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Österreich – 25. Oktober 2018

Familien unter Druck

Tirol ist ein reiches Land. Trotzdem ist laut aktueller Statistik jeder siebte Mensch von Armut gefährdet, laut einer anderen Studie jedes fünfte Kind in Österreich.

Wolfgang Katsch

"Armut äußert sich in Österreich bei Kindern und Jugendlichen weniger in Hunger und einem Leben auf der Straße. Sie nimmt jedoch massiven Einfluss auf die Entwicklung und beeinträchtigt oft das spätere Leben als Erwachsener."

Wolfgang Katsch

 

Was erleben betroffene Kinder und Familien?

  • Was heißt es, die kranke Mutter zu pflegen oder zu erleben, dass die Mutter drei Jobs hat und trotzdem nie genug Geld da ist?
  • Was heißt es, sich jeden Arztbesuch zu überlegen, weil alle Behandlungen mit Selbstbehalt eine Katastrophe bedeuten?
  • Wie fühlt es sich an, Angst vor der Zukunft zu haben, das Gefühl zu erleben, nicht gesehen zu werden.

"Das sind alles Fragen aus der realen Lebenswelt junger Menschen, auf die wir als Antworten finden und Verantwortung übernehmen müssen", betont Katsch.

 

Armut macht krank und Krankheit macht arm.

Armut belastet Kinder und Jugendliche und kann mit Lernschwächen, Krankheitssymptomen und Mobbing einhergehen. Nicht selten besuchen Kinder von Alleinerzieherinnen krank die Schule, da ihre Mutter die Pflegetätigkeit zuhause wegen der Angst um den Arbeitsplatz nicht übernehmen kann.

"Wohnen, Essen, Kleidung, Ausgaben für Kinderbetreuung, Schule und Freizeitaktivitäten sind für Familien mit Kindern generell eine Herausforderung, für armutsgefährdete Familien nicht mehr bewältigbar. Waren vor 50 Jahren das Festnetztelefon und vielleicht ein Fernseher Standard, sind heute Handy und Computer nicht mehr wegzudenken. Daher fordert SOS-Kinderdorf eine aktuelle Kinderkostenerhebung als Basis für eine seriöse Familienpolitik", erklärt Katsch.

 


Das Einkommen vieler Familien ist so gering, dass sie es sich nicht leisten können, die Wohnung richtig zu heizen oder eine neue Waschmaschine zu kaufen. Eine unerwartete Ausgabe kann ihre Existenz bedrohen.

Wolfgang Katsch
SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter

 

 

Armut als Bedrohungsspirale für Kinder und Familien

Wenn Familien aus finanziellen Gründen immer mehr unter Druck geraten, ist auch das familiäre System von Erziehung und Förderung der Kinder in Gefahr. Da genügt eine einzige Zusatzbelastung, wie der Verlust der Arbeit, Krankheit oder ein Todesfall in der Familie – und die ganze Welt bricht über ihr zusammen. Aus reiner Überforderung können Vernachlässigung, Verwahrlosung bis hin zu Gewalt in der Familie die Folge sein.

SOS-Kinderdorf erlebt in der Arbeit mit Eltern und Kindern täglich, wie Armut in Kombination mit anderen familiären Krisen dazu führen kann, dass Familien auseinanderbrechen. Durch unsere Ambulante Familienarbeit und mobile Beratung unterstützen wir in ganz Tirol Familien, damit dies nicht geschieht. Wir stärken die Familien und ihr Umfeld, um den Teufelskreis von Armut und Ausgrenzung zu durchbrechen. Hier präventiv zu handeln ist nicht nur eine zutiefst menschliche und soziale Aufgabe, sondern auch eine ökonomisch sinnvolle Investition.

 

Weiterführende Informationen

 

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