Armenien & Aserbaidschan – 01.10.20

SOS-Programme laufen weiter - trotz Corona und Grenzkonflikt

Seit zwei Jahren setzen wir uns in Armenien für besonders gefährdete Familien ein. Corona und der neu aufgeflammte Konflikt in Bergkarabach bringen jedoch Herausforderungen mit sich - für die Familien und auch die SOS-MitarbeiterInnen.

Seit März ist auch Armenien stark vom Coronavirus betroffen. Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise bringen soziale Probleme mit sich, wie Ungleichheit, Diskriminierung und Kriminalität. Auch die Bildung der Kinder und Jugendlichen ist auf lange Sicht gefährdet. 

Das SOS-Kinderdorf-Projekt zur Stärkung von besonders gefährdeten Familien wirkt diesen Problemen entgegen. Trotz der vielen Schwierigkeiten und Einschränkungen wird das Projekt weitergeführt und an die neuen Herausforderungen angepasst. So wurden beispielsweise Kurse und Beratungen virtuell abgehalten. Außerdem wurden zum Schutz vor dem Virus Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhe an Familien verteilt. Der Konflinkt in der Grenzregion bedeutet für die SOS-MitarbeiterInnen, die betreuten Familien psychologisch vermehrt zu unterstützen, auch telefonische Beratungen anzubieten und auch selbst vorsichtiger zu agieren.

Die eigentlichen Ziele des SOS-Projekts wurden dabei nicht außer Acht gelassen und SOS-Kinderdorf konnte bereits 200 Familien durch multiprofessionelle Unterstützung helfen.

 

SOS-Mitarbeiter verteilen Hilfspakete an besonders gefährdete Familien, um die größte Not zu lindern.
 
Armutsbekämpfung und Gleichstellung der Geschlechter

Die Familien werden begleitet und unterstützt, damit sie selbst ein stabiles Familieneinkommen aufbauen können. Neben Berufsberatungen und Trainings werden Arbeitsmaterialien wie Nähmaschinen oder landwirtschaftliche Geräte bereitgestellt. Auch die Rolle der Frau in der Familie soll langfristig gestärkt werden. Mit Hilfe von Kursen und mit einer/m SozialarbeiterIn werden Frauen psychologisch begleitet, um ihr Verantwortungs- und Selbstbewusstsein zu stärken. 

 

In Workshops lernen Frauen Selbstvertrauen zu fassen und sich bei Entscheidungen die Familie betreffend aktiver einzubringen.

 

Ernährungssicherheit, medizinische Versorgung und schulische Bildung  

Auch direkte Unterstützungsleistungen in Form von Essenpaketen, Hygieneartikel und Kleidung sind im Rahmen des Programms möglich, um die größte Not zu lindern. Zusätzlich können die Familien kostenlos medizinischen Leistungen in Anspruch nehmen.

Um Bildung und die Entwicklung von sozialen Kompetenzen von Kindern zu unterstützen, werden Lernmaterialien und Schuluniformen bereitgestellt und Nachhilfestunden gefördert.

27. September 2020

Konflikt in Bergkarabach - alle Kinder in SOS-Kinderdörfern sind in Sicherheit

Am 27. September kam es in Bergkarabach zu Kämpfen zwischen armenischen und aserbaidschanischen Streitkräften.

"Wir sind zutiefst besorgt um die Sicherheit und das Wohlbefinden aller Kinder", sagt Tom Malvet, Internationaler Direktor der SOS-Kinderdörfer für die Region Naher Osten. "Derzeit sind alle Kinder aus den SOS-Kinderdörfern in Armenien (Kotayk und Ijevan) und Aserbaidschan (Baku und Ganja) in Sicherheit. Wir beobachten die Situation zusammen mit unseren Kollegen vor Ort genau. Wir hoffen, dass beide Seiten von Gewalt Abstand nehmen und nach Wegen für eine Lösung durch Verhandlungen suchen." 

Das Programm zur Stärkung der Familien in Ijevan, ist bislang nicht davon betroffen. "Unsere Sozialarbeiter stehen in direktem Kontakt mit allen Familien, während unsere Psychologen telefonische Beratung anbieten.", so Spartak Sargsyan, Nationaldirektor von SOS-Kinderdorf Armenien.