(c) Stefan Diesner
11. Mai 2017 | Muttertag

Hilfe beim "Umpacken"

Brigitte Virgolini ist seit 1995 SOS-Kinderdorf-Mutter. Sie hat in ihrer SOS-Kinderdorf-Familie im SOS-Kinderdorf Hinterbrühl insgesamt 18 Kindern ein neues Zuhause gegeben. Auch ihr leiblicher Sohn Michael ist in der SOS-Kinderdorf-Familie aufgewachsen.

Brigitte Virgolini hat sich im Alter von 31 Jahren dazu entschieden, einen völlig neuen beruflichen Weg einzuschlagen und sich als SOS-Kinderdorf-Mutter beworben. Derzeit betreut Brigitte in ihrer Familie gemeinsam mit zwei Pädagoginnen sechs Kinder. Zur ihrer Familie zählen auch viele ihrer bereits erwachsenen Kinder und deren eigenen Kinder, mit denen sie regelmäßig in Kontakt ist.

Die Kinder, die im SOS-Kinderdorf aufwachsen, stammen aus vielen unterschiedlichen Herkunftsfamilien. Auch die leiblichen Eltern, Großeltern oder Onkeln und Tanten sind Teil der großen Familie von Brigitte Virgolini.
 
Brigitte Virgolini mit ihrer SOS-Kinderdorf-Familie. (c) Stefan Diesner
 

Das besonders Schöne am Beruf

"Es gibt unzählig viele große und kleine Geschichten zu erzählen, die zeigen wie erfüllend dieser Beruf sein kann", sagt Virgolini. "Am schönsten ist es, wenn an den Feiertagen oder Sonntagen fast alle da sind, die Kinder die im Moment im Haus leben und die "Entwachsenen" mit ihren Partnern und teilweise schon mit eigenen Kindern. Da wird der Tisch zu klein und wir müssen zusammenrücken und es ist richtig was los."
 

Hilfe beim "Umpacken"

Viele der Kinder, die zu Brigitte Virgolini kommen, haben schwere Schicksale. Den Rucksack der familiären Prägungen und ihrer Lebensthemen kann sie ihnen nicht abnehmen, „ich kann nur gemeinsam mit dem Unterstützungsteam (Psychologin, Therapeuten, Päd.Leitung und Team im Haus) reinschauen und behilflich beim "Umpacken" sein, damit die ganz schweren Brocken nicht mehr so schwer sind.“
 

Fragen & Antworten


Die Betreuungsform der SOS-Kinderdorf-Familie stand vor sieben Jahrzehnten am Beginn der SOS-Kinderdorf-Idee: Mit dem Modell der SOS-Kinderdorf-Familie wollten Hermann Gmeiner und sein Gründerteam der anonymen Massenerziehung von Kindern in Großheimen und Erziehungsanstalten etwas völlig Neues entgegensetzen und ihnen ein Aufwachsen unter familienähnlichen Bedingungen ermöglichen.

Viele gesellschaftliche Veränderungen haben im Laufe der Jahrzehnte SOS-Kinderdorf immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt und Weiterentwicklungen des Modells bewirkt. Die SOS-Kinderdorf-Familie als pädagogisches Angebot ist vielfältiger geworden, das Berufsbild der SOS-Kinderdorf-Mutter hat sich gewandelt, verheiratete SOS-Kinderdorf-Mütter sind dazugekommen, auch mit eigenem Kind, und Männer als SOS-Kinderdorf-Väter. Die unterstützenden Systeme wurden intensiviert, z.B. durch zusätzliche PädagogInnen, TherapeutInnen, PsychologInnen oder andere Angebote am SOS-Kinderdorf-Standort.

Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters und Geschlechts (oft größere leibliche Geschwister-gruppen) leben gemeinsam mit ihrer SOS-Kinderdorf-Mutter oder ihrem SOS-Kinderdorf-Vater (und deren Partner) in einer Familie zusammen. Als Familie verbringen und gestalten sie miteinander den Alltag. Neben der professionellen Seite und den Anforderungen des Berufs kann durch diese Form des Zusammenlebens eine besondere Form von Vertrautheit und Verbundenheit entstehen – eine Beziehung, die weit über den gemeinsamen Lebensabschnitt hinaus reichen kann.

