Homeless World Cup – 16. November 2018

Niamat kickt in Mexico City

Niamat spielt für sein Leben gerne Fußball. Der 17-Jährige lebt in einer WG von SOS-Kinderdorf in Niederösterreich und nutzt nach seiner Arbeit jede freie Minute, um am Fußballplatz Tricks zu üben. Jetzt darf er sein Talent international unter Beweis stellen und in Mexico City für Österreich antreten.

Beim Homeless World Cup können Fußballerinnen und Fußballer, mit denen es das Leben nicht immer gut meinte, Selbstvertrauen und Motivation für ihr Leben abseits des Sports sammeln. Nach der Premiere 2003 in Graz findet die jährlich ausgetragene soziale Straßenfußball-Weltmeisterschaft heuer bereits zum 16. Mal statt. Im Vorjahr erspielte sich Österreich in Oslo den neunten Platz. Heuer kämpfen 47 Nationen im Mixed-Bewerb um den Titel.

Teamplayer

Die Auswahl der Mitglieder des österreichischen Nationalteams, gecoacht von Ex-Nationalspieler Gilbert Prilasnig, wird jährlich neu getroffen. In Kooperation mit Sozialeinrichtungen in ganz Österreich wurden acht Spieler aufgestellt, die schließlich für Österreich nach Mexiko fliegen durften. Mit seinen 17 Jahren ist Niamat einer der Jüngsten im Team. Gemeinsam mit seinem jüngeren, gehörlosen Bruder kam er vor vier Jahren aus Afghanistan nach Österreich. Seit knapp zwei Jahren wohnt er in einer WG von SOS-Kinderdorf in Ebreichsdorf. Mit großem Engagement macht er eine Lehre bei der ÖBB zum Anlagen- und Betriebstechniker, kümmert sich liebevoll um seinen kleinen Bruder und spielt nebenbei begeistert Fußball in Kottingbrunn. Schon letztes Jahr wollte er gerne Teil des HWC-Teams sein. Umso mehr freut er sich, dass es heuer geklappt hat und hat sich viel vorgenommen: „Jeder wird das Beste geben, um weiterzukommen. Hoffentlich schaffen wir es in die Top Ten!“

Zuerst war das österreichische Team auf dem besten Weg dahin: Nach der Tabellenführung in der Gruppenphase führten die Österreicher auch die Zwischenrunde an und zeigten sich top in Form. Nach fünf Siegen und nur einer Niederlage riss die Erfolgsserie des österreichischen Homeless World Cup Nationalteam dann leider ab. In spannenden Spielen gaben die Burschen alles, mussten sich jedoch den Gegnern geschlagen geben und erzielten schließlich den 16. Platz im Turnier.

Niamat hätte sich und seinem Team eine Platzierung unter den besten 10 gewünscht. Nach einigen gewonnenen Spielen riss die Erfolgssträhne der Österreicher jedoch ab. Der 17-Jährige kann trotzdem mehr als stolz auf sich sein. Die Mannschaft hat in Mexiko ihr Bestes gegeben und Niamat hat einige tolle Tore geschossen.


Straßenfußball für Selbstvertrauen

Im Teamsport erfahren Menschen mit Fluchthintergrund, Obdachlose oder Menschen mit psychischen Problemen Akzeptanz und Wertschätzung. Die Tore, die im Spiel erzielt werden, sorgen für Euphorie. Aber auch, wenn der Tor-Jubel längst zur angenehmen Erinnerung verblasst, wirkt das Turnier noch nach: Teil dieses internationalen Events zu sein, seine Fähigkeiten einzubringen und Toleranz und Anerkennung zu erfahren, steigert das Selbstbewusstsein und stärkt für’s Leben, auch wenn das nicht immer einfach ist.

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