Schulbeginn
Schulbeginn - 1. September 2017

Finanzielle Belastung zum Schulanfang

356.0000 Kinder und Jugendliche in Österreich armutsgefährdet – Ausgrenzung und Benachteiligung als Folgen

Der bevorstehende Schulstart stellt auch in diesem Jahr für viele Familien eine große finanzielle Belastung dar. „Für Kinder aus armutsgefährdeten Familien überwiegen am ersten Schultag oft finanzielle Sorgen und Scham“, so Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf. „Damit wir die Kinderarmut in Österreich bekämpfen können, müssen wir als erstes ehrlich darüber sprechen, welche finanziellen Mittel Familien mit Kindern wirklich brauchen.“

Die Einkaufslisten zum Schulanfang sind lang. Neben Schultaschen, Heften und neuer Kinderbekleidung machen zusätzlich Kosten für Computer, Nachmittagsbetreuung, Freizeitaktivitäten und Nachhilfe große Summen aus. „Wir wissen, dass viele Familien dadurch in kritische Lebenslagen geraten – was wir aber nicht wissen, ist, welche Kosten insgesamt tatsächlich heute auf Familien mit Kindern zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse überhaupt zukommen“, kritisiert Moser. „Die Konsequenz: Familienpolitische Maßnahmen stützen sich auf veraltete Daten.“

Die Regelbedarfsätze, an die beispielsweise Unterhaltszahlungen und Familienförderungen angepasst sind, basieren auf einer Erhebung aus den 1960er Jahren. Der zugrundeliegende Warenkorb wurde seither nicht aktualisiert. „Es ist daher davon auszugehen, dass die angenommenen Kosten für die heutigen Ausgaben für Kinder nicht ausreichend sind“, so Moser. „Vor allem Kinderbetreuungskosten und Aufwendungen für technische Gerätschaften wie Laptops werden nicht berücksichtigt.“

 
Dringende Umsetzung gefordert

Obwohl die Durchführung einer Kinderkostenanalyse bereits als Maßnahme im Arbeitsprogramm der österreichischen Bundesregierung für die Jahre 2013 bis 2018 vorgesehen war, wurde sie bisher nicht umgesetzt. „Ohne eine rasche Umsetzung einer solchen Datenerhebung erscheinen weder die geplante Reform des Unterhaltsrechts noch die Entwicklung und Implementierung zielgerichteter und nachhaltiger Maßnahmen gegen Kinderarmut erreichbar“, betont Moser.

„Diese Maßnahme muss daher nicht nur wieder in ein neues Regierungsprogramm aufgenommen, sondern auch die Umsetzung muss dringend angegangen werden.“ Aufbauend auf dieser Analyse brauche es eine regelmäßige Evaluierung und Anpassung von Leistungen für Kinder und Familien.

 
Armutserfahrungen sind demütigend und belastend

In Österreich leben rund 356.000 Kinder und Jugendliche in Haushalten, die als armuts- und ausgrenzungsgefährdet gelten. Ganz konkret bedeute das für diese Kinder und Jugendlichen, dass es für sie nicht möglich ist, vielen organisierten Freizeitaktivitäten nachzugehen, an Schulausflügen teilzunehmen oder zum Teil nicht einmal Freundinnen und Freunde zum Spielen oder Essen nach Hause einzuladen.

„Die Folgen davon sind soziale Ausgrenzung und Benachteiligung“, betont Moser. „Diese Erfahrungen sind für Kinder demütigend und belastend.“ AlleinerzieherInnen, Mehrkindfamilien ab drei Kindern sowie Familien mit Migrationshintergrund sind in höherem Ausmaß von Armut betroffen.
 
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