganzen Welt nachhaltig auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Die Aktivitäten vor Ort umfassen etwa die Vermittlung von Arbeitsplätzen und MentorInnen, Trainings rund um das Thema Arbeitsmarkt und auch die Förderung von Wissensaustausch zwischen Jugendlichen und ArbeitgeberInnen. 

 

Start in Südafrika

Der offizielle Auftakt zu „YouthCan!“ fand bereits im März in Südafrika statt, wo die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 50 Prozent liegt. Dort wurde ein bereits bestehendes MentorInnen-Programm des Transportdienstleisters DHL in die Strukturen von „YouthCan!“ integriert. Die Erfolgsgeschichten der beiden ehemaligen SOS-Kinderdorfkinder Tshepo Mofokeng und Keeper Bonase waren bei der Vorstellung des Programms inspirierende Wegweiser für die Zukunft. Beide wurden bereits als Jugendliche in das MentorInnen-Programm von DHL integriert und haben heute eine Festanstellung bei dem Unternehmen.


Die beiden ehemalgen SOS-Kinderdorfkinder Tshepo Mofokeng und Keeper Bonase mit Christof Ehrhart, Deutsche Post DHL Group, bei der Präsentation in Johannesburg.

 

Die Zukunft gehört der Jugend

Laut der Britischen „Commonwealth-Studie“ sollen innerhalb der nächsten drei Generationen 41 Prozent der Jugendlichen weltweit Afrikaner sein. Für die Entwicklung des Kontinents kann die Jugend von heute und morgen eine wunderbare Ressource sein, sofern sie Zugang zu Bildung und Arbeit hat. Als zusätzliche Plattform zu bereits bestehenden SOS-Bildungsangeboten wie Schulen, Kindergärten und Schulungszentren soll „YouthCan!“ in Afrika  einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten. Neben Südafrika wird das Programm 2017 in Ruanda pilotiert.

 

„Nini-Generation“: Lateinamerikas verlorene Jugend

Schauplatzwechsel nach Süd- und Mittelamerika. Zwischen dem Kap Horn in Chile und der Mexikanischen Grenze zu den USA leben etwa 106 Millionen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Ein Viertel davon, also über 25 Millionen, ist arbeitslos. Weitere 25 Millionen arbeiten auf dem Schwarzmarkt bzw. unter schwierigen Umständen. Soziologen sprechen von der „Nini-Generation“ („ni – ni“ heißt „weder – noch“): junge Menschen, die weder arbeiten, noch in Ausbildung sind. „Man darf diese Generation nicht aufgeben. Es mangelt derzeit einfach nur an Möglichkeiten für sie. Diese müssen wir schaffen“, sagte Natalia Camacho, Direktorin einer Jugendbehörde in Costa Rica anlässlich der Vorstellung von „YouthCan!“ in der Hauptstadt San José.

 

Digitale Chancen in Costa Rica

In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich der Prozentsatz an arbeitslosen Jugendlichen in Costa Rica von acht Prozent (1993) auf 23 Prozent (2016) verdreifacht. In Folge dieser besorgniserregenden Entwicklung hat SOS-Kinderdorf Costa Rica bereits vor vier Jahren ein eigenes Arbeitsplatz-Programm für Jugendliche ins Leben gerufen. Auf diesen Strukturen baut nun  „YouthCan!“ in Costa Rica auf. Auf dem sozialen Arbeitsnetzwerk „YouthLinks“ sollen junge Menschen die Möglichkeit haben, sich digital mit MentorInnen und potentiellen Arbeitgebern zu vernetzen. Zusätzlich zu Costa Rica wird das Programm noch in diesem Jahr in Brasilien und Kolumbien ausgerollt. 


Digitale Vernetzung: Auf einer eigenen Internet-Plattform sollen Jugendlichen in Costa Rice künftig potentielle Arbeitgeber kennenlernen. 

 

„Alle junge Menschen brauchen Perspektiven“

Global gesehen gibt es in Asien die meisten arbeitslosen Jugendlichen. Insgesamt sind etwa 33 Millionen junge Menschen beschäftigungslos. Bei der Präsentation von „YouthCan!“ in Indonesien vor wenigen Monaten sprach Slamet Sandi Pamungkas, ehemaliges SOS-Kinderdorfkind aus Jakarta, über die Perspektiven junger Menschen: „Ich hatte Glück. Meine SOS-Familie hat mir einen guten Start ins Leben ermöglicht. Aber nicht nur ich, sondern alle junge Menschen hier und auf der ganzen Welt brauchen Begleitung und vor allem Perspektiven. SOS-Programme wie „YouthCan!“ können ihnen dabei helfen, indem Netzwerke hergestellt werden.“ 


Insgesamt 33 Millionen junge Menschen sind in Asien arbeitslos. Das SOS-Programm "YouthCan!" soll bei der Vermittlung von Arbeitsstellen helfen. 

Sofia Garcia Garcia, SOS-Kinderdorf-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, findet am Internationalen Tag der Jugend 2017 ähnliche Worte: „Wir sind es uns selbst schuldig, die nächste Generation mit Perspektiven auszustatten, die es den Jugendlichen auch ermöglichen Risiken einzugehen, zu lernen und ihre Zukunft selbst zu gestaltet.“
 

Weitere Informationen

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