3. März 2017

Genitalverstümmelung verstößt gegen Kinder- und Menschenrechte

Weltweit sind rund 200 Millionen Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelung (FGM) betroffen.

In Ländern Afrikas und Ostasiens werden Mädchen und junge Frauen immer noch beschnitten.
Bei einer Beschneidung von Mädchen und Frauen werden die weiblichen, äußeren Genitalien teilweise oder komplett entfernt. Der Eingriff, der schlimme körperliche und psychische Folgen für die betroffenen Frauen hat, geschieht meist im Verborgenen. Daher liegt die tatsächliche Zahl wahrscheinlich wesentlich höher. Beschnitten werden in der Regel junge Mädchen und Frauen. Sie erleiden dabei körperliche und seelische Schmerzen, die oft ihr ganzes Leben lang anhalten. SOS-Kinderdorf kämpft gemeinsam mit UN und UNHCR gegen die sogenannte Female Genital Mutilation, kurz FGM.
 

Die Langzeitfolgen einer Beschneidung

Eine Beschneidung hat für die beschnittenen Mädchen sowohl körperliche, als auch seelische Folgen – und zwar ein Leben lang. Da der Eingriff meist ohne Betäubung und mit nicht sterilisiertem Schneidewerkzeug wie Messer, Glasscherben oder Rasierklingen durchgeführt wird, ist die Gefahr einer Infektion groß. Außerdem müssen die Mädchen unmenschliche Schmerzen während der Prozedur ertragen und die Wunden bluten stark. Viele fallen in Ohnmacht oder erleiden einen schweren Schock. In den letzten Monaten sind fünf Mädchen aus Kenia, Sierra Leone, Guinea, Gambia und Ägypten an den Folgen des Eingriffs gestorben. Neben den körperlichen Konsequenzen hat die Genitalverstümmelung auch soziale Auswirkungen: Mädchen und ihre Familien, die eine Beschneidung ablehnen, werden von der Gemeinschaft ausgeschlossen.
 
Genitalverstümmelung verstößt gegen Menschenrecht. Sie missachtet das Recht der Person auf Gesundheit, Sicherheit und körperlicher Unversehrtheit sowie das Recht gegen Folter und Gewalt und unmenschlicher und unwürdiger Behandlung.
 

Aufklärungskampagnen gemeinsam mit UN

SOS-Kinderdorf kämpft mit anderen NGOs mit Aufklärungskampagnen unter anderem in Kenia, Gambia, Guinea und im Sudan gegen FGM. Darüber hinaus bietet SOS-Kinderdorf betroffenen Mädchen und Frauen medizinische Hilfe an, stärkt und bildet Frauen aus und kämpft gegen die gesellschaftliche Ächtung. In Kenia, im SOS-Kinderdorf Meru, werden zum Beispiel neben Aufklärungskampagnen gemeinsam mit anderen NGOs und den Gemeinden alternative Rituale gefördert, die ohne Beschneidung einen rituellen Übergang vom Mädchen zur Frau ermöglichen und trotzdem die Tradition wahren.

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ruft unmissverständlich zur Beseitigung von FGM auf (Ziel 5.3). SOS-Kinderdorf hat gemeinsam mit 143 österreichischen Organisationen die Regierung aufgefordert ihrer Verantwortung nachzukommen und die Ziele der Agenda umzusetzen. Laut den UN-Kinderrechts-Konventionen haben Kinder das Recht, in einer Welt aufzuwachsen, in der sie Hoffnung auf Geschlechter-Gleichstellung (Artikel 29) sowie auf “Gesundheit, Würde und Selbstachtung” (Artikel 39) haben.
"Als ich erfuhr, dass ich ein Mädchen bekommen werde, bin ich nach Europa geflohen. Ich wollte nicht, dass meine Tochter das gleiche durchmachen muss, wie ich." (Geflüchtete Frau aus Mali)

Die Flucht nach Europa

In den letzten Jahren haben allein im Jahr 2013 rund 25.000 Mädchen und Frauen in der EU Schutz gesucht, die aus Ländern kommen, die FGM praktizieren. (Dazu zählen: Somalia, Eritrea, Nigeria, Irak, Guinea, Ägypten, Äthiopien, Mali, Elfenbeinküste und Kamerun). Davon sind laut UNHCR schätzungsweise 16.000 von FGM betroffen. Eine Flucht vor Beschneidung ist laut UNHCR ein Grund Asyl zu beantragen. Es gibt jedoch keine konkreten Zahlen, wie viele Frauen dieses Grund tatsächlich angeben. Die UNHCR schätzt in ihrem Bericht "Too much pain", dass es im Jahr 2011 rund 2.000 Mädchen und Frauen waren. (Quelle: UNHCR)
 

Betroffene Mädchen in Österreich

In Österreich leben in den betreuten Jugendwohngruppen für unbegleitet minderjährige Flüchtlinge ebenfalls Mädchen aus praktizierenden FGM-Ländern. So auch im Clearing-house in Salzburg. Ob und wie viele Mädchen eine Beschneidung über sich ergehen lassen mussten, ist unklar, da aus vielerlei Gründen die Mädchen nicht darüber sprechen. Stellen sich während der Betreuung psychische oder körperliche Belastung aufgrund von FGM heraus oder wird es von den Mädchen thematisiert, werden sie von ihrer Bezugssperson hochsensibel betreut. Eine psychologische und medizinische Begleitung ist möglich bzw. vorgesehen.

Weiterführende Links

Offener Brief an die Bundesregierung

Substainable Development Goals
144 Organisationen, darunter SOS-Kinderdorf, fordern die Bundesregierung jetzt zum Handeln auf. Mehr...
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