Digitalisierungsreform – 18.06.20

Hardware allein wird die SchülerInnen nicht medienfit machen

Unser Geschäftsführer Christian Moser fordert mehr Maßnahmen, um die digitale Medienkompetenz voranzutreiben.

Die Corona-Krise hat es allen ganz klar vor Augen geführt: an der Digitalisierung kommt niemand vorbei und wer in unserer Gesellschaft nur eingeschränkten Zugang zu technischen Geräten und Nutzungskompetenz hat, hat das Nachsehen – und das trifft im Besonderen auf Kinder und Jugendliche zu. In den letzten Wochen entschied die IT-Ausstattung und Medienkompetenz in den Haushalten vielfach über Erfolg und Misserfolg des Homeschooling. Das Recht auf Bildung wurde dadurch für viele Kinder und Jugendliche massiv eingeschränkt oder verletzt.


Eines ist klar: die Ausstattung mit technischen Geräten allein reicht nicht aus!

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf

„Wir begrüßen daher sehr, dass die Regierung hier Versäumnisse der Vergangenheit erkannt hat und eine Digitalisierungsreform vorantreiben möchte. Doch eines ist klar: die Ausstattung mit technischen Geräten allein reicht nicht aus“, so Moser.

 

Förderung der Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche

Wichtig ist nun die Weiterentwicklung und der zügige Ausbau von Maßnahmen wie der digitalen Grundbildung. Diese sollte in altersadäquater Weise bereits in der Volksschule starten. "Damit junge Menschen zu kompetenten und kritischen Usern heranwachsen können, brauchen wir eine moderne Medienerziehung über alle Schulstufen und Schulformen, bereits ab der Volksschule!", sagt Moser.

 

Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer erforderlich

Zentral dafür ist, dass es ausreichend zeitliche und finanzielle Ressourcen sowie flächendeckende Fortbildungsmaßnahmen für Lehrerinnen und Lehrer zu digitalen Kompetenzen gibt. „Wir müssen junge Menschen dabei unterstützen die notwendigen Nutzungskompetenzen zu entwickeln - nicht nur technische, sondern vor allem auch soziale“.

 

Anstieg von Cyber-Mobbing und sexueller Belästigung im Netz

Dass ein verantwortungsbewusster und sicherer Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken nicht nur technische Kompetenzen erfordert, zeigt auch die Problematik von Gewalt im Netz: Schon vor der Corona-Krise waren rund 30% der 11-18-Jährigen von sexueller Belästigung im Netz betroffen. 80% wünschten sich auch mehr Aufklärung zu diesem Thema in der Schule. Dies ergab eine von SOS-Kinderdorf und Rat auf Draht beauftragte Studie.

Während des Corona-Lockdowns verzeichnete Rat auf Draht vermehrt Beratungsanfragen zu unerwünschter Kontaktaufnahme über digitale Medien und Cyber-Mobbing. Es ist daher davon auszugehen, dass die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen in den letzten Monaten weiter angestiegen ist. "Die Regierung muss neben der technischen Ausstattung also auch dringend Maßnahmen ergreifen, um Kinder und Jugendliche vor Übergriffen und Gewalt im Netz zu schützen", sagt Moser abschließend.

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