31. August 2017 | 18 Plus

Hilfe nach dem 18. Geburtstag

SOS-Kinderdorf setzt sich dafür ein, dass jeder junge Mensch die Hilfe bekommt, die er braucht. Auch wenn er bereits über 18 ist.

Ein Jugendlicher, der nicht bei seinen Eltern leben kann, verliert mit dem 18. Geburtstag den Anspruch auf Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe. Das heißt, er muss von einem Tag auf den anderen aus der Wohngemeinschaft ausziehen und auf eigenen Beinen stehen.

Das ist für viele junge Menschen, die SOS-Kinderdorf betreut, ein sehr großer Schritt, der kaum zu bewältigen ist. Denn viele waren in ihrer Kindheit großen Belastungen ausgesetzt und brauchen etwas länger Zeit, um erwachsen zu werden.

Dabei geht es zum einen um ganz praktische Dinge wie Behördengänge erledigen, Rechnungen bezahlen, jeden Tag pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen. Zum anderen geht es aber auch darum, einen Ort zu haben, an dem man sich sicher fühlt. Es geht darum, Menschen um sich zu haben, die man um Rat fragen kann und auf die man sich verlassen kann. Wenn das plötzlich weg fällt, kann es passieren, dass Jugendliche, die sich bereits gut stabilisiert haben ihren Halt wieder verlieren und langfristig von der Sozialhilfe abhängig werden.

Wir fordern deshalb einen Rechtsanspruch auf Kinder- und Jugendhilfe für alle jungen Erwachsenen, die es brauchen, und zwar bis zum 21. Lebensjahr. Völlig unabhängig davon, in welchem Bundesland der Betroffene lebt.

Derzeit werden Verlängerungen von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich gehandhabt. Wir wünschen uns deshalb eine österreichweite Lösung. Nur so kann es Rechtssicherheit und Transparenz geben.

Die meisten jungen Menschen in Österreich leben bis zum 25. Lebensjahr bei Mama und Papa. Für sie ist es völlig selbstverständlich, dass jemand da ist, der sie beim Erwachsenwerden unterstützt. Warum sollte ausgerechnet jenen, die es ohnehin schon schwer haben, diese Hilfe verwehrt bleiben?

SOS-Kinderdorf finanziert in ganz Österreich Nachbetreuungsstellen. Das heißt: Jeder und jede, der in seinem/ihrem Leben von SOS-Kinderdorf betreut wurde, kann sich jederzeit an uns wenden. Diese Hilfe gehört flächendeckend ausgebaut für ALLE sogenannten Careleaver – egal, bei welchem Träger sie untergebracht waren und egal in welchem Bundesland sie leben.

 

Zwei junge Erwachsene erzählen von ihrem Weg in die Selbstständigkeit

Bianca (20) ist mit 14 in eine Wohngruppe von SOS-Kinderdorf in Wien gekommen, inzwischen hat sie ins sogenannte Betreute Wohnen gewechselt. Das heißt, sie hat eine eigene Wohnung, wird aber weiterhin im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe ambulant von SOS-Kinderdorf betreut. „Ein Mal pro Woche treffe ich mich mit meiner Betreuerin und wir besprechen alles, was gerade ansteht. Das ist sehr wichtig für mich.“
 
 
Salim (20), stammt aus Afghanistan, er ist 2011 nach Österreich gekommen, nach Aufenthalten in Traiskirchen und verschiedenen Krisenzentren ist er schließlich ins SOS-Kinderdorf gekommen. Eine Verlängerung der Betreuung über das 18. Lebensjahr hinaus war in seinem Fall aufgrund der behördlichen Auflagen nicht möglich. Mit 18 Jahren erfolgte sein Umzug in eine Grundversorgungseinrichtung. Er blieb dennoch in Kontakt mit seinen Betreuern von SOS-Kinderdorf. „Ohne sie hätte ich es nicht geschafft“, sagt Salim heute. Er hat inzwischen eine Familie, eine eigene Wohnung, einen Job – und startet demnächst mit der Abendmatura.
/* pageName= 18plus pagePrefix= breadCrumb=Aktuelles / 18plus mainDomain=sos-kinderdorf.at langIdentifier=AT,de */