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Ein Jahr nach Idai

Nothilfe, Traumabewältigung
und Aberglaube

Übersicht Soforthilfe

  • 200 Kinder für drei Monate in Beira aufgenommen
  • 500 Familien mit Lebensmittel und Hygieneartikel versorgt
  • Klassenräume wiederhergestellt für 3.900 Schüler

Übersicht SOS vor Ort

  • Langfristes Zuhause in 6 SOS-Kinderdörfer
    für 751 Kinder & Jugendliche
  • Familienstärkungsprogramme für
    4.185 Kinder und deren Familien
  • Bildungsprogramme für 229 SchülerInnen

Enorme Hilfsbereitschaft aus Österreich

Der Zyklon Idai, der am 15. März 2019 Verwüstung und Zerstörung nach Mosambik brachte, hinterließ nicht nur hunderttausende zerstörte Häuser und über 700 Tote, sondern unzählige verzweifelte und traumatisierte Menschen.


Die unglaublich große Unterstützung hat es uns ermöglicht, umfassende Soforthilfe für die Betroffenen zu leisten und weiterführende Betreuung für traumatisierte Opfer und Alleinerzieherinnen zu etablieren. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken!

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf

 

 

Opfer in Mosambik zwischen Traumatisierung und Aberglaube

Die Helferinnen und Helfer kämpfen ein Jahr danach vor allem mit mangelndem Verständnis für psychische Erkrankungen, Aberglaube und Interventionen von Wunderheilern. SOS-Kinderdorf klärt unter anderem über psychische Erkrankungen auf und bietet Therapien.

Sarita mit ihren Geschwistern. (Foto: Cornel van Heerden - SOS-Archiv)

 Sarita, Beira

"Ich dachte, sie wäre von bösen Geistern befallen"

 

„Meine Mutter lief plötzlich von Zuhause weg, als sie wiederkam, hat sie halluziniert und wirre Stimmen gehört“, erzählt Sarita (18), deren Haus und Lebensgrundlage durch den Zyklon zerstört wurde. „Ich hätte nicht gedacht, dass sie krank ist, sondern war sicher, dass böse Geister sie befallen haben.“ Saritas Mutter hat nicht nur ihr gesamtes Hab und Gut durch den Zyklon verloren, sondern einige Wochen später auch ihre sieben Monate alte Tochter durch einen Cholera-Ausbruch in Beira. Wie sie, leiden viele Opfer des Zyklons noch immer unter Traumatisierungen.

Luisa mit ihrem jüngsten Enkelkind blickt auf die Trümmer ihres einstigen Traumhauses. (Foto: Cornel van Heerden - SOS-Archiv)

 Luisa, Beira

"Ich habe alles verloren."

 

Luisa ist dankbar, am Leben zu sein und für die Gesundheit ihrer acht Kinder. Vor Idai konnte sie sich in letzter Sekunde retten. Ihr zerstörtes Haus ist eine Zahl für die Statistik: 100.000 Häuser wurden in Beira City zerstört, 200.000 wurden beschädigt. "Ich hatte eine Schachtel mit sehr guten Tellern, eine Reihe von Tassen für besondere Anlässe und einen guten Schrank - ich habe alles verloren", sagt Luisa und sitzt vor den Trümmern ihres einstigen Traumhauses.

Maria (links) mit Tochter und Enkelkindern vor ihrem neuen Verkaufsstand. (Foto: Cornel van Heerden - SOS-Archiv)

 Maria, Beira

"Ich versuche wieder in den Alltag zurückzufinden."

Maria bemüht sich sehr wieder in ihr altes Leben zurückzufinden. Doch es gelingt ihr schwer. Maria verlor durch Idai ihren Lebensunterhalt; die Jahresernte ihres Reisfelds und ihren kleinen Shop, der von Idai weggefegt wurde. Die Mauern ihres alten Wohnhauses hielten dem Sturm stand, das Blechdach wurde jedoch weggerissen. Der Neubau, den sie so mühsam zusammengespart hatte und der kurz vor der Vollendung stand, wurde von den Wassermassen zerstört.

Ein Besuch im Kinderschutz-Zentrum in Beira im April 2019

Therapiesitzungen für 500 Familien

"Psychotherapeutischer Aufarbeitung und Hilfe stehen leider oft traditionelle Bilder im Weg", erklärt Christian Moser. "Hilfe wird nicht bei Psychologinnen und Psychiatern gesucht, sondern bei traditionellen Heilern. Sie sollen Kontakte mit den Toten aufnehmen, um die bösen Geister zu vertreiben."

Auch Saritas Mutter wurde von Verwandten zu einem "Hexenarzt“ gebracht und Sarita mit ihren jüngeren Geschwistern alleine zurückgelassen. In dieser Situation hat SOS-Kinderdorf geholfen, die Kinder zu versorgen und der kranken Mutter zu helfen.

SOS-Kinderdorf hat ein Programm gestartet, um Betroffene und deren Familie über psychische Erkrankungen und Traumatisierungen aufzuklären. "Wir möchten den Erkrankten helfen, mit ihren Erfahrungen klar zu kommen, Stigmatisierung abzubauen und Behandlungen zu bekommen", erklärt Moser.

Im vergangenen Jahr haben bereits über 500 Familien an Therapiesitzungen teilgenommen.


Unsere Arbeit in Katastrophenfällen ist nach der ersten Nothilfe nicht erledigt. Die Folgen des Zyklons sind für die Menschen jahrelang spürbar, wir lassen sie damit nicht alleine.

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf

Weltweite Nothilfe

Damit SOS-Kinderdorf bei akuten Krisen schnell und zielgerichtet helfen kann, planen und koordinieren die KollegInnen die Nothilfe vor Ort mit allen notwendigen Maßnahmen.

Für diese rasche und unbürokratische Hilfe benötigen wir Spenden, die wir genau dort einsetzen können, wo sie am dringendsten benötigen werden. 

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