"Ich habe hier alles bekommen"

Jyotsana Chhetri kam mit zwei Jahren ins SOS-Kinderdorf in Kathmandu (Nepal). Heute ist die 37-Jährige Mutter von zwei Kindern und stellvertretende SOS-Kinderdorf-Leiterin – im selben Kinderdorf.

Jyotsana Chhetri mit ihren zwei Töchter vor ihrem Büro im SOS-Kinderdorf in Kathmandu.

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben. Zum Beispiel das Leben von Jyotsana Chhetri. Die 37-Jährige sitzt auf einem Kinderbett, das vor vielen Jahren ihres war. Sie schließt kurz die Augen, eine Zeitreise im Kopf.

In diesem Bett hat sie geschlafen, in diesem Haus hat sie gewohnt – gemeinsam mit ihrer Kinderdorfmutter und neun weiteren Geschwistern. Damals waren die Wände weiß, und der Raum voller flüsternder Kinderstimmen, die vor dem Schlafengehen noch schnell ihre Geheimnisse miteinander teilten.

 

Ich habe hier alles bekommen, was ich gebraucht habe: Die Chance auf ein gutes Leben, Bildung und die Möglichkeit, das zurück zu geben.

Jyotsana Chhetri

 

Zurückgeben – das tut sie direkt an Ort und Stelle. Denn das stille Kind aus dem SOS-Kinderdorf von früher ist heute stellvertretende Leiterin im SOS-Kinderdorf, in dem sie selbst aufgewachsen ist.

Drei Generationen unter einem Dach: SOS-Kinderdorf-Mutter SOS-Mutter Kanch Regmi, Jyotsana und eine ihrer Töchter im Familienhaus, in dem Jyotsana aufwuchs.

Jyotsana Chhetri nimmt eine verblichene Postkarte von der Wand. Sie muss 20 Jahre alt sein. Sie erinnert sich gern an ihre Korrespondenz mit ihrem Paten. In Europa. "Ich war immer aufgeregt, wenn ich Post bekam." Neben den Postkarten hängen auch Bilder von Hermann Gmeiner, dem Gründer von SOS-Kinderdorf, an der Wand.

Das Engagement von SOS-Kinderdorf in Nepal geht auf die späten 1960er Jahre zurück. Die Arbeit der Organisation begann in der Nähe der Hauptstadt Kathmandu. SOS-Kinderdorf setzt sich auch seit den 1970er Jahren im Pokhara-Tal für Tibeter ein. Seit dem Beben im April 2015 leistet SOS-Kinderdorf Nothilfe für gefährdete Kinder und Familien.

Jyotsana mit ihren zwei Töchtern im SOS-Kinderdorf, für sie der Ort, wo ihre Mutter aufwuchs und ihre Großmutter lebt.

Ihr Leben vor dem SOS-Kinderdorf kennt Jyotsana Chhetri nur aus Erzählungen. Sie wurde als 2- oder 3-Jährige von einer Freundin ihrer Mutter ins SOS-Kinderdorf gebracht. Als die kleine Jyotsana zur Welt kam, lebte ihr Vater nicht mehr und die Familie hatte Mutter und Kind verstoßen. So wuchs das Mädchen mit ihrer SOS-Kinderdorf-Mutter Kanch Regmi im SOS-Kinderdorf Sanothimi auf. 

Die heutige SOS-Kinderdorf-Leiterin blickt auf eine schöne Kindheit zurück. Den Umzug ins "Jugendhaus" im Alter von 16 Jahren musste sie erstmal verdauen, so eng war die Bindung mit der SOS-Mutter und ihren SOS-Geschwistern. Dort erfolgte die Vorbereitung für das Erwachsenenleben.

Jyotsana in ihrem Büro im SOS-Kinderdorf.

Jyotsana Chhetri studierte Soziologie. Bevor sie mit 23 Jahren Mitarbeiterin im SOS-Kinderdorf wurde, musste sie gut nachdenken. "Ich habe die Seite gewechselt. Plötzlich war ich die Erwachsene: die Kinder unterstützt, die Eltern anleitet." Heute verantwortet sie als stellvertretende Leiterin des SOS-Kinderdorfes die Bereiche psychosoziale Beratung und Kinderschutz. 

 

Meine persönlichen Erfahrungen helfen mir, zu verstehen, wie es den Kindern geht. Gleichzeitig bin ich mir dessen bewusst, dass sie ihre eigenen Geschichten haben, und meine Gefühle nicht die ihren sind. Alles was ich will, ist, dass es den Kindern bei uns gut geht und dass die SOS-Eltern Frieden und Sicherheit in ihren Jobs finden.

Jyotsana Chhetri

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