Weltweit gibt es derzeit 5.700 SOS-Kinderdorf-Mütter, die in ihren Familien mehr als 52.000 Kindern und Jugendlichen ein stabiles und liebevolles Zuhause geben. In Österreich arbeiten und leben derzeit 60 SOS-Kinderdorf-Mütter in SOS-Kinderdorf-Familien, sie betreuen und begleiten aktuell 273 junge Menschen auf ihrem Weg des Erwachsenwerdens.

Wird sehr individuell und unterschiedlich in jeder SOS-Kinderdorf-Familie gefeiert, wie in vielen anderen Familien auch, mit Blumen und Geschenken, mit Ritualen, wie z.B. Frühstückmachen durch die Kinder oder gemeinsame Ausflüge. Oder durch weniger bewusstes Gestalten des Tages, je nachdem welche Bedeutung dem Muttertag gewidmet wird. Das Besondere am Muttertag in einer SOS-Kinderdorf-Familie ist, dass oft zwei Mütter beglückwünscht und beschenkt werden: die SOS-Kinderdorf-Mütter und leiblichen Mütter.

Die Zusammenarbeit mit den Herkunftsfamilien der Kinder und Jugendlichen hat einen besonderen Stellenwert, ganz unabhängig davon, wie wahrscheinlich eine spätere Familienzusammenführung ist. Wenn es möglich ist und die Bereitschaft der Herkunftsfamilie gegeben ist, werden die Kinder dabei unterstützt stabile Beziehungen aufzubauen und leben zu können. So bekommen Kinder Verständnis für die eigene Geschichte, können ihre Besuche von oder bei den Eltern gut verbringen.

Im Laufe von bald sieben Jahrzehnten ist SOS-Kinderdorf im Programmangebot differenzierter geworden: so gibt es in Wien seit 2004 das erste SOS-Kinderdorf in der Stadt, in Osttirol seit 2012 das erste integrierte SOS-Kinderdorf am Land, wo SOS-Kinderdorf-Familien in Mietwohnungen Tür an Tür mit anderen Familien leben. Es gibt neue Angebote für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und zahlreiche Angebote im Bereich der Prävention: Familien stärkende Programme bieten jungen Menschen und Familien in Krisen kurz-/mittelfristige stationäre Betreuung und ambulante Beratung/Begleitung an – damit Familien nicht auseinanderbrechen und Kinder bei den Eltern bleiben können. Noch stärker als bisher engagiert sich SOS-Kinderdorf im Lobbying für Kinderrechte, vernetzt sich mit anderen Systempartnern und NGOs und erhebt anwaltschaftlich die Stimme für die Rechte und Anliegen Not leidender Kinder und gefährdeter Familien.

2015 hat SOS-Kinderdorf in Österreich 1.766 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in langfristig ausgerichteten Projekten betreut (SOS-Kinderdorf-Familien, Jugendwohnen, Flüchtlingsprojekte und Nachbetreuungsstellen) sowie 5.315 Personen durch kurz-/mittelfristig angelegte ambulante und Familien stärkende Programme (Wohngruppen/Krisenpflegeplätze, Kindergärten, Arbeitsprojekte, Beratungsstellen, Ambulatorien) – stets mit dem Ziel, Kindern/Jugendlichen ein stabiles, liebevolles Zuhause zu sichern.


 

Werden Sie SOS-Kinderdorf Mutter/Vater

Erfahren Sie mehr über die Tätigkeiten einer/eines SOS-Kinderdorf Mutter/Vater.

Mehr erfahren...

/* pageName= Muttertag-2017 pagePrefix= breadCrumb=Aktuelles / Muttertag-2017 mainDomain=sos-kinderdorf.at langIdentifier=AT,de */