Weltaidstag – 1. Dezember 2017

"Wir sind stark und stÀrker"

36 Millionen Menschen leben mit HIV, im Jahr 2016 kamen ca. 1,8 Millionen Neuinfektionen dazu. 15 Millionen Kinder sind aufgrund HIV/Aids Halb- oder Vollwaisen.

Am heutigen Weltaidstag wollen wir von zwei starken Frauen erzĂ€hlen, die dank der SOS-Familienhilfe ins Leben zurĂŒckgefunden haben. Gemeinsam kĂ€mpfen sie gegen Ausgrenzung und leisten AufklĂ€rungsarbeit ...
 

Esther und Beatrice - zwei starke Frauen

Die zwei MĂŒtter Esther und Beatrice leben in einer lĂ€ndlichen Gemeinde in Sambia. Sie teilen das gleiche Schicksal: beide sind HIV positiv, beide waren dem Tod nahe und ihre Kinder in grĂ¶ĂŸter Gefahr, ohne Eltern aufwachsen zu mĂŒssen. Doch beide haben sich ins Leben zurĂŒckgekĂ€mpft und sind mit ihrer Vorbildwirkung aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken.
 
Mit einer geborgten Strickmaschine von SOS-Kinderdorf stellt Beatrice Strickwesten her. Damit kommt sie mit ihren Kindern gut ĂŒber die Runden. (Foto: SOS-Archiv)
 

"Ich habe meine Diagnose verdrÀngt"

Esther ist 45 Jahre alt und hat sechs Kinder. Sie spricht sehr offen ĂŒber ihr Schicksal: "Meine Diagnose hat mich nicht ĂŒberrascht, weil mein Mann bereits an Aids starb", erzĂ€hlt Esther. "Ich habe die Krankheit verdrĂ€ngt. Ich muss sechs Kinder versorgen, das gab mir Kraft. Eines Tages kam ich nicht mehr aus dem Bett, ich dachte, jetzt stirbst du Esther."

"Kein Geld heißt kein Essen!"

Beatrice ist jetzt 51 Jahre alt und sie teilt das gleiche Schicksal: "Mein Mann ist schon lange tot. Als Schneiderin verdiente ich sehr gut, meinen sieben Kindern fehlte es an nichts! Doch die KrĂ€fte verließen mich und damit brach meine Welt zusammen: kein Geld, kein Essen. Keine Kraft die Kinder zu wecken und sie in die Schule zu schicken. Der Tod klopfte an die TĂŒr."

Hilfe durch die SOS-Familienhilfe 

BuchstĂ€blich in letzter Minute hat sich die SOS-Familienhilfe der beiden Frauen und ihrer 13 Kinder angenommen, Esther 2004 und Beatrice ein Jahr spĂ€ter. Ihre Kinder wurden in die Schule geschickt, SOS-Kinderdorf bezahlte Schuluniformen, Schulsachen und Schuhe. ZusĂ€tzlich erhielten die Familien regelmĂ€ĂŸig Lebensmittelpakete. Die Medikamente werden auch heute noch von SOS-Kinderdorf besorgt.

Dank der Medikamente und der UnterstĂŒtzung gewannen die MĂŒtter schnell an Kraft. Sie gestalteten das Familienleben wieder eigenstĂ€ndig, was ihnen sehr wichtig war. "Als es mir wieder besser ging, wollte ich so schnell wie möglich wieder unabhĂ€ngig werden", sagt Esther. "Ich zĂŒchte HĂŒhner und verkaufe sie. Nebenbei putze ich in einem Krankenhaus. Ich zahle auch wöchentlich in den Sparverein ein. Der streckt mir wiederum das Schulgeld vor, wenn es mal nicht reichen sollte."
 
