Schülerwohnen – 28. Mai 2018

Ein Platz für Julius

Julius kam zu uns vor über zwei Jahren. Er verweigerte die Schule und hatte keine sozialen Kontakte zu gleichaltrigen Kindern. Der Mutter fiel es von Anfang an schwer, einer stationären Fremdunterbringung zuzustimmen.

Anfängliche Vorwürfe und Misstrauen gegenüber der Kinder- und Jugendhilfe und uns als sozialpädagogisches Angebot erschwerten die Zusammenarbeit. Eine vermutete Diagnose Autismus konnte zuvor nicht bestätigt werden, das Verhalten von Julius war jedoch nicht immer leicht zu verstehen.

Nach intensiver Zusammenarbeit und vielen Gesprächen konnte das Vertrauen der Mutter gewonnen werden und dadurch die Unterbringung von Julius einen positiven Entwicklungsverlauf nehmen.

 

In den SOS-Wohngemeinschaften kann sehr sensibel und behutsam auf die Bedürfnisse jedes Kindes eingegangen werden. Foto: SOS-Archiv.


Nach einigen Untersuchungen im Mosaik wurde die Diagnose Autismus gestellt. Dies beruhigte einerseits die Mutter, da sie immer wieder darauf hinwies, aber nicht gehört wurde und andererseits war sie auch aufgebracht, denn dadurch hatte sie bisher keinen Anspruch auf spezielle Therapiemöglichkeiten. Diese Unterstützung kann Julius nun ermöglicht werden. Über den Verein Libelle nimmt er wöchentlich abwechselnd an einer Einzeltherapie oder an der Gruppentherapie teil, begleitet alle zwei Wochen von seiner Mutter.
 

Der erste gemeinsame Urlaub mit Mama

Heuer im Sommer wurde eine gemeinsam Therapiewoche für Julius und seine Mutter in Kärnten ermöglicht, der erste gemeinsame Urlaub mit seiner Mama. Beide kamen glücklich zurück. Weiteres gab es auch zusätzliche Gesprächstermine und Ausflüge gemeinsam mit Julius, seiner Mama und der Familienberaterin. Immer wieder wurden Erziehungsthemen und Verhaltensmuster besprochen und reflektiert. Dies stärkt auch die Mutter in ihrem Tun und Selbstbewusstsein.

 

Der erster gemeinsame Urlaub war für beide eine wunderbare Erfahrung. Foto: SOS-Archiv.


Das erste Schuljahr verlief trotz Schulassistenz sehr holprig. Seit dem Schulwechsel änderte sich die Schuleinstellung. Julius bekam eine außerordentlich empathische und geduldige Schulassistentin, die ihm jeden Tag voll und ganz zur Seite steht und trotz schwieriger Themen und Situationen immer wieder den Rücken stärkt.

In der Wohngemeinschaft dauerte es einige Zeit, bis er bestimmte soziale Fertigkeiten erlernte, um auf Gleichaltrige zugehen zu können. Immer wieder braucht er dafür viel Anleitung und Unterstützung. Trotzdem gelingt es ihm immer besser, sich auch auf sein Gegenüber einzulassen und in Austausch zu gehen. Einer seiner eigenen großen Ziele am Anfang der Unterbringung war es, Freunde zu haben. Dieses Ziel konnte Julius selbst in Angriff nehmen und es ist schön zu beobachten, wie er sowohl bei den Mädchen als auch in der Burschengruppe seinen Platz gefunden hat.

 

Schülerwohnen

Das Angebot Schülerwohnen Graz befindet sich in einem Doppelhaus, gegliedert in zwei getrennt begehbare Wohnungen für je sechs Mädchen und sechs Burschen ab dem 10. Lebensjahr. Auf Basis des Kooperationsmodells werden mit allen Beteiligten (Kinder- und Jugendhilfe, TherapeutInnen, Familie und Kindern) Verstehens- und Veränderungsprozesse angeregt. In der Betreuung werden die Loyalitätsbindungen der Kinder zu ihren Familien berücksichtigt und gewürdigt. Das Bestreben ist eine Rückführung zu den Eltern bzw. eine Stabilisierung der Beziehung zu den Eltern.

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