Hilfe beim Erwachsenwerden

Der Kampf mit der Waschmaschine

Tobias hat drei Tipps zum Erwachsenwerden: Nicht alles alleine machen - langsam angehen - und sich Hilfe holen, wenn man sie braucht!

540 Jugendlichen wachsen derzeit bei SOS-Kinderdorf in Österreich auf oder werden - so wie Tobias - in die Selbstständigkeit begleitet.

"Am Anfang war es nicht so einfach, das richtige Waschprogramm zu finden", erzählt Tobias. "Und früher war der Kühlschrank einfach immer voll." Das sind nicht die einzigen Dinge, die der 18-Jährige auf seinem Weg in die Selbstständigkeit gelernt hat. Aber sie fallen ihm spontan ein, wenn man fragt, welchen Herausforderungen er sich bislang stellen musste.

Neues Zuhause

Mit knapp sechs Jahren fand er mit seinen beiden Geschwistern in einer Kinderdorffamilie in Seekirchen ein neues Zuhause. Mit 16 wechselte Tobias in die Wohngruppe des neuen Jugendwohnhauses im Dorf.

 

"Es war aufregend in die WG zu ziehen. Man hat irgendwie gemerkt, dass man kein kleines Kind mehr ist und für viele Dinge selbst mehr Verantwortung trägt. Eine aufgeräumte Gemeinschaftsküche und ein sauberes Badezimmer zum Beispiel."

 

Beim wöchentlichen Hausmeeting mit den anderen WG-Jugendlichen und dem achtköpfigen Betreuerteam, das rund um die Uhr den Jugendlichen zur Seite steht, wird festgelegt, wer Küchendienst hat und was gekocht wird. Natürlich gab es, wie in jeder anderen WG auch, immer jemanden, der den Plan nicht so eng gesehen hat. "Dann hat es auch schon mal Beef gegeben, aber nicht auf dem Teller", schmunzelt Tobias.

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Unterstützung auf dem Weg in die Selbstständigkeit

Im Mai 2019 startete er seine Ausbildung zum Milchtechnologen. Er wechselte nicht nur von der Schule ins Lehrlingslabor, sondern innerhalb des Jugendwohnhauses auch gleich in die eigenen vier Wände. Das flexibel und nachhaltig gebaute Holzhaus ist für alle Entwicklungsphasen der Teenager gerüstet und hat neben den Einzelzimmern auch zwei abgetrennte Garconnieren mit Küchenzeile und eigenem Bad.

 

"Jetzt habe ich ein kleines Haushaltsbudget und muss lernen, mich selbst zu versorgen", erzählt Tobias. Das gelingt ihm nicht immer, aber immer besser, verrät er. "Alleine zu wohnen, ist total klasse. Ich habe einen eigenen Schlüssel und kann selbstständig kommen und gehen. Aber so richtig wohl fühle ich mich, weil ich weiß, dass die Betreuer nach wie vor für mich da sind, wenn ich Hilfe brauche. Das gibt mir viel Sicherheit."

Angekommen in den eigenen vier Wänden

Eingelebt hat er sich in seiner kleinen Wohnung schon sehr. Das mit dem Kochen klappt inzwischen auch und mit der Waschmaschine steht er nicht mehr auf Kriegsfuß. Allerdings lässt sich nicht mehr nachvollziehen, ob einige seiner Kleidungsstücke aufgrund der eigenen Kochkünste oder des falschen Waschprogramms plötzlich so klein geworden sind

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