Europäische Asylpolitik – 07.09.21

Ein Jahr nach dem Brand

Ein Jahr nach dem verheerenden Brand in Moria appelliert SOS-Kinderdorf an österreichische Politik, sich im Sinne der Kinderrechte einzubringen.

"Vor einem Jahr wurde das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos durch einen Brand zerstört. Seither leben tausende Menschen, unter ihnen viele Kinder und Familien, unter katastrophalen Umständen im provisorischen Flüchtlingslager Kara Tepe II", so SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser. "Genauso provisorisch und katastrophal ist aktuell die europäische Asylpolitik, die es seit Jahren nicht schafft, einen gemeinsamen Weg zu gehen und vor allem menschen- und kinderrechtskonforme Zustände herzustellen."

 


Kinder, die in Lagern an den EU-Außengrenzen aufwachsen, kennen kein normales Leben. Sie waren noch nie in der Schule, kennen keinen Spielplatz. Die Kinder, die den Brand in Moria miterlebten, wurde vor einem Jahr ein weiteres Mal traumatisiert und vorrübergehend obdachlos.

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf

 

Anlässlich des ersten Jahrestages des Brandes in Moria betont SOS-Kinderdorf einmal mehr, dass Kinderrechte in der europäischen Asylpolitik ernst genommen werden müssen.

Seit dem Herbst 2020 liegt ein erster Entwurf für einen neuen Europäischen Migrationspakt vor. "In dem Entwurf wird auch der ‚Vorrang des Kindeswohls‘ betont – ein kleiner Hoffnungsschimmer, doch mit Blick auf die aktuelle Situation und auf die vielen Asylsuchenden aus Afghanistan hat man den Eindruck, dass sich nichts ändert und die europäische Asylpolitik stagniert. Österreich hat eine große Verantwortung, sich mit aller Kraft für die Kinderrechte in der europäischen Politik einzusetzen." SOS-Kinderdorf hat Empfehlungen für den neuen Migrationspackt entwickelt, um die Rechte von Kindern auf der Flucht sicherzustellen.

 

Sicheres Ankommen und kinderrechtskonforme Unterbringung

"Es ist unbedingt notwendig, dass alle Kinder unter 18 Jahren unmittelbar nach ihrer Ankunft in der Europäischen Union in kindgerechte Quartiere gebracht werden, die den Kinderschutz garantieren und die notwendige Ausstattung, Betreuung und Unterstützung bieten", so Moser. Es brauche sofort eine Person, die mit der Obsorge betraut wird. Außerdem sollten Expert*innen, wie Kinderärzt*innen, Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen, die dringendsten Versorgungs- und Unterstützungsnotwendigkeiten definieren. Von Beginn an gilt es, ein regelmäßiges Bildungs- und Freizeitangebot zu unterbreiten, um eine zumindest vorläufige Tagesstruktur zu bieten

 

Europäischer Solidaritätspool für eine strukturierte Verteilung

Spätestens nach 6 Wochen soll eine Entscheidung im Asylverfahren getroffen sein und spätestens nach 8 Wochen soll eine finale kinderrechtskonforme Unterbringung und Betreuung garantiert sein. "Nur so können wir Kindern ermöglichen, an einem Ort anzukommen und Zukunftsperspektiven zu entwickeln", so Moser.

Damit ausreichend kinderrechtskonforme Betreuungseinrichtungen zur Verfügung stehen, empfiehlt SOS-Kinderdorf einen permanenten europäischen Solidaritätspool für besonders gefährdete Gruppen, wie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Familien mit minderjährigen Kindern. In diesen Solidaritätspool sollen Nationalstaaten, genauso aber Kommunen und Gemeinden freie Kapazitäten einmelden können.

 

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