Beatrice ist sehr stolz auf ihre kleine HĂŒhnerfarm. Wenn etwas Geld aus dem Strickwestenverkauf ĂŒbrig bleibt, investiert sie es sofort in ihr Projekt. (Foto: SOS-Archiv)

Auch Beatrice ist schon wieder die tatkrĂ€ftige Frau von frĂŒher. Mit einer geborgten Strickmaschine von SOS-Kinderdorf, produziert und verkauft sie Strickwesten. Den Erlös investiert sie sofort in den Kauf von HĂŒhnchen. Über 100 sind es mittlerweile, die sie aufzieht und nach sechs Wochen weiterverkauft.
 


"Ich bin SOS-Kinderdorf sehr dankbar. Das Team hat mich aufgefangen und mir geholfen, als ich am Boden war."

Beatrice, Sambia


"Das Team von SOS-Kinderdorf hat mir auch gezeigt, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Vieles ist möglich, wenn man den Willen dazu hat - und die Kraft. Und die habe ich dank SOS! Ich bin noch nicht da, wo ich sein möchte. Aber ich bin auf dem richtigen Weg", ist Beatrice ĂŒberzeugt.

 
Auch Esther versucht sich mit HĂŒhnerzucht. Nebenbei putzt sie im nahegelegenen Krankenhaus. Die Medikamente könnte sie sich trotzdem nicht leisten. Diese erhĂ€lt Sie kostenlos aus dem SOS-Medical Center (Foto: SOS-Archiv) 

Gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung

Esther und Beatrice sind Mitglieder in einem Selbsthilfe-Verein. Sie treffen sich dort regelmĂ€ĂŸig um sich gegenseitig Kraft zu geben. Sie beraten auch Neuerkrankte, gehen in Kirchen, Schulen, auf MĂ€rkte und klĂ€ren auf, wie man sich vor HIV schĂŒtzen kann. "Ich habe akzeptiert, dass ich HIV-positiv bin und ich verstecke mich nicht! Ich gehe zu den Leuten, die hinter dem RĂŒcken ĂŒber mich reden und mich auslachen!"
 
"Ihr habt geglaubt ich sterbe, aber schaut, es gibt mich noch!"

 

Esther, Sambia

"Ich stehe direkt vor euch und erzĂ€hle euch, dass nicht die erkrankten Frauen und MĂ€nner Schande ĂŒber euch bringen sondern euer Verhalten", sagt Esther. Sie hofft, dass es ihre Kinder einmal besser haben und dank der Schulausbildung etwas aus sich machen.
 
In SOS-Medizinzentren, wie hier in Sambia, werden Patienten behandelt, AufklÀrungs- und PrÀventionsarbeit geleistet. (Foto: SOS-Archiv)

"Ein Schulabschluss ist so wichtig!", ergĂ€nzt Beatrice. "Meine Kinder sind fleißig, sie werden es schaffen!" Derzeit will sie ganz fĂŒr sie da sein und sie auf den richtigen Weg bringen, wie sie sagt. Wenn sie erwachsen sind, möchte Beatrice ihre HĂŒhnerfarm ausbauen: "Schritt fĂŒr Schritt, bis ich es geschafft habe!"


FamilienstÀrkende Programme bei SOS-Kinderdorf

Ziel der SOS-Familienhilfe ist das Wohl des Kindes: es soll in seiner eigenen Familien aufwachsen können; eine positive Entwicklung der ganzen Familie soll ermöglicht werden. Gemeinsam wird an der Verbesserung der Familien-Situation gearbeitet, die von medizinischer Betreuung und Grundversorgung, ĂŒber Bereitstellung von Schulgeld und -materialien bis zur psycho-sozialen Betreuung reicht. Ein Schwerpunkt bei den Erwachsenen liegt auf der Vermittlung von wirtschaftlichem Know-how, um Wege aus der Armut zu finden. Sie werden bei der Erhöhung ihres Einkommens unterstĂŒtzt, um (wieder) selbststĂ€ndig fĂŒr die Kinder sorgen zu können. Zur Entlastung der Familie werden die Kinder oftmals in SOS-Kinderdorf-Tageszentren betreut, verköstigt und bei Bedarf medizinisch versorgt.
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