Corona Krise – 03.06.20

Frauen und Mädchen in Afrika besonders gefährdet

Mehr Kinderehen, Misshandlungen, ungewollte Schwangerschaften und gefährliche Abtreibungen treiben die Frauen und Mädchen immer tiefer in einen Kreislauf von Abhängigkeit und Armut.

Die Coronakrise trifft Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt besonders hart: So wird die Anzahl von Kinderehen, ungewollten Schwangerschaften, unbehandelten Krankheiten und Fällen von Gewalt gegen Frauen deutlich steigen – vor allem in Afrika. "Wir sehen schon jetzt die katastrophalen Auswirkungen, die Corona gerade auf die weibliche Bevölkerung hat", sagt SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser. Die Pandemie verstärkt die Ungleichheiten. Millionen Frauen und Mädchen brauchen jetzt Schutz und Unterstützung um ihre Rechte einfordern zu können!

Durch die Ausgangssperren sind Kliniken, Gynäkologen und Apotheken kaum zugänglich. Dadurch sind frauenärztliche Vorsorgeuntersuchungen und medizinisch notwendige Behandlungen nicht möglich sowie Verhütungsmittel nicht erhältlich. Zudem sind wegen der Corona-Beschränkungen momentan Präventionsmaßnahmen gegen häusliche Gewalt nicht verfügbar, wodurch das Missbrauchsrisiko auf engstem Raum für Mädchen und Frauen ansteigt. Eine indirekte Auswirkung der Schulschließungen ist ein Anstieg von Kinderehen.
 

Schulschließungen führen zu mehr Kinderehen in Äthiopien und Uganda

Während in Österreich Schulschließungen vor allem Auswirkungen auf das Lernen und soziale Kontakte hatten, kann das in Afrika bedeuten, nichts zu essen zu haben. In weiterer Folge sind viele Mädchen davon bedroht, frühzeitig verheiratet zu werden. Für die allermeisten Schülerinnen aus armen Familien ist die Schulspeisung die einzige Mahlzeit des Tages. Fällt diese Mahlzeit aus, sind die Familien unter enormen Druck, für ihre Kinder zusätzliche Mahlzeiten aufzutreiben. Durch die fehlenden Einkommensmöglichkeiten aufgrund der Ausgangsbeschränkungen ist dies oft unmöglich. Wenn nicht genug zu essen für alle da ist, erscheint die Verheiratung einer Tochter oft als einziger Ausweg.


Wenn wir den Kindern und Familien jetzt nicht schnell helfen, im Alltag zu überleben und genug zu essen zu haben, drohen viele Mädchen verheiratet zu werden und damit auch die so wichtigen Schritte jahrelanger Arbeit gegen Kinderehe zunichte gemacht zu werden.

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf

Die Vereinten Nationen fürchten in den nächsten 10 Jahren zusätzliche 13 Millionen Kinderehen.
 

Uganda: Abtreibungen und Müttersterblichkeit

In dem ostafrikanischen Land müssen die Frauen immer weitere Strecken zurücklegen, um einen behandelnden Arzt zu finden, der sie untersucht oder eine Entbindung durchführt. "Die Frauen aus abgelegenen Gebieten haben außerdem keinen Zugang zu Verhütungsmitteln", sagt Olive Lumonya, Leiterin SOS-Kinderdorf Uganda. "Da die Frauen durch die Ausgangssperren ohnehin keine Einkünfte mehr haben, hätten sie ohnehin kein Geld für Verhütungsmittel." Lumonya rechnet deshalb damit, dass es zu mehr gefährlichen Abtreibungen unter unhygienischen Bedingungen kommen wird, mehr Mütter sterben und dadurch viele Kinder zu Waisen werden.
 

Sierra Leone: Mehr Infektionen und Vergewaltigungen

Durch die Coronakrise gehen Frauen seltener oder gar nicht mehr zum Arzt. "Sie greifen stattdessen zu Hause auf traditionelle Behandlungsmethoden zurück", sagt Sophie Ndong, Leiterin SOS-Kinderdorf Sierra Leone. "Nur in extremen Notfällen kommen sie ins Krankenhaus. Oft ist es dann aber schon zu spät." Durch die Ausgangssperre sind Frauen und Mädchen zudem verstärkt häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt. "Wir beobachten auch einen Anstieg von Vergewaltigungen, die vor allem bei jungen Mädchen zu unerwünschten Schwangerschaften oder sexuell übertragbaren Infektionen führen." Es wird mit einem Anstieg von Infektionen wie HIV gerechnet.
 

Ghana: Mehr Waisen-, Straßen- und misshandelte -Kinder

Viele Kinder werden durch die Todesfälle von Sars-CoV-2-infizierten Eltern zu Waisen. Durch die wachsende Armut und Arbeitslosigkeit leben mehr Kinder auf der Straße, da sich ihre Eltern nicht mehr um sie kümmern können. "Die Zahl der verstoßenen Kinder wird steigen", sagt der Leiter von SOS-Kinderdorf Ghana, Alexander Kekula. "Zudem bemerken wir schon jetzt eine Zunahme von Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen."

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