Beziehung – 10. April 2019

Starke Geschwister, starke Kinder

Geschwister nicht zu trennen und die Pflege starker Geschwisterbeziehungen sind wesentliche Pfeiler von SOS-Kinderdorf - in Österreich und in aller Welt.

Wenn Kinder nicht bei ihren Familien aufwachsen können, werden sie in Betreuungseinrichtungen oft nach Alter und Geschlecht getrennt, ohne die verwandtschaftlichen Beziehungen zu berücksichtigen. Dabei spielen Geschwister eine Schlüsselrolle in der Entwicklung jedes Kindes. Von klein auf gemeinsame Geschichten und Erfahrungen zu teilen, macht die Beziehung zu seinen Geschwistern einzigartig.

 

 

 

 

Ein verfrühter Einstieg ins Leben

So gab es in Äthiopien keinen Zweifel daran, dass die Zwillinge Naol und Beki gemeinsam in einer SOS-Kinderdorf-Familie im SOS-Kinderdorf Jimma aufwachsen werden können. Bei der komplizierten Frühgeburt ist die Mutter verstorben. Wie durch ein Wunder haben die beiden Winzlinge überlebt. Bei SOS-Kinderdorf-Mutter Bizunesh Shiferaw haben sie nach dem Krankenhausaufenthalt ein neues Zuhause gefunden.

 

"Sie waren so klein!" SOS-Kinderdorf Mutter Bizunseh Shiferaw zeigt die Fotos der Kinder bei der Aufnahme ins SOS-Kinderdorf Jimma.


"Sie waren sooo klein, sie passten in meine Handfläche", erinnert sie sich liebevoll zurück. "Zwillinge waren für mich eine enorme Herausforderung, aber gerade auch weil es Zwillinge waren, habe ich mir die Aufgabe zugetraut. Für Kinder, die in die Pflege kommen, verbessern Geschwister das Sicherheits- und Wohlbefinden, schon alleine, weil sie eben da sind. Sie unterstützen sich und vermitteln Stabilität und Zugehörigkeit". 

Beki und Naol sind heute als Fünfjährige immer noch unzertrenntlich und machen alles gemeinsam - außer beim Fußball: das ist Beki eindeutig zu wild. Da bleibt sie lieber am Rand stehen, lässt ihren Bruder aber keine Sekunde außer Augen, bis sie ihn danach wieder glücklich in die Arme schließen kann. 

 

Unzertrenntlich! Die Zwillinge Naol und Beki und ihre SOS-Kinderdorf-Mutter Bizunesh.

 

Mittlerweile hat sich auf der Vater gemeldet, der viele Jahre benötigte, sich von der Tragödie, den Schmerz und der Trauer zu erholen. Er hält Kontakt mit den Kindern, auch wenn er nicht in der Lage ist, sich derzeit selbst um die Kinder zu kümmern.

"Eines Tages kann diese Familie hoffentlich zusammengeführt werden", wünscht sich Bizunesh.  "Bis es soweit ist, geben sich die zwei den notwendigen Halt und auch die anderen Geschwister im Haus. Und mich gibt es ja auch noch"", lacht sie verschmitzt. "Gute Gschwisterbeziehungen sind unglaublich mächtig und wichtig, sie stützen ein lebenlang und ich werde diese Beziehung fördern so gut ich kann." 

 

Starke Geschwisterbeziehungen

Deshalb sind wir überzeugt, dass Brüder und Schwestern immer zusammen bleiben und gemeinsam aufwachsen sollen! Seit 70 Jahren ist das gemeinsame Aufwachsen von Geschwistern ein wesentlicher Pfeiler der Betreuung.

Angefangen bei der langristigen Betreuung in einer SOS-Kinderdorf-Familie oder bei den kurzfristigeren Betreuungsformen der Krisenwohngruppen versucht SOS-Kinderdorf Geschwister niemals zu trennen, damit sie weiterhin gemeinsam aufwachsen können. Bei der mobilen Familienarbeit wird die ganze Familie eingebunden und unterstützt, damit ein Auseinanderbrechen der Familie und eine Trennung der Geschwister von vornherein vermieden werden kann. 


Forschungsprojekt Geschwisterbeziehungen

 
Mit den Forschungsprojekten "Geschwisterbeziehungen und ihre Bedeutung in der Fremdunterbringung" verfolgte SOS-Kinderdorf das Ziel, zusammen mit Fachkräften aus SOS-Kinderdörfern und der Kinder- und Jugendhilfe sowie mit WissenschaftlerInnen der Universitäten Klagenfurt und Koblenz-Landau die Fremdunterbringung und die Betreuung von Geschwistern weiterzuentwickeln. Den Sichtweisen von Kindern und Jugendlichen wie von Fachkräften aus der pädagogischen Praxis wird in diesem Forschungs- und Entwicklungsprozess besondere Bedeutung beigemessen.